Bildungsmesse „Visionen“
: Drei Tage Zukunft – so lief der Start der Bildungsmesse

Die Bildungsmesse Visionen startet in die 19. Runde. Doch was ist geboten? Die SÜDWEST PRESSE hat sich bei jungen Leuten und den Unternehmen umgehört.
Von
Lea Irion
Balingen
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Das Albstädter Unternehmen Mey präsentierte sich mit einer Nähmaschine zum Ausprobieren – ener der vielen Publikumslieblinge.

Das Albstädter Unternehmen Mey präsentierte sich mit einer Nähmaschine zum Ausprobieren – einer der vielen Publikumslieblinge.

Lea Irion
  • Bildungsmesse „Visionen“ in Balingen: Über 150 Aussteller bieten Infos zu Berufen, Praktika und Studium.
  • Publikumsmagneten: Nähmaschinen, Roboterarme, Bierpong-Tische und bunte Glücksräder.
  • Unternehmen setzen auf kreative Ansätze, um Fachkräfte zu gewinnen – Praktika stark nachgefragt.
  • Krisensichere Berufe wie Anlagenmechaniker oder Produktveredler stehen im Fokus.
  • Besucher schätzen Mitmachaktionen wie Kräutersalzmischen – Messe gilt als großer Erfolg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Egal ob Baumwollsocken, Wassereis, Trinkflaschen, Stirnbänder oder Energydrinks – wer die Aufmerksamkeit von jungen Menschen erhaschen will, drückt ihnen am besten erstmal etwas Kostenloses in die Hand, und dann einen Werbeflyer hinterher. So oder so ähnlich starteten nämlich die meisten Gespräche in den Wänden der Volksbankmesse in Balingen, die noch bis Samstag die Bildungsmesse Visionen beherbergen. Doch was erleben die jungen Leute dort – und auch die Unternehmen?

Arlind Mustafa ist schwer beschäftigt, als ihn die Presse am Stand der Stadt Hechingen heimsucht. Gerade erklärt er einer kleinen Gruppe, was es mit seiner Ausbildung auf sich hat. Die Nachfrage scheint berechtigt, denn einen „Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik“ kennt man wohl nicht auf Anhieb. Doch hinter der sperrigen Bezeichnung scheint Vielversprechendes zu stecken. „Es haben sich schon echt viele für den Job interessiert“, sagt der 17-Jährige.

Krisensicherheit ist hoch im Kurs

Er selbst habe immer etwas Technisches machen wollen. Etwas, das zukunftssicher ist. Alles, was mit Wasser und Gas und sonstigen Leitungen zu tun hat, fällt in Mustafas Aufgabenbereich. „Rohrbrüche zum Beispiel“, also dann, wenn’s richtig ernst wird. Und auch sein Arbeitgeber, die Stadtwerke Hechingen, sei ein guter Treffer für den jungen Bodelshausener gewesen, erzählt er.

Wenige Schritte von Arlind Mustafa entfernt dominiert ein großer, blauer Stand der Rosenfelder Firmengruppe Mafu den Gang. Dort hat man sich mit einem beweglichen Roboterarm und einem Bierpong-Tisch (ohne Bier) alle Mühe gegeben, die Blicke der jungen Leute auf sich zu ziehen. Es ist ein Konzept, das sich durch die Halle zieht: Wer ein besonders buntes Drehrad hat oder einen selbstfahrenden Rollstuhl, erhascht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit extra viel Aufmerksamkeit. Und das wirkt.

Eckdaten zur Bildungsmesse Visionen

Die Bildungsmesse Visionen findet von Donnerstag, 16. Oktober, bis Samstag, 18. Oktober, in der Volksbankmesse Balingen statt. Geöffnet ist sie am Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, am Freitag von 8.30 bis 16 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr.

Mehr als 150 Aussteller – darunter Unternehmen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen – informieren über Ausbildungsmöglichkeiten, Studiengänge, Praktika und Weiterbildungen. Mithilfe des „Job-Finders“ auf www.bildungsmesse-visionen.de lassen sich vorab passende Ausbildungsplätze und Ansprechpartner finden. Auch die SÜDWEST PRESSE Neckar-Alb ist mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten.

Chiara Belz, Recruiterin bei Mafu, führt an diesem Donnerstag viele Gespräche. Im gewerblichen Bereich suche man bei Mafu noch eher Leute als im kaufmännischen – da gebe es keine Probleme. „Die meisten kommen inzwischen für Praktika“, sagt Belz. Das Unternehmen organisiere auch extra einen Ausbildungs- und Bewerbertag unmittelbar nach der Visionen-Messe, um Interessenten nach dem Erstgespräch abzuholen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen die Unternehmen Jahr für Jahr ohne Mühe die Ausbildungsjahrgänge füllen konnten. Es braucht inzwischen ein Mehr an Kreativität.

Diese Entwicklung ist auch unweit des Mafu-Stands zu spüren. „Wir haben nach fünf Jahren erstmals wieder jemanden für den Bereich Produktveredelung gefunden“, sagt Jason Luckau, der seit 2011 bei Trigema arbeitet. Er mache jetzt den Meister in seinem Bereich und verstehe nicht, warum sich kaum jemand für die Produktveredelung interessiert. „Mein Job ist krisensicher. Ich habe mir noch nie Sorgen um meine Stelle machen müssen“, sagt Luckau. Auch bei Trigema gibt es ein Glücksrad. Zu gewinnen gibt es – natürlich – Tassen mit Affe-Charly-Aufdruck oder auch Stirnbänder. Alles selbstgenäht von den Burladinger Azubis.

Selbst gemischtes Kräutersalz? Ja, bitte!

Die 18-jährige Ramona Haigis trifft man gegen Nachmittag mit vielen Flyern in der linken Hand an. Schon seit drei Jahren gehe sie immer wieder auf die Visionen-Messe und zwischenzeitlich wisse sie, dass sie mal mit Menschen arbeiten will. „Soziale Arbeit vielleicht“, sagt Haigis. In der rechten Hand trägt sie ein gläsernes Röhrchen mit Korkendeckel. Was das wohl ist? „Das ist mein Kräutersalz“, erwidert Haigis. Sie wisse nur nicht mehr, woher sie es habe. Aber selbst mischen konnte man es. Trotz aller unternehmerischen Bemühungen und Kreativität scheint die Fülle der Eindrücke auf der Messe mitunter etwas viel zu sein.

Doch egal, ob jemand zum Kugelschreibersammeln zur „Visionen“ geht oder aus ernsthafter Absicht, einen geeigneten Job zu finden – der Zollernalbkreis will seine Bildungsmesse nicht mehr missen, die auch im Terminkalender von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut längst zum „Pflichttermin“ geworden ist. Schülerinnen und Schüler müsse man schließlich „rechtzeitig mitnehmen“. Und auch die Unternehmen profitierten von ihren potenziellen, künftigen Fachkräften. „Es ist einfach für alle eine Win-win-Situation“, findet Landrat Günther-Martin Pauli. Es wird aber auch in Superlativen gesprochen. „Ich glaube, es ist die beste Messe bislang“, sagt Silke Leibold, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Zollernalb und gleichzeitig Veranstalterin der „Visionen“.

Sie merke das an den jungen Menschen selbst, die sie in diesem Jahr als besonders engagiert und interessiert wahrnehme. Trotz oder wegen der kostenlosen Mitbringsel sei dahingestellt.