Brustkrebs
: Neues Gerät im Zollernalb Klinikum erkennt 40 Prozent mehr Tumore

Im Zollernalb Klinikum Balingen ist seit dieser Woche ein modernes Gerät zur Früherkennung von Brustkrebs in Betrieb.
Von
Anna Maria Jaumann
Balingen
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  • Balingen gegen Brustkrebs (von links): Sabine Berrera (Breast Cancer Nurse), Heidrun Moron (Oberärztin Radiologie), Marija Radunovic (Oberärztin Gynäkologie), Julia Klenske (Chefärztin Gynäkologie), Michael Bitzer (Chefarzt Radiologie).

    Balingen gegen Brustkrebs (von links): Sabine Berrera (Breast Cancer Nurse), Heidrun Moron (Oberärztin Radiologie), Marija Radunovic (Oberärztin Gynäkologie), Julia Klenske (Chefärztin Gynäkologie), Michael Bitzer (Chefarzt Radiologie).

    Anna Maria Jaumann
  • Zehn Frauen haben die leitende medizinische Technologin, Priska Hauth, und ihre Kolleginnen bereits mit dem neuen Gerät gescreent.

    Zehn Frauen haben die leitende medizinische Technologin, Priska Hauth, und ihre Kolleginnen bereits mit dem neuen Gerät gescreent.

    Anna Maria Jaumann
  • „Zwischen 70 und 80 Brustbefunde erstellen wir durchschnittlich an einem Tag im Zollernalb Klinikum“, sagt der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Radiologie, Michael Bitzer. ⇥

    „Zwischen 70 und 80 Brustbefunde erstellen wir durchschnittlich an einem Tag im Zollernalb Klinikum“, sagt der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Radiologie, Michael Bitzer. ⇥

    Anna Maria Jaumann
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Wir haben das Gerät seit zwei Tagen in Betrieb – ich bin ganz begeistert“, sagt Michael Bitzer, Chefarzt der Radiologie und Ärztlicher Direktor am Zollernalb Klinikum in Balingen, beim Pressegespräch am Mittwoch. Die Rede ist vom Mammomat Revelation, einem Gerät zur Tomosynthese, einem modernen Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung.

Neue Krebs-Früherkennung im Zollernalb Klinikum

Die Tomosynthese ist laut Bitzer ein erheblicher Fortschritt in der Brustkrebsdiagnostik. „Durch das Verfahren können wir 40 Prozent mehr Tumore erkennen.“ Insbesondere bei sehr dichtem Brustdrüsengewebe sei es ohne Tomosynthese oft schwierig Überlagerungen auszublenden und auch die kleinsten Tumore zu entdecken. Etwa 200 000 Euro kostet so ein Mammomat.

Im Gegensatz zu zur herkömmlichen zweidimensionalen Mammographie erzeugt das Tomosynthese-Gerät eine Serie von Schichtaufnahmen, die eine dreidimensionale Darstellung der Brust ermöglichen. „Die Mammographie ist quasi ein Standbild“, erklärt Bitzer: „Bei der Tomosynthese schwenkt die Röntgenröhre jeweils um 25 Grad nach links und rechts über die Brust der Patientin und erzeugt einen 3D-Datensatz.“ Die Röntgenbilder können die Radiologinnen und Radiologen als Film durchlaufen lassen. „So können wir die gesamte Brust in dünnen Schichten betrachten und die vier Bereiche räumlich zuordnen.“

Scan dauert etwa 20 bis 30 Sekunden

Zehn Patientinnen wurden seit Anfang der Woche im Zollernalb Klinikum mit dem Gerät untersucht. „Bisher waren alle sehr begeistert“, berichtet Priska Hauth, leitende medizinische Technologin: „Die Frauen empfinden die Kompression der Brust als angenehmer und sanfter als bei der Mammographie.“ Der Scan dauere minimal länger: etwa 20 bis 30 Sekunden. Bei der Mammographie sind es laut Bitzer etwa fünf bis sechs Sekunden.

„Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs“, sagt Julia Klenske, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe. Er sei die häufigste Todesursache bei Frauen in westlichen Ländern. „Bei der Behandlung ist es wichtig, dass Diagnostik und Therapie Hand in Hand arbeiten“, ergänzt sie: „Mein Team und ich sind jeden Tag auf der Radiologie.“

Die Mammographie ist laut Michael Bitzer nach wie vor der Grundpfeiler der Diagnostik. Durch sie alleine erkenne man über 90 Prozent der Tumore. Die Tomosynthese ist bisher kein fester Bestandteil des regulären Brustkrebs-Screenings. „Es ist aber absehbar, dass das bald so kommt.“ Bei Patientinnen, bei denen ein konkreter Verdacht besteht, werde das Verfahren seit etwa fünf Jahren zur Abklärung eingesetzt.

Eine Abklärung ist notwendig, wenn die Frau oder der Frauenarzt etwas ertastet hat oder eine Auffälligkeit an der Haut oder auf den Mammographie-Aufnahmen entdeckt hat. „Für diese Patientinnen ist die Wartezeit bis zur Abklärung des Verdachts am schlimmsten“, berichtet Klenske. Darum haben sich die Chefärztin und ihr Team seit Januar dazu verpflichtet, diese Patientinnen innerhalb von 24 Stunden zu sehen und den Befund innerhalb von 48 Stunden radiologisch abzuklären – seit dieser Woche per Tomosynthese.

Zieht bald die KI im Mammomobil ein?

„Kein Organ des menschlichen Körpers ist so individuell wie die weibliche Brust“, sagt der Ärztliche Direktor des Zollernalb Klinikums. Die Leber, das Gehirn, die Nieren – die seien im Regelfall bei allen Menschen gleich, doch das Brustdrüsengewebe sei bei jeder Frau anders. Bitzer bezeichnet es als Zukunftsmusik, hält es aber für wahrscheinlich, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre Künstliche Intelligenz (KI) ins Mammomobil einziehen wird. Sie könnte die Früherkennung revolutionieren: „In die KI können Millionen Bilder und individuelle Befunde eingespeist werden.“ Das mache sie zur erfahrenen Diagnostikerin, die auch seltene Tumore erkennen kann.