Arbeitsmarktzahlen im Zollernalbkreis
: Lage ist weniger dramatisch

Die Agentur für Arbeit Balingen lädt seit einiger Zeit direkt zu hiesigen Firmen ein, um die Zahlen des Monats zu präsentieren. Dieses Mal macht man in Balingen bei der Firma Reisser Station.
Von
Sebastian Buck
Balingen
Jetzt in der App anhören
Dieses Mal wurde die Statistik zum Arbeitsmarkt bei der  Firma Reisser in Balingen präsentiert.

Dieses Mal wurde die Statistik zum Arbeitsmarkt bei der Firma Reisser in Balingen präsentiert.

Sebastian Buck
  • Arbeitsmarkt im Zollernalbkreis weniger dramatisch als erwartet.
  • Arbeitslosenquote im Oktober unverändert bei 4%, 7468 Menschen ohne Job.
  • Firma Reisser setzt auf eigene Ausbildung, 90% der Fachkräfte ausgebildet.
  • Kurzarbeit in 300 Betrieben, Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften hoch.
  • Zahl der Helferstellen sinkt auf 19,8%, 52,4% der Arbeitslosen ohne Ausbildung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fast könnte man meinen, Deutschland stehe kurz vor dem Abgrund, wenn man den landauf landab fast schon defätistisch gefärbten Klageliedern zuhört, die bisweilen in Talkshows oder von Firmen angestimmt werden. Gewiss, die Nachrichtenlage ist auch eher trübe als heiter, gerade wenn man in den Automobilsektor blickt – Volkswagens Kahlschlag-Pläne oder auch Daimlers jüngster Gewinneinbruch wären hier zu nennen. Aus Sicht von Anke Traber, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Balingen, ist die Lage aber nicht so dramatisch, wie es überall den Anschein macht. Gleichwohl auch sie sich mit einer Einschätzung schwertut: „Es ist wirklich schwierig, eine objektive Meinung zu bekommen.“ Die Lage sei merkwürdig, so die Agenturchefin. Doch man müsse „die Negativstimmung mittels Zahlen relativieren“, erklärte Traber. Wenngleich Thoms Frommer, er ist Niederlassungsleiter in Balingen bei der Firma Reisser, schon etwas klagen musste. Seine Branche rund um Bad und Heizung hänge eben stark vom Baugewerbe ab – und dort seien beispielsweise die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser oder Wohnungen um satte 30 Prozent eingebrochen. Zwar hat man noch Restarbeiten aus dem Vorjahr zu erledigen, dennoch sei in seinem Gewerbe ein Knick von gut 20 Prozent zu bemerken im laufenden Jahr. So herb wie seit gut 30 Jahren nicht mehr, erklärt Frommer mit Sorgenfalten. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit: „Die Branche hat in den letzten drei Jahren einen Höhenflug erlebt.“ Den konjunkturellen Tiefpunkt erwartet man erst im kommenden Jahr, ehe es dann wieder nach oben gehen soll.

Ein Ausbildungslandkreis

Was die Gewinnung von Nachwuchs- respektive Fachkräften angeht, da setzt auch Reisser voll auf die Ausbildung der eigenen Leute. 90 Prozent aller beschäftigten Fachkräfte, so Frommer, habe man selber ausgebildet. Das kann auch Anke Traber bestätigen: „Wir haben in unserem Agenturbereich die höchste Ausbildungsquote in ganz Baden-Württemberg“, sagt die Agenturchefin, die mit ihren Mitarbeitern für die Kreise Sigmaringen und den Zollernalbkreis zuständig ist. Generell sehen die Zahlen für den Oktober nicht schlecht aus. Die Arbeitslosenquote bleibt gegenüber des Vormonats September unverändert bei vier Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 7468 Menschen sind im Agenturbereich ohne Job, aufgeteilt in Zollernalbkreis (4683/ 4,3 Prozent) und Sigmaringen (2785/ 3,6 Prozent). Freilich sei jedes Einzelschicksal hart, jedoch stellt Traber klar: „Es gibt nichts zu dramatisieren. Wenn die drei vor dem Komma stehen würde, würde man fast von Vollbeschäftigung sprechen.“

Ganz rosarot ist die Welt aber auch auf der Schwäbischen Alb nicht. „Wir bekommen gerade jeden Tag eine Anzeige auf Kurzarbeitergeld“, erklärt Traber. Rund 300 Betriebe sind derzeit in selbiger im Bereich der Arbeitsagentur. Allerdings, das zur Einordnung, gibt es in den Kreisen Sigmaringen und Zollernalbkreis auch 8500 Betriebe. Generell ist auf dem Arbeitsmarkt im Oktober viel Bewegung auszumachen – sowohl die Zugänge in die Arbeitslosigkeit, als auch die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit halten sich im Jahresvergleich eher die Waage. Nicht unbedingt eine gute Entwicklung, in den Jahren zuvor hatten die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit die Zugänge in selbige noch deutlicher überlagert. Jetzt kommen auf 1948 Zugänge im Oktober 1990 Abgänge. Wie Traber erklärt, heißt ein Abgang aus der Arbeitslosigkeit nicht zwingend, dass derjenige Mensch einen neuen Job hat. Ein Abgang könnte auch der Wechsel in Elternzeit, ins Ausland oder sonst wohin sein.

Helferstellen werden weniger

Beim Blick auf die Stellenangebote sei allerdings auch eine gewisse Vorsicht bei den Unternehmen zu spüren, berichtet Traber. Im Oktober des laufenden Jahres waren, konkret im Zollernalbkreis, 1577 Arbeitsstellen gemeldet. Das ist, auf den zehnten Monat des Jahres bezogen, seit 2015 der zweitniedrigste Stand überhaupt. Vor allem auffällig: Die Anzahl der Helfer-Stellen, also für unqualifizierte Arbeitskräfte, beträgt lediglich 19,8 Prozent. Vor Jahren seien das teils noch bis zu 25 Prozent gewesen, blickt Traber zurück, die feststellt: „Die Helferstellen werden sukzessive weniger.“ Grundsätzlich sei der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften aber weiter hoch. Das sei aber auch über alle Branchen hinweg so zu beobachten. Umgekehrt haben es Arbeitslose ohne abgeschlossene Ausbildung schwierig, zurückzufinden in ein Anstellungsverhältnis. Das belegen auch die nackten Zahlen: 3916 der in Summe 7468 Arbeitslosen sind ohne abgeschlossene Ausbildung – satte 52,4 Prozent. Trotzdem stoßen Qualifizierungsmaßnahmen nicht mehr so auf Gegenliebe wie das einst der Fall war, berichtet Traber. Man müsse solche Kurse teils „verkaufen wie Sauerbier“. Unterm Strich aber, da waren sich alle bei der Vorstellung der jüngsten Arbeitsmarktzahlen einig, ist die Lage längst nicht so dramatisch wie die aktuellen Abgesänge vermuten lassen. Zumindest mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen.

4

Prozent beträgt die Arbeitslosenquote im Zollernalbkreis und dem Landkreis Sigmaringen insgesamt. Damit liegt man im Oktober 0,3 Prozentpunkte unter dem Landesschnitt.