Die Halbe Bier für 7,50 Euro? Mit der Aussage, dass Brauereien und Gastrobetriebe diesen Preis verlangen müssten, um ihre Kosten zu decken, hat der stellvertretende Vorsitzende des Brauereiverbands Berlin-Brandenburg, Stefan Fritsche, für Unruhe unter den Biertrinkern gesorgt. Aufregung, die man mit Blick in die Geschichte nicht unterschätzen sollte.
Der „Breslauer Bierkrieg“, die „Hildesheimer Bierfehde“, der „Frankfurter Bierkrawall“, der „Berliner Bierboykott“ oder die „Münchner Bierrevolution“ – Hopfen, Malz, Hefe und Brauwasser haben historisch schon oft für Konflikte gesorgt. Preissteigerungen beim Bier sind ein heikles Thema. Denn in Süddeutschland wird das Gebräu nicht als alkoholisches Genussmittel, sondern als Grundnahrungsmittel verstanden.

Bei der Halbe Bier liegt die Schallmauer noch bei fünf Euro

Womit wir wieder beim genannten Preis von 7,50 Euro sind. Zu dem wir uns bei Brauereien aus der Region umgehört haben. „Als ich das gelesen habe, dachte ich auch wow“, sagt Dominik Reger. Der Geschäftsführer der Balinger Lehner-Brauerei glaubt nicht, dass sich die „Schallmauer von fünf Euro“ für eine Halbe Bier so schnell durchbrechen lässt. „Das zahlt ja niemand“, sagt er. Dennoch kann er auch der Rechnung des Brauereiverbands-Funktionärs etwa abgewinnen: „Wir haben enorme Kostensteigerungen in der Brauerei und in der Gastro. Und wenn wir für das Personal, das kaum noch zu finden ist, bald IG-Metall-Tarif zahlen müssen, bin ich dann auch bei 7,50 Euro.“
Tatsächlich haben sich die Kosten, in der Rosenfelder Brauerei, die Reger aus der Insolvenz übernommen und im Februar 2020 wiedereröffnet hatte, in vielen Bereichen verdoppelt. Alleine die Energiekosten machten jetzt 15 Prozent des Umsatzes aus. Das wird dazu führen, dass Lehner-Bier im März/April teurer werden wird. Auf die Kiste Bier, die im Getränkehandel gerade für 16 Euro zu haben ist, wird Reger einen Euro (netto) aufschlagen – in der Hoffnung, dass sich die Rohstoffe und Energiekosten jetzt auf aktuellem Niveau einpendeln. „Ich blicke optimistisch in die Zukunft, rechne aber mit großer Anstrengung“, sagt der Brauereichef.      

Im Mössinger Brauhaus stiegen die Kosten zuletzt um 20 Prozent

Von einem Bierpreis, der bei 7,50 Euro liegt, will auch Heinrich Fischer nichts wissen.  „Das ist Quatsch“, sagt der 82-jährige Seniorchef von Fischers Brauhaus in Mössingen. Auch er ist überzeugt davon, dass der halbe Liter Bier in der Gastro mittelfristig weiter „für unter fünf Euro“ zu haben sein wird. Die Preise ließen sich schließlich nicht beliebig erhöhen. Da aber auch in der Mössinger Brauerei die Rohstoff- und Energiekosten drastisch gestiegen seien, müsse sein Außendienst derzeit entsprechend verhandeln. Denn auch das Bier aus der Mössinger Brauerei wird bald einen Euro mehr kosten.  „Wie es aussieht, werden wir im Februar/März aufschlagen“, sagt Heinrich Fischer.
All seine Mehrkosten bei der Produktion könne das Unternehmen damit aber nicht decken. Seit Oktober, erklärt der Seniorchef, seien die Kosten für Rohstoffe, Energie, Kohlensäure und Logistik um etwa 20 Prozent gestiegen. Das ist viel, obwohl Fischers Brauhaus durch langfristige Verträge beispielsweise zuletzt noch mit „sehr, sehr guten Malzverträgen“ hätte arbeiten können. Die Situation sei trotzdem schwierig, erklärt der erfahrene Brauereichef. Eine Tatsache, die er in der Branche an anderer Stelle beobachtet. „Oettinger kann die Löhne kaum noch zahlen und hat von drei Brauereien eine in Gotha schon geschlossen“, sagt er.

Der Brauerbund im Land sieht Lage weiter kritisch

„Hurra, wir leben noch“, sagt Hans-Walter Janitz, der Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Brauerbunds. Nach Corona habe die Brauereibranche noch nicht auf das Niveau von vor der Krise zurückgefunden. Außerdem hätten seine Mitgliedsbetriebe noch immer mit „Wahnsinns-Rohstoffpreisen“  zu kämpfen. Von Bierpreisen, wie vom Brauereiverband Berlin-Brandenburg ins Gespräch gebracht wurden, will er nichts wissen. „Das eine ist der Preis, das andere sind die Konsumenten. Ich würde den Preis von 7,50 Euro nicht empfehlen“, sagt Janitz.

Das Bierland Baden-Württemberg

Baden-Württemberg verfügt über ungefähr 200 Brauereien und hat damit die zweitgrößte Brauereidichte in Deutschland nach Bayern. Beim Bierausstoß sieht es nicht ganz so gut aus, denn da belegt das südwestliche Bundesland nur den 6. Platz. Das liegt unter anderem daran, dass hierzulande hauptsächlich kleine und mittlere Brauereien ansässig sind. Besonders gern wird in Baden-Württemberg das Pilsener getrunken.
Beim Hopfen kann Baden-Württemberg mit der Gegend um Tettnang das drittgrößte Anbaugebiet in Deutschland ausweisen.