Aus für Diskothek
: „Top10“ in Balingen macht Ende Mai dicht

Schon vor Wochen waberten Gerüchte durch die Region. Schließt das „Top10“ in Balingen oder nicht? Geschäftsführer Dirk Bamberger hatte erst dementiert, jetzt wird das Aus doch vermeldet.
Von
Sebastian Buck
Balingen
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Aus und vorbei: „Top10“-Geschäftsführer Dirk Bamberger zieht bei der Balinger Diskothek die Reißleine. Ende Mai schließt der Laden endgültig seine Türen.⇥

Sebastian Buck

Dirk Bamberger sitzt sichtlich emotional in seinem Büro in der Balinger Diskothek „Top10“ an diesem Mittwochmorgen. Auf eineinhalb A4-Blättern hat der Disko-Chef quasi die gesamte Geschichte des Balinger Clubs niedergeschrieben. Die braucht es, denn ab Ende Mai dieses Jahres ist auch das Balinger „Top10“ Geschichte. „Wir haben viele Dinge probiert, um es noch zu retten“, erklärt Bamberger. Am Vorabend hatte er schon auf der Facebook-Seite der Diskothek das Aus verkündet. „Leider sind auch wir nach der Pandemie von stark rückläufigen Gästezahlen betroffen und so können wir den Betrieb nicht mehr wirtschaftlich aufrechterhalten“, heißt es dort.

Mangel an Partygängern

Gerade der Mangel an 18- bis 25-jährigen Partygängern sei ein Problem. Früher sei das die „Sturm- und Drangphase“ gewesen, in der man rausgehe, feiere und Leute kennenlerne, so Bamberger. Doch nun ist das rückläufig, vor allem die Corona-Pandemie habe dafür gesorgt, dass die jungen Leute vermehrt im Privaten zusammenkommen – kein Wunder, war man doch gerade in der Clubszene zwei Jahren lang zwangsläufig „zugesperrt“.

„2022 lief dann noch gut in den ersten Monaten, da gab es Nachholbedarf“, hat der Diskochef beobachtet. Doch von da an gingen die Gästezahlen zurück. Fatal für eine Location wie in Balingens Gewerbegebiet, wo gut 1800 Partygäste Platz finden können. „Es ging wieder zurück, es waren einfach zu wenige Besucher da“, klagt Dirk Bamberger. Immerhin die Ü30-Partys sind bestens besucht, aber auch nur fünf Mal im Jahr, das reicht freilich nicht, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Alle sind „total traurig“

Jetzt wird eine Institution in Balingen wegfallen: 32 Jahre lang pilgerten die feierwütigen Balinger ins „Top10“. Jetzt sind es nur noch wenige Wochen, bis die finale Party steigt. Alle seien „total traurig“, weiß Bamberger. Allen voran er selbst, der schon mit dem Vater, einst selbst Diskothekenbesitzer, im VW Bully die Schuppen belieferte. „Ich habe nichts anderes getan in meinem Leben“, so der heute 59-Jährige, der auch immer noch gerne feiern geht. „Das ist anstrengend, aber man kommt auch mit einer großen Energie nach Hause“, blickt er zurück. Die Menschen hätten sich im Balinger „Top10“ kennengelernt, sogar Familien seien später daraus entstanden, schwelgt Bamberger in zahlreichen Erinnerungen. In denen suhlen sich aber auch zahlreiche Partygänger, wie ein Blick in die Kommentarspalten im Netz zeigt. Von einer „wirklich traurigen Nachricht“, schreiben da einige, man habe „eine geile Zeit in dem Laden“ gehabt oder auch von dem Ende einer „legendären Ära“ ist die Rede.

Letzte Partys warten schon

Ende Mai wird der Schlüssel dann final herumgedreht zum letzten Mal. Bis dahin will man noch die eine oder andere Party feiern. Aktuell arbeite man an einem Programm, stellt Bamberger einen fulminanten Abschluss in Aussicht. Wie es danach weitergeht? Das weiß Bamberger auch noch nicht so wirklich. Für zahlreiche Mitarbeiter geht es jedenfalls nicht weiter, gerade die etwa 100 Mini-Jobber werden sich wohl neue Aufgaben suchen müssen. Auch von einigen langjährigen Mitarbeitern wird sich Dirk Bamberger trennen müssen, verspricht aber, bei der Jobsuche zu unterstützen, wo er nur kann. Einige werden wohl noch in der Verwaltung bleiben können, denn die Immobilie an sich gehört Bamberger, man muss also nirgends raus. Der Bürotrakt soll auch weitergenutzt werden.

Zukunft des Gebäudes unklar

Was mit dem Gebäude selbst passiert? „Da haben wir keine Eile, es wird sicher viele Möglichkeiten geben“, sagt Bamberger. Ob Nachnutzung oder am Ende doch Verkauf steht also in den Sternen. Generell für die Club- und Partyszene werde es schon weitergehen, prophezeit Dirk Bamberger. In Singen zum Beispiel, wo zwei seiner Locations – das dortige „Top10“ und der „Erdbeermund“ – zusammengelegt wurden. Hierauf will sich der 59-Jährige zukünftig konzentrieren. Bis dahin soll aber in Balingen ein rauschender Abschied gefeiert werden. Bange um die Szene im Allgemeinen ist ihm nicht, wenngleich Corona schon für eine Delle gesorgt habe. Doch Bamberger meint: „Schon in der Steinzeit hat man sich zur Musik bewegt.“

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Millionen Partygäste waren schätzungsweise in den 32 Jahren, in denen das „Top10“ in Balingen bestand, zum Feiern vor Ort. Jetzt schließt die Location Ende Mai seine Pforten.