Balinger Heimatgeschichte: Blatt für Blatt durch die Vergangenheit reisen

Günther Meinhold und Dr. Ingrid Helber haben auch für das Jahr 2025 historische Kalender für Balingen und Frommern/Dürrwangen/Stockenhausen gestaltet.
Andrea MauteDie Zeiten sind nicht leer und sie rollen nicht spurlos durch unser Empfinden: Beim Blättern in den Kalendern wird dieser Satz mit Leben gefüllt. Da sind Orte und Plätze, deren Erscheinungsbild sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewandelt hat; Gebäude, die aus dem Stadt- und Ortsbild verschwunden sind oder noch immer die Funktion erfüllen, die sie seit jeher innehaben. Während manche von ihnen heute noch so aussehen wie auf den alten Ansichtskarten, Zeichnungen und Fotos, erschließt sich bei anderen erst auf den zweiten Blick (oder beim Lesen des Begleittextes), um welches Gebäude es sich handelt.
Reicher Fundus an historischen Motiven
Mit ihren historischen Kalendern möchten Dr. Ingrid Helber und Günther Meinhold die Vergangenheit ins Bewusstsein der Gegenwart holen. Damit das, was war, nicht in Vergessenheit gerät, sondern im kollektiven Gedächtnis verankert wird.
Bei der Gestaltung der Kalenderblätter können sie aus einem reichen Fundus schöpfen. 285 Ansichtskarten von Balingen, 245 von Frommern und über 1200 Fotos umfasst die Sammlung von Günther Meinhold. Auch die Historikerin und Kunsthistorikerin Dr. Ingrid Helber besitzt viele Fotos, Zeichnungen und weitere Zeugnisse aus der Vergangenheit.
Was einerseits ein Glücksfall ist, stellt die beiden andererseits jedes Jahr aufs Neue vor eine schwierige Aufgabe: Welche Motive sollen dieses Mal die Seiten der historischen Kalender zieren? Bei dieser Auswahl fällt die Entscheidung verständlicherweise nicht leicht.

Um 1918 war der Turm der Friedhofkirche noch verputzt.
ArchivAuf den Titel des Balinger Kalenders 2025 hat es eine Ansichtskarte geschafft, die gleichzeitig Januar-Motiv ist. Die Lithografie aus dem Jahre 1900 eröffnet einen Blick über die Dächer der Eyachstadt. Im Hintergrund thronen Böllat, Schalksburg, Hörnle, Lochen, Schafberg und Plettenberg. Um ein kleineres Bild, das eine Ansicht der Friedrichstraße zeigt, ranken sich Jugendstil-Blüten. „Gruss aus Balingen“ ist auf der dicht beschriebenen Karte zu lesen.
Dass die Schrift ausgerechnet die Motivseite bedeckt, hat übrigens einen bestimmten Grund. „Bis 1904 durfte man nur die Vorderseite beschreiben“, berichtet Günther Meinhold. Die Rückseite war der Anschrift vorbehalten. Erst ab 1905 wurde das heute gängige Format mit bedruckter Vorderseite und beschriebener Rückseite festgelegt.
Karten mit kunstvollen Jugendstil-Elementen
Welche Motive sind auf den Ansichtskarten, Fotos oder Zeichnungen außerdem zu sehen? Etwa der Balinger Bahnhof mit damals noch grünem Vorplatz oder das Schwimmbad, das einst von der Eyach gespeist wurde. Auch bei dieser Karte auf dem Jahr 1907 fallen kunstvolle Jugendstil-Elemente ins Auge. Passend zum Thema sind es Binsen und Seerosen.
Beim Dezember-Motiv, eine Aufnahme um 1918, dürften sich nicht wenige auf den ersten Blick verwundert die Augen reiben. Ist das die Balinger Friedhofkirche? Sie ist es tatsächlich. Nur noch ohne das markante Fachwerk des Turmes. Denn dieser war, wie Dr. Ingrid Helber erklärt, früher verputzt.
Viele schöne historische Ansichten hält auch der Kalender für Frommern/Dürrwangen/Stockenhausen bereit. Auf der Karte auf der Titelseite, die einen „Gruss aus Dürrwangen“ übermittelt, sind das frühere Gasthaus zum Ochsen (heute Neubau Café Catrina) mit dem dahinterliegendem Saal (späteres Kino) abgebildet. Außerdem das Lebensmittelgeschäft „Handlung Gottlieb Weber.“
Einzug in den Kalender haben auch Fotos gefunden, die etwa die Konfirmanden des Jahrgangs 1915/16 Dürrwangen-Stockenhausen, die Frommerner Galluskirche 1899 oder den Gesangverein „Eintracht Frommern-Dürrwangen“ im Jahr 1949 zeigen.
