Denkmalschutz im Zollernalbkreis
: Alte Häuser im Zollernalbkreis zum Verkauf: Alt, schön – und ziemlich kaputt

Im Zollernalbkreis stehen mehrere denkmalgeschützte Gebäude zum Verkauf, unter anderem ein Bauernhaus in Grosselfingen und ein altes Forstamt in Balingen.
Von
Caroline Strang
Balingen
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  • Das große stattliche Bauernhaus mitten in Grosselfingen von außen....

    Das große stattliche Bauernhaus mitten in Grosselfingen von außen....

    privat
  • ...und innen.

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    privat
  • Stützen halten das Haus in der Neuen Straße in Balingen. ⇥

    Stützen halten das Haus in der Neuen Straße in Balingen. ⇥

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Gegenüber der Kirche im Kern von Grosselfingen in der Hohenzollernstraße steht ein altes Bauernhaus. Stattlich sieht es aus mit seinem ausladenden Satteldach, auf der einen Seite sind die Außenwände weiß angestrichen, auf der anderen Seite schauen die Backsteine heraus. Das Haus steht da schon sehr lange. Wahrscheinlich wurde es schon im 16. Jahrhundert erbaut, es besteht aus einem Wohn- und Ökonomiegebäude mit Vorplatz, einem ehemaligen Backhaus und einer Mosterei.

„Es gehört zum frühesten überlieferten Baubestand von Grosselfingen“, sagt Besitzer Ralf Hüskes auf Anfrage. Darauf deutet einiges hin. So wurde der zweischiffige, stehende, aus sehr kräftigen Hölzern gefügte und rauchgeschwärzte Dachstuhl mit Kopfstreben ausgesteift, die in die Ständer eingezapft, mit den Pfetten aber verblattet sind. „Die Verwendung dieser Holzverbindungsart ist für einen längeren Zeitraum um 1600 nachgewiesen, ein genaues Baudatum konnte im vorliegenden Fall aber noch nicht sicher ermittelt werden“, sagt Hüskes. Das Grundstück ist 900 Quadratmeter groß, die Wohnfläche wird auf 100 Quadratmeter geschätzt.

Erste Gutachten gingen von 300 000 Euro aus

Es war ein schönes Bauernhaus – ist inzwischen aber leider „ziemlich kaputt“, wie Hüskes sagt. Er hat das Haus vor vier Jahren von einer Erbengemeinschaft gekauft. Die ersten Gutachten gingen von Renovierungskosten von rund 300 000 Euro aus, inzwischen hat sich die Summe deutlich erhöht.

Auf der Homepage des Regierungspräsidiums, auf der alle zum Verkauf stehenden denkmalgeschützten Gebäude des Zollernalbkreises aufgelistet sind, werden nun die Kosten für die fachgerechte Restaurierung auf zirka 800 000 Euro geschätzt. „Hinzu kommen die Kosten für den Innenausbau sowie Maßnahmen für eine energetische Sanierung sowie gegen die über den Boden eintretende Feuchtigkeit im Erdgeschoss“ erklärt Hüskes.

Immer mehr Schäden

Eigentlich wollte er das Haus restaurieren. Von diesem Plan ist er aber abgekommen, als immer mehr Schäden bekannt wurden. In den 1950er Jahren habe man versucht, das Gebäude an die moderne Lebenswirklichkeit anzupassen, hat dabei aber entscheidende Fehler gemacht. So seien beispielsweise die Außenwände mit Mineralwolle und Pressspan isoliert worden – „als ein Fachmann die Wand untersucht hat, wurde deutlich, dass das historische Fachwerk großflächig zerstört ist. Die Balken waren komplett zerbröselt“, sagt Hüskes.

Die falsche Isolierung führte wohl auch dazu, dass die Deckenbalken zwischen Erdgeschoss und erstem Stock verfaulten. Auch als das Gebäude schon überwiegend leerstand, waren Heu und Korn im Dachboden gelagert, das sorgte für weitere Feuchtigkeitsschäden. „Das war ein schönes, stattliches Haus, aber die Rettung wird aufwändig. Der Käufer braucht Zeit und Geld“, gibt der Besitzer zu. Der Verkaufspreis ist Verhandlungssache. Wer das Gebäude übernimmt, muss sich aber verpflichten, es zu erhalten.

Moste ist eingefallen

„Es ist ein klassisches Bauernhaus mit einem Eingangsbereich, einer Küche, einer guten Stube und Stall und Scheune“, beschreibt Reinhard Eckert vom Umweltamt des Zollernalbkreises das Gebäude in Grosselfingen. Die Moste sei bereits weitgehend eingefallen. Im Dachboden seien ganz klassische Ernteprodukte gelagert worden. „Alte Häuser sehen von außen oft nicht schlecht aus, aber man sieht häufig nicht gleich, was hinter den Fassaden oder in Wänden, Böden und Decken stecke“, sagt Eckert. Eine Sanierung sei möglich, aber aufwändig. „Man könnte das Haus retten, es wäre aber teuer.“

Neue Straße in Balingen

Im Zollernalbkreis stehen noch weitere denkmalgeschützte Gebäude zum Verkauf. Sechs Stützen hindern beispielsweise das Gebäude in der Neuen Straße 18 in Balingen am Einsturz. Viel weiß Eberhard Hauff nicht darüber, wie er sagt. Er ist Teil einer Erbengemeinschaft, die das denkmalgeschützte Gebäude verkaufen will. Zuletzt wohnten seine Tante und sein Onkel darin.

„Was ich weiß, ist, dass das Haus bei einem Stadtbrand 1804 niedergebrannt ist und dann 1812 wieder aufgebaut wurde“, erzählt Hauff. Bis ungefähr 1850 sei es das alte Forstamt gewesen, danach im Privatbesitz lange als Arztpraxis genutzt worden. Seine Verwandten hätten darin dann von ungefähr 1960 bis 1975 eine Fahrschule betrieben und es danach noch als Wohnhaus genutzt. Das Haus verfügt über zehn Zimmer, Garage und einen Stall. Das Grundstück hat eine Größe von fast 170 Quadratmetern, die Wohn- und Nutzfläche beträgt in drei Geschossen 300 Quadratmeter.

Die allerdings müssten erst restauriert und saniert werden. Den Zustand beschreibt Hauff als „baufällig“. Seine Tante und der Onkel hätten gerade die alten Elemente des Hauses gemocht und deshalb wenig verändert. Die Denkmalschützer seien ganz begeistert gewesen von den alten Türen. Doch inzwischen sei es unbewohnbar. Wie viel das Herrichten kosten würde, kann Hauff nicht einschätzen, ein Gutachten wurde bisher nicht erstellt.

Reinhard Eckert vom Umweltamt des Zollernalbkreises weist darauf hin, dass Bauherren bei denkmalgeschützten Gebäuden eingeschränkt sind. „Die Deckenhöhe alter Gebäude ist häufig niedrig und kann nicht einfach geändert werden, ebenso wenig wie die Raumaufteilung“. Vor jeder Baumaßnahme seien Fachgutachten einzuholen, wie denkmalfachgerecht restauriert werden könne. Allgemeine Infos zur Denkmalpflege in Baden-Württemberg und Leitfäden unter anderem zu Bestandserfassung und Restaurierung gibt es beispielsweise auf der Internetseite www.denkmalpflege-bw.de oder im Regierungspräsidium Tübingen unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/denkmal.