Bienenkrankheit im Zollernalbkreis
: 34 Bienenvölker vernichtet – Sperrbezirk eingerichtet

Im Balinger Raum ist die Amerikanische Faulbrut ausgebrochen – eine für Bienen tödliche Krankheit. 34 Völker mussten bereits vernichtet werden.
Von
Lea Irion
Balingen
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Bienen: ARCHIV - 19.09.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Honigbienen sitzen auf einer Wabe. Nach dem Ausbruch der Tierseuche Amerikanische Faulbrut im Schwarzwald-Baar-Kreis müssen befallene Bienenvölker getötet werden. (zu dpa: «Faulbrut bei Bienen: Bislang ein Ausbruch in Hessen») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach dem Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut im Raum Balingen mussten befallene Bienenvölker getötet werden. (Symbolfoto)

Sebastian Gollnow/dpa
  • Amerikanische Faulbrut befällt 34 Bienenvölker in Balingen, die vernichtet werden müssen.
  • Ein Sperrbezirk wurde eingerichtet, um gesunde Bienenvölker zu schützen.
  • Imker dürfen keine Bienen oder Geräte in und aus dem Sperrbezirk bewegen.
  • Die Krankheit ist hoch ansteckend für Bienen und kann ganze Imkereien lahmlegen.
  • Frühere Ausbrüche gab es 2024 in Geislingen und 2017 in Albstadt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war spät am vergangenen Samstagabend, als insgesamt 34 Bienenvölker im Raum Balingen vernichtet worden waren. Sie alle einte dasselbe Schicksal: Befall von Amerikanischer Faulbrut. Und das in so hohem Maß, dass nach näherer Laboruntersuchung klar wurde, dass es keine Rettung geben würde. „Leicht befallene Völker hätte man ‚sanieren‘, also durch bestimmte Maßnahmen retten können“, sagt Ludwig Englert. Doch bei den 34 Völkern war jede Hoffnung vergebens.

Englert ist Vorsitzender des Imkervereins Balingen-Geislingen-Rosenfeld. Der Verein zählt heute circa 220 Mitglieder, die zusammen etwa 1300 Bienenvölker betreuen. Als vergangene Woche bekannt wurde, dass in den Balinger Stadtteilen Stockenhausen, Ostdorf und Endingen die Faulbrut ausgebrochen war, wurde Englert hellhörig.

Krankheit breitet sich unter Völkern leicht aus

Zum Schutz der noch gesunden Bienenvölker hat das Veterinäramt am Freitag eine Allgemeinverfügung erlassen. Sie betrifft Imkerinnen und Imker in den genannten Stadtteilen sowie einem Teil von Frommern. Innerhalb des festgelegten Sperrbezirks gelten nun strenge Regeln: Wer dort Bienen hält, darf keine Völker oder Geräte aus dem Gebiet heraus- oder hineinbringen. Außerdem sind sämtliche Bienenvölker dem Amt zu melden – ebenso wie jeder Verdacht auf Faulbrut.

Die Amerikanische Faulbrut ist eine für Bienen hochansteckende und tödliche Krankheit. Verursacht wird sie durch ein Bakterium, das die Brut – also die Larven – befällt. Die infizierten Larven sterben ab und zersetzen sich zu einer schleimigen Masse, die leicht an Waben, Werkzeugen oder Honig anhaftet. Für Menschen ist die Krankheit zwar ungefährlich, doch sie gilt als anzeigepflichtig und kann ganze Imkereien lahmlegen. „Die Erreger werden von Biene zu Biene weitergegeben“, erklärt Englert. Deswegen kann es auch Imkerinnen und Imker außerhalb des Sperrbezirks treffen – falls deren Bienen das Bakterium einschleppen.

Was also tun bei einem Verdacht auf Faulbrut?

Wer Anzeichen wie eingesunkene, schleimige Brut entdeckt, muss den Verdacht unverzüglich dem Veterinäramt melden. Zudem gilt: Bienenvölker, Waben, Honig oder Gerätschaften dürfen nicht aus dem Sperrbezirk heraus- oder hineingebracht werden. Alle Völker im betroffenen Gebiet müssen mit Standort gemeldet werden – auch dann, wenn sie gesund erscheinen. Verdächtige Völker dürfen weder verkauft noch verschenkt werden, und Honig aus betroffenen Zonen darf nicht als Futter genutzt werden. Erst wenn die Sperrzone wieder aufgehoben ist, können die Beuten gereinigt und gegebenenfalls desinfiziert werden.

Allzu häufig passieren solche Ausbrüche nicht, doch der letzte liegt noch nicht allzu weit in der Vergangenheit: Im Juni 2024 war die Amerikanische Faulbrut in Geislingen ausgebrochen. „Davor gab es 2017 einen Fall in Albstadt“, so Marisa Hahn, Pressesprecherin des Landratsamts. Spuren des Erregers lassen sich in vielen Völkern nachweisen – meist in so geringer Konzentration, dass keine Gefahr besteht, weiß Ludwig Englert. „Häufig werden die Erreger aus anderen Ländern eingeschleppt“, so der Geislinger Imker. Ein Beispiel wären leere Honiggläser in Glascontainern, oder direkt über den Honig.

Warum infizierte Bienen vernichtet werden müssen?

Während in Deutschland betroffene Bienenvölker konsequent vernichtet werden müssen, ist der Umgang mit der Amerikanischen Faulbrut in anderen Ländern weniger strikt geregelt. In den USA oder Kanada etwa dürfen Imker Antibiotika wie Tylosin einsetzen, um die Symptome der Krankheit zu unterdrücken. Die Sporen des Erregers überleben dabei jedoch – und mit ihnen das Risiko eines späteren Ausbruchs.

In der EU ist dieser Ansatz verboten. Stattdessen setzt man auf Vernichtung: Sobald ein Volk klinische Symptome zeigt, muss es vollständig entfernt werden. Auch Gerätschaften und Beuten können betroffen sein. Lassen sie sich nicht sicher reinigen oder desinfizieren – etwa durch Ausflammen bei Holz oder spezielle Laugen – ist ihre Vernichtung die einzig zulässige Maßnahme. Ziel ist es, alle potenziellen Sporenquellen auszuschalten, bevor sich der Erreger weiterverbreiten kann.

Normale bis gute Honigernte erwartet

So oder so ähnlich verhält es sich jetzt auch in Balingen. Die 34 bislang verlorenen Bienenvölker seien zwar schmerzhaft, doch die Quarantäne-Maßnahmen wurden zeitig begonnen. Insofern fürchtet Ludwig Englert keine größeren Einschnitte in der Honigproduktion. „Das Wetter momentan ist einigermaßen gut“, sagt er. Setze sich das so fort, könne man auf eine normale bis gute Ernte in diesem Jahr hoffen. Auch allgemein gehe es den Bienen im Zollernalbkreis soweit gut. Es bleibe nur zu hoffen, dass sich die Amerikanische Faulbrut in Grenzen hält – und die Sperrbezirke alsbald aufgehoben werden können.