Balingen gegen Alltagsrassismus: Patentochter von Martin Luther King Jr. über Rassismus und Würde

Von links: Hardy Glaser (Kirchengemeinderat), Juandalynn Abernathy, Wolfgang Braun (katholischer Stadtpfarrer), Astrid Benner (Ehrenamtliche), Daniela Brändle (Studienleiterin im evangelischen Schuldekanat), Birgit Wurster (evangelische Stadtpfarrerin).
Daniela Brändle- Lesung in Balingen: Juandalynn R. Abernathy liest aus „Sing, Juandalynn Sing!“
- Sie schildert Kindheit mit Rassismus, Ausgrenzung und eine Lektion in Würde und Gewaltlosigkeit.
- Bezug zu Martin Luther King Jr., der „I Have a Dream“ frei aussprach – historischer Moment.
- Musik als Zuflucht: Singen gab ihr Anerkennung, Abschluss mit „We Shall Overcome“.
- Netzwerk Antirassismus setzt Zeichen gegen Alltagsrassismus und lädt zum offenen Singen ein.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Café Weitwinkel, in dem Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben teilhaben, war bis auf den letzten Platz besetzt. In der warmen Atmosphäre des Cafés begrüßte das Netzwerk Antirassismus Balingen die Autorin, Sängerin und Bürgerrechtlerin Juandalynn Ralpheda Abernathy, die aus ihrem Kinderbuch „Sing, Juandalynn Sing!“ las.
Bereits in der Einführung wurde deutlich, welch außergewöhnliche Persönlichkeit an diesem Abend zu Gast war. Die in Montgomery, Alabama, geborene Musikerin ist die Tochter des Bürgerrechtlers und Pastors Dr. Ralph David Abernathy, einem engen Weggefährten Martin Luther Kings. Sie selbst wuchs mitten in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung auf, war mit „Uncle Martin“, wie sie Martin Luther King liebevoll nannte, vertraut und erlebte die Geschichte hautnah mit.
Doch im Mittelpunkt des Abends stand nicht die prominente Familiengeschichte, sondern die kleine Juandalynn – das Mädchen aus ihrem Bilderbuch. Der Name „Juandalynn“ ist ein Kunstname, zusammengesetzt aus verschiedenen Namen.
Einziges schwarzes Kind in der Schule
Authentisch und berührend schilderte Juandalynn Abernathy ihre Kindheit, die von Angst, Ausgrenzung und Rassismus geprägt war. Als einziges schwarzes Kind an einer Schule mit ausschließlich weißen Kindern wurde sie verspottet und beleidigt. Besonders eindringlich erzählte sie von ihrer Freundin Susan, einem rothaarigen Mädchen mit Sommersprossen. Susan verbrachte ein Wochenende bei ihrer Familie, ging mit ihr in die Kirche, sang im Chor, aß mit ihr im Restaurant und spuckte ihr am darauffolgenden Montag in der Schule ins Gesicht. Die kleine Juandalynn spuckte zurück. Zu ihrer Überraschung verlangte jedoch ihr Vater nicht von Susan, sondern von ihr selbst eine Entschuldigung. Eine schmerzhafte Lektion über Würde und Gewaltlosigkeit.
Das Elternhaus war streng und vom christlichen Glauben geprägt. Fernsehen war nur samstags erlaubt, Disziplin gehörte zum Alltag. Gleichzeitig war das Familienleben untrennbar mit dem Einsatz für Gleichberechtigung verbunden. Immer wieder nahm sie an Demonstrationen teil.
Patenonkel Martin Luther King Jr. und das Manuskript
Ein besonders bewegender Einblick aus dem Buch führte die Zuhörer in einen historischen Moment: Juandalynn Abernathy erzählt, wie Martin Luther King ihr von einem Traum berichtete. Während einer Rede legte er sein Manuskript beiseite und sprach frei weiter. Aus diesem Augenblick entstand die weltberühmte Passage „I Have a Dream“.
Immer wieder kehrte die Lesung zu der Botschaft zurück, die ihrem Buch den Titel gibt: „Sing, Juandalynn, sing!“ Diesen Satz sagte ihr Vater, wenn sie traurig oder voller Angst war. Das Singen wurde ihr Zufluchtsort. Während sie im Alltag wegen ihrer Hautfarbe ausgegrenzt wurde, erlebte sie beim Singen Anerkennung und Gemeinschaft. Musik wurde ihre Sprache gegen die Angst und ihre Kraftquelle für das Leben.
Am Ende der Veranstaltung griff Juandalynn R. Abernathy selbst zum Mikrofon und stimmte gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern „We Shall Overcome“ an. Der Gesang erfüllte den Raum und sorgte für Gänsehaut.
Hardy Glaser vom Netzwerk Antirassismus brachte die Botschaft der Veranstaltung abschließend auf den Punkt: „Wir alle, die heute hier sitzen, sind diejenigen, die verhindern können, dass sich solche Geschichten wiederholen.“ Mit der Lesung setzte das Netzwerk Antirassismus Balingen ein starkes Zeichen gegen Alltagsrassismus und für eine offene Gesellschaft. Passend hierzu lädt das Netzwerk am Montag, 20. Juli, von 18 bis 18.45 Uhr zum offenen Singen in den Zwingergarten ein. Begleitet wird das Singen von Julie Voelter und findet bei Regenwetter im katholischen Gemeindehaus statt.