Radarkontrolle in Albstadt: Stadt blitzt weniger – außer an einer Baustelle

Während der Sanierung der Bundesstraße 463 muss der Verkehr umgeleitet werden. Die Stadt rechnet mit zahlreichen Beschwerden der Anlieger. Deswegen soll ein Blitzeranhänger zumindest Raser abschrecken.⇥
Maik WilkeSeit 2018 steht ein Blitzer an der Bundesstraße 27 in Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen). Laut bußgeldportal.de werden hier täglich 3000 Autofahrer mit mehr als 120 Kilometer pro Stunde erwischt. Im Herbst 2023 verkündete das Land Baden-Württemberg, weitere Blitzer anschaffen zu wollen. Laut Innenminister Thomas Strobl gehe es dabei nicht um zusätzliche Einnahmen, sondern um eine Gefahrenreduzierung: Überhöhte Geschwindigkeit sei immer noch die Hauptursache für tödliche Unfälle (wir berichteten). Die Stadt Albstadt hat für 2024 (ab März) und 2025 eine Konzeption für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung beschlossen. Während das Land jedoch häufiger blitzen möchte, werden die Messungen in Albstadt reduziert.
Reduzierung um 168 Stunden
Gab es im bisherigen Modell 1688 Stunden, werden es künftig nur noch 1520 Stunden sein. Die Reduzierung um 168 Stunden wird bei den Tag-, nicht bei den Nachtmessungen vorgenommen. Das liegt nicht etwa daran, dass es in Albstadt weniger Raser als sonst gibt, sondern am Personal. Im Zuge des Masterplans „Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“ wurde im Gemeinderat im Oktober 2022 entscheiden, einen Kommunalen Ordnungsdienst einzurichten. In diesem Zuge wurde der gesamte Ordnungsdienst neu eingerichtet: Während vier zusätzliche Stellen für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) geschaffen worden sind, wurden beim gemeindlichen Vollzugsdienst (GVD) zwei Stellen gestrichen: von acht auf sechs.
Allerdings waren im April 2023 nur vier dieser sechs Stellen besetzt. Erst im Juni war das Team komplett. Aufgrund der erforderlichen Einarbeitungsphasen, Urlaub, laufenden Fortbildungsmaßnahmen und längeren krankheitsbedingten Personalausfall war eine Reduzierung der Einsatzzeiten im ruhenden Verkehr in Ebingen und in den Ortsteilen, im Ermittlungsdienst und bei den mobilen Geschwindigkeitsmessungen nicht vermeidbar, erklärt Ordnungsamtsleiterin Michaela Maier. Der GVD ist unter anderem für die Verkehrsüberwachung im ruhenden Verkehr und für Geschwindigkeitskontrollen zuständig.
Nur noch ein Tag Nachtmessung
Darüber hinaus habe sich gezeigt, dass die ursprünglich geplanten zwei Nachtmessungen, die immer auch vorgeschriebene anschließende Ruhezeiten nach sich ziehen, mit dem vorhandenen reduziertem Personal von sechs Mitarbeitern nicht realisierbar sind, ohne die anderen Dienste nahezu komplett einzustellen, so Maier weiter. Deswegen gibt es jetzt ein neues Konzept, das nur einen Tag (acht Stunden) in den Abend- und Nachtstunden von April bis Oktober beinhaltet.
Blitzer für B 463-Sanierung
Die gesamte Kontrolle findet an 38 Wochen zwischen März und November statt. Das betrifft auch die Zeit, in der die Sanierung des Laufener Tunnels und der B 463 anstehen. Während die Bevölkerung über die genaue Umleitungsstrecke noch informiert wird, ist es klar, dass es durch die verschiedenen Ortschaften gehen wird. Wie es in der Sitzungsvorlage heißt, ist mit „massiven Beschwerden der betroffenen Anwohner zu rechnen“. Das schließt die Stadtverwaltung aus der Erfahrung der letztmaligen Sanierungsarbeiten an der Bundesstraße. Um zumindest erhöhter Geschwindigkeit Herr zu werden, möchte die Verwaltung für diesen Zeitraum eine „semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“ also einen Blitzeranhänger anmieten. Haushaltsmittel stehen hierfür jedoch nicht zur Verfügung. Darüber wird der Gemeinderat dann gesondert beraten.
Bereits seit 2005 werden in Albstadt Messfahrzeuge und -geräte bei einem privaten Dienstleister angemietet. Für 2022 und 2023 hat die Stadt rund 157 000 Euro bezahlt. Für 2024 und 2025 soll zu einem Festpreis ausgeschrieben werden. Im diesjährigen Haushalt sind 90 000 Euro dafür aufgenommen worden. Doch auch für 2025 wird die Stadt Haushaltsmittel bereitstellen müssen.
Der Umfang der Geschwindigkeitsüberwachungen
1352 Stunden sieht das neue Modell vor. Bislang waren es 1520 Stunden. Damit reduziert die Stadt Albstadt um 168 Stunden.
168 Stunden in der Nacht kommen hinzu.
38 Messwochen mit 40 Stunden pro Woche von März bis November sieht das neue Modell zur Überwachung der Geschwindigkeit in der gesamten Stadt vor.
21 Woche mit einem Tag (acht Stunden) in den Abend- und Nachtstunden von April bis Oktober sind darin enthalten
11 Messwochen mit semistationärer Geschwindigkeitsüberwachungsanlage (24 Stunden-Betrieb) von April bis Oktober gehören zum Konzept sowie eine Bedarfsposition: Sofern es die Witterung zulässt, werden in den Monaten Dezember bis Februar mobile Geschwindigkeitsmessungen tagsüber durchgeführt.
