Christopher Street Day 2025: Das B in Balingen steht für bunt – so war der erste CSD

„Love is love“ (Liebe ist Liebe) ist auf dem Banner dieser Truppe zu lesen: Laut Schätzungen der Balinger Polizei zogen am Samstagabend zwischen 350 und 400 Menschen durch die Innenstadt.
Sophie Holzäpfel- Erster Christopher Street Day (CSD) in Balingen: 350–400 Teilnehmende laut Polizei.
- Veranstalter betonen Bedeutung im ländlichen Raum, geprägt von konservativen Einstellungen.
- Kritik: Keine Regenbogenflagge am Rathaus, Gewalt gegen queere Menschen steigt.
- Buntes Programm mit Musik, Reden und Parade – Marktplatz in Farbenmeer verwandelt.
- Forderungen: Gleiche Rechte, mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für queere Community.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Ort der Szene: Bahnhof Balingen. Es ist 16.15 Uhr, ein Zug fährt ein. Eine Gruppe junger Menschen steigt aus – die Wangen bunt bemalt, Glitzersteine kleben auf der Haut. Manche haben sich in Regenbogenflaggen gehüllt, andere tragen schlichte Alltagskleidung. Sie lassen sich auf den – für die Eyachstadt so charakteristischen– rosa Plastikstühlen unweit der Gleise nieder. Sie sind auf dem Weg zum ersten Christopher Street Day in Balingen. Die Initiative „Freundeskreis“ empfängt die Gruppe mit Musik, Luftballons und bunten Stickern. „Wir wollen alle, die heute für den CSD anreisen, willkommen heißen. Und dafür sorgen, dass sie sicher zum Marktplatz kommen und sich wohlfühlen“, sagt eine Sprecherin des Freundeskreises. Wenige Meter entfernt fahren drei Transporter der Polizei auf das Bahnhofsgelände. Auch die Beamtinnen und Beamten wollen dafür sorgen, dass an diesem Samstag alles friedlich verläuft.
Der Hintergrund: Der CSD ist zwar der erste in Balingen, aber nicht der Erste im Zollernalbkreis. Vergangenes Jahr fand ein CSD in Albstadt statt, eine kleine Gegendemonstration von rechts hatte sich formiert. Eine solche blieb an diesem Samstag in Balingen zwar aus, dennoch sind Veranstaltende und Teilnehmende vorsichtig.
„Menschen trauen sich hier nicht händchenhaltend zu laufen“
Entgegen der Hoffnung vieler Teilnehmenden weht anlässlich der ersten Pride-Veranstaltung keine bunte Flagge am Balinger Rathaus (wir berichteten). „Ein feiger Verweis auf politische Neutralität reicht nicht aus“, kommentiert die Sprecherin der Gruppe „Freundeskreis“. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Sie wolle nicht wiedererkannt werden, und verhindern, dass Fotos von ihr im Netz kursieren, betont die junge Frau. Das wiederum habe auch damit zu tun, dass die Gewalt gegen die queere Gemeinschaft in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Insbesondere bei kleineren CSD-Paraden im ländlichen, eher konservativ geprägten Raum wie dem Zollernalbkreis sei es wichtig, einen sicheren Treffpunkt für die Teilnehmende zu haben. „Bringt den Glitzer in diese Stadt, den sie dringend nötig hat“, ruft sie. Applaus ertönt. Wenige hundert Meter entfernt haben sich bereits hundert Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Trommelwirbel. Laute Musik von den Ärzten schallt aus den Lautsprechern von der Bühne, das Sonnenlicht bricht sich in den Seifenblasen, die durch die Luft fliegen.
Einer der Organisatoren, SPD-Stadtrat Dominik Ochs, läuft über den Platz. „Es werden noch einige Menschen mehr werden“, gibt er sich um 17 Uhr optimistisch. Und damit soll er recht behalten. Denn wenig später füllt sich der Balinger Marktplatz. Die Polizei spricht später von 350 bis 400 Teilnehmern, Mit-Organisator Peter Demmer vom Verein „Immerwaslos“ von etwa 450 Demonstrierenden. Der Aufbau sei nach Plan verlaufen, so Ochs. Die zehn Personen des Orga-Teams sowie die 25 Helfende haben alle mitangepackt. Warum ist der CSD im Zollernalbkreis so wichtig? „Wir haben im ländlichen Raum teilweise Wahlergebnisse der AfD von 40 Prozent. Und ich finde, allein das zeigt schon, dass queere Menschen hier nicht so akzeptiert werden, wie sie akzeptiert werden sollen.“ Bis heute bekomme er Zuschriften von homosexuellen Pärchen, die sich nicht trauen, händchenhaltend über den Marktplatz zu laufen. „Und solange wir so etwas bekommen, braucht es solche Veranstaltungen wie diese hier.“
Gleiche Rechte für Alle
17.15 Uhr: Es wird lauter, der zentrale Platz in der Innenstadt hat sich mittlerweile in ein Farbenmeer verwandelt. Zwei der CSD-Teilnehmenden, Nox und Bruno Lazé aus Reutlingen, sind gekommen, weil sie es wichtig finden, queere Demonstrationen in kleineren Städten zu unterstützen. „Dass hier keine Gegendemo angemeldet wurde, ist schon mal ein gutes Zeichen“, glaubt Nox. „Wir brauchen von der Politik feste Zugeständnisse, dass sie sich weiter für die Sichtbarkeit, Toleranz und Akzeptanz der queeren Community einsetzt.“ Es sollte selbstverständlich sein, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, fügt Lazé hinzu.
Gegen 18.15 setzt sich der bunte Zug in Bewegung. Das sind die Bilder. Eine ausführliche Berichterstattung lesen Sie morgen auf unserer Homepage und am Montag, 8. September, auf Papier.















