Bildung
: Ein Fünftel kann nicht Lesen

Im Zollernalbkreis, genauer in Balingen, wurde kürzlich der Verein „Mentor“ aus der Taufe gehoben. Das Ziel: Kinder und Jugendliche beim Lesen lernen unterstützen.
Von
swp
Balingen
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Sprachentwicklung bei Kindern: 10.12.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Kinder lesen in einer Grundschule.  (zu dpa: «Krankenkasse: Viele Kinder leiden unter Sprachstörungen») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lesen lernen und damit einhergehend Sprachentwicklung bei Kindern ist laut diverser Bildungsstudien ein zunehmendes Problem. Ein neuer Verein setzt hier an und will Abhilfe schaffen.

Sebastian Gollnow/dpa
  • Verein "Mentor – die Leselernhelfer Zollernalb" gegründet, Fokus auf Leseförderung bei Schülern.
  • Ziel: Lesekompetenz stärken, Schulabschlüsse und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
  • Alarmierend: 20% der Viertklässler haben laut Studien wie IGLU und PISA Lesedefizite.
  • Veranstaltungen mit Vorträgen und Diskussionen betonen Bedeutung der Leseförderung.
  • Weitere Mentoren gesucht, Kontakt über www.Mentor-Zollernalb.de möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der neu gegründete Verein „Mentor – die Leselernhelfer Zollernalb“ lud kürzlich Interessierte, Schulen, Bibliotheken und Unternehmen zur Auftaktveranstaltung in den Sitzungssaal des Landratsamts Zollernalbkreis ein. Unter dem Motto „Lesen ist Leben“ erfuhren alle Gäste mehr über die Vision des neuen Vereins: Nämlich Schüler mit Lesedefizit durch Mentoren zu fördern und damit die Chancen für einen Schulabschluss und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Mentor“ setzt sich damit gegen den laut Pressemeldung alarmierenden Trend ein, der laut aktuellen Bildungsstudien wie IGLU und PISA zeigt, dass mehr als 20 Prozent der Viertklässler nicht über ausreichende Lesekompetenzen verfügen. Und eben diesem Problem soll nun Abhilfe geschaffen werden.

Nicht verwunderlich also, dass auch lokale Polit-Prominenz vor Ort war. Landkreisdezernent Karl Wolf eröffnete die Veranstaltung sodann mit einem Rückblick auf die fünfte Bildungskonferenz in Albstadt mit Ministerin Theresa Schopper (Grüne) und erinnerte an dessen provokanten Titel „Wir können alles – außer Lesen, Schreiben und Rechnen?“.

Er betonte die Bedeutung solcher Initiativen für die Förderung der Bildung und besonders der Lesekompetenz. „Die Ergebnisse in Baden-Württemberg sind im nationalen und internationalen Vergleich besorgniserregend“, so Wolf. Als wichtige Schnittstelle für die Bildungsverantwortung unterstützt das Landratsamt die Ziele des Vereins. Landrat Günther-Martin Pauli hatte mit der Übernahme der Schirmherrschaft die Wichtigkeit des Projekts bekundet und war für die Eröffnung ebenfalls hinzugekommen.

Vorträge aus unterschiedlichen Perspektiven

Freilich gab es bei solch einer Veranstaltung auch den ein oder anderen Vortrag zu hören, passend zum Thema. So zeigt sich Huguette Morin-Hauser, Vorsitzende des „Mentor“-Bundesverbands,  erfreut über die schnelle Gründung des Vereins im Zollernalbkreis. Der Bundesverband fördert laut eigener Aussage bereits rund 19.000 Kinder durch das Konzept, das auf den drei Säulen „1:1-Betreuung“, „Bildung durch Bindung“ und „entspannte Lernatmosphäre“ basiert. Morin-Hauser stellte dar, dass Baden-Württemberg im Bereich der Leseförderung noch erhebliches Potenzial hat.

Die nächste im Reigen der Sprecher war Anne-Marie Grundmeier von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Sie bot den Teilnehmern einen tiefen Einblick in die Ausbildung der Lehrkräfte in Baden-Württemberg und betonte dabei die Rolle der Pädagogischen Hochschulen – eine solch spezifische und praxisnahe Lehrerausbildung sei in Baden-Württemberg einzigartig. Das hatte übrigens auch schon die Kultusministerin Schopper bei der Bildungskonferenz in Albstadt so unterstrichen. Und auch Grundmeier hob die Bedeutung dieser Hochschulen für die Bildungslandschaft Baden-Württembergs hervor.

Botschaft per Videoschalte

Den Abschluss bildete eine Videobotschaft von Dr. Bernd Villhauer, Geschäftsführer des Weltethos-Instituts, der auf die kulturellen und ethischen Aspekte der Leseförderung einging. Er erinnerte daran, wie wichtig die Fähigkeit sei, sich durch Lesen mit anderen Perspektiven auseinanderzusetzen und so soziale Zusammenhänge zu stärken. „Lesen eröffnet neue Welten und hilft, das Verständnis für Vielfalt und Miteinander zu fördern“, so Villhauer in seiner Botschaft.

Engagierte Fragerunde

Im Anschluss an die Vorträge fand eine Diskussion statt, bei der Fragen zur Zusammenarbeit mit Schulen und dem Einsatz der ehrenamtlichen Mentoren im Fokus standen. Vertreter von Schulen, Unternehmen und interessierte Bürger zogen ein durchweg positives Fazit zur Neugründung des Vereins. Der Bedarf an Leseförderung ist da und der Verein hat mit seiner bisher erprobten Methodik ein Vehikel, um diesem Problem zu begegnen. Die Vereinsvorstände Luz Werner Wissenbach und Henrik Simmack konzentrieren sich nun darauf, weitere Mentoren für diese Aufgabe zu gewinnen. Über die Internetseite www.Mentor-Zollernalb.de können Schulen, Eltern und Interessierte über die Mentorentätigkeit mehr erfahren und Kontakt für ein erstes Gespräch aufnehmen.

Über den Verein

In Anlehnung an das Konzept des Bundesverbandes „Mentor – Die Leselernhelfer“ organisiert der Verein die Möglichkeit, Schüler beim Erlernen und Verbessern der Lesekompetenz zu unterstützen. „Mentor“ unterscheidet sich von anderen Leseinitiativen durch die Ausrichtung an einem erfolgreichen Förderprinzip: Die Vermittlung von Lesekompetenz durch eine kontinuierliche Begleitung eines Lesekindes mindestens ein Jahr lang entsprechend der pädagogischen Förderphilosophie. Das „1:1-Prinzip“ – „Bildung durch Bindung“ und „entspannte Atmosphäre“ bilden dafür die Basis. Initiator für die Region Zollernalb ist Luz Werner Wissenbach.Gemeinsam mit Henrik Simmack bildet er den Vorstand des Vereins.

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