Bürgermeisterwahl Dautmergen
: Manche noch unentschlossen – das könnte eine „enge Kiste“ werden

Wer wird neuer Bürgermeister von Dautmergen? Jürgen Seng oder Tobias Peter? Am Freitag haben sich die Kandidaten vorgestellt und Fragen der Wähler beantwortet. Das Interesse war riesig.
Von
Volker Schweizer
Dautmergen
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Nachdem die Bewerber Jürgen Seng und Tobias Peter sich und ihre Ziele vorgestellt hatten, durfte nachgehakt werden. Das Frage-Antwort-Spiel eröffnete Gemeinderätin Christine Banholzer.

Nachdem die Bewerber Jürgen Seng und Tobias Peter sich und ihre Ziele vorgestellt hatten, durfte nachgehakt werden. Das Frage-Antwort-Spiel eröffnete Gemeinderätin Christine Banholzer.

Volker Schweizer
  • Bürgermeisterwahl in Dautmergen: Jürgen Seng und Tobias Peter treten gegeneinander an.
  • Rund 200 Bürger nahmen trotz Ferien an der Kandidatenvorstellung teil – große Beteiligung.
  • Beide Kandidaten betonen Wohnraum als zentrales Thema: Mehrfamilienhausprojekt im Fokus.
  • Seng will als Ansprechpartner agieren, Peter setzt auf Digitalisierung und Fördermittel.
  • Wahlentscheid am 21. September – ein knappes Ergebnis wird erwartet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In zwei Wochen entscheidet sich in der zweitkleinsten Kreisgemeinde wohl, wer den Zweikampf für sich entscheidet. Die Bewerber legen sich seit Wochen mächtig ins Zeug, tingeln durchs Dorf, verteilen Flyer, führen Gespräche mit Vereinen und Betrieben. Dass beide auch gut vorbereitet in die „Wahlarena“ gekommen sind, versteht sich von selbst. Sie trafen dort auf rund 200 Dautmerger, die – und das noch mitten in der Schulferienzeit – fast das ganze Bürgerhaus füllten. Noch wissen nicht alle, wem sie ihre Stimme geben sollen und gehen deshalb von einer „enge Kiste“ bei der Wahl aus. Das war zumindest aus Gesprächen vor der Veranstaltung herauszuhören. Vielleicht hat sie der Abend schlauer gemacht?

Das Reglement war streng: Um sich und seine Ziele vorzustellen, bekam jeder Bewerber 15 Minuten Redezeit. Weitere zehn Minuten bestand die Möglichkeit, den betreffenden Kandidaten aus der Reserve zu locken. Das Frage-Antwort-Spiel kam beides Mal schwer in Gang, die Bürger mussten regelrecht dazu animiert werden. Marion Kraft, die die Zeiten überwachte, hatte deshalb ein leichtes Spiel. Abkupfern war nicht möglich, da der Mitbewerber vor dem Saal ausharren musste.

Einen Fußabdruck hinterlassen

Jürgen Seng, der zeitlich erste Bewerber um die Nachfolge von Hans Joachim Lippus, der mittlerweile Bürgermeister a.D. ist, versicherte, dass er jede Menge Energie mitbringen wolle. Durch einen Kollegen und „guten Freund“, der erst vor kurzem sein Amt als Bürgermeister angetreten hat, ist der 44-jährige Polizist auf Dautmergen aufmerksam geworden. Dessen Wahl habe bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dazu bewogen, es ebenfalls zu versuchen – „und einen Fußabdruck in der Gesellschaft zu hinterlassen“.

Er wolle sich als „verlässlicher Ansprechpartner“ um alle Anliegen kümmern, offen, freundlich und direkt kommunizieren, Erreichtes bewahren und voranbringen. Weil es für junge Leute keinen Wohnraum gäbe, sei ihm die innerörtliche Bauentwicklung besonders wichtig. Auch wolle er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Seniorengerechte Wohnformen würden zudem auf seiner Agenda stehen.  Der Familienvater, der in Rangendingen lebt, möchte an mehreren Tagen in der Woche in Dautmergen sein, dafür auch seine Arbeitszeit reduzieren. Für fixe Termine werde er von seinem Arbeitgeber freigestellt.

Eine Entscheidung von Herzen

Tobias Peter baute seine Rede auf seiner Erfahrung auf, in Ortschafts- und Gemeindeverwaltungen, als Betriebswirt und als Dozent an der Verwaltungsschule in Balingen. Dadurch bringe er das Rüstzeug zum Bürgermeister mit und wisse auch, wie an Fördergelder zu kommen sei. Sich in Dautmergen zu bewerben, sei keine formelle Entscheidung gewesen, sondern „von Herzen“ gekommen.  Er kehre quasi zurück zu seinen Wurzeln, denn seine Großeltern haben viele Jahre einen Imbiss und einen Laden im Dorf betrieben.

Die Devise für den 36-jährigen Familienvater aus Weilstetten, der aktuell in der Immobilienbranche arbeitet: „Bewährtes wertschätzen und mit Mut Neues wagen“. Er wolle, dass Dautmergen nicht nur ein Ort mit Geschichte, sondern mit Zukunft sei. Peter möchte wie sein Konkurrent ebenfalls neuen Wohnraum schaffen und dafür das Mehrfamilienhausprojekt in der Dormettinger Straße „finalisieren“. Vorantreiben möchte er auch die Digitalisierung im Rathaus, sodass manche Behördengänge von zu Hause erledigt werden können. Wie auch sein Konkurrent hat er die Rückendeckung seines Arbeitgebers. „Mein Geschäftsführer gibt mir totale Flexibilität“, beteuerte Tobias Peter.

Großes Thema: Wohnraum

Christine Banholzer wollte von den Kandidaten wissen, ob sie auf ein Netzwerk zurückgreifen können. „Das muss ich mir erst aufbauen“, gestand Jürgen Seng, während Tobias Peter auf „viele Kontakte“ verwies. Welches konkrete Projekt sie im Falle ihrer Wahl umsetzen wollen, beantworteten beide in gleicher Richtung. Seng nannte die Umsetzung des geplanten Mehrfamilienhausprojektes, Peter die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Wie sich die Bewerber den Alltag im Rathaus vorstellen, lautete die Frage von Marion Kraft. Er sei lernfähig und lasse sich überraschen, meinte Jürgen Seng. Tobias Peter betonte, dass er die Abläufe kenne und aktiv mitarbeiten wolle. Deutlich war der Fragerunde auch zu entnehmen, dass den Kontrahenten die Zusammenarbeit mit den Vereinen außerordentlich wichtig ist. Am Schluss rief der stellvertretende Bürgermeister Tobias Wager, der aktuell auch kommissarischer Schultes ist, die Dautmerger noch auf, am 21. September ihr Kreuzchen zu setzen. Dass eine „echte Wahl“ mit zwei Kandidaten stattfinde, freue ihn ungemein und mache ihn stolz.