50 Jahre Zollernalbkreis: Von Alblinsen und Kampfszenen

Markus Zehnder (links) hob die Bedeutung der Streuobstwiesen hervor. ⇥
Sabine StotzHeimat mit Kunst begreifbar machen, das ist das Ziel der am Freitagabend eröffneten Ausstellung im Werkforum Dotternhausen. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Landkreises war 2023 durch das Kreisarchiv die Jubiläumsausstellung mit dem Titel „Der Zollernalbkreis in 50 Objekten“ ins Leben gerufen worden.
Römische Vergangenheit
Darin wird die facettenreiche Geschichte, Kultur und Gegenwart der Region thematisiert. Nach ihrer ersten Station im Landratsamt in Balingen, sind die Exponate ab jetzt im Werkforum in Dotternhausen zu sehen.
Das Ausstellungskonzept geht dabei einen neuen, eher unkonventionellen Weg. Die 50 Objekte werden nämlich ausschließlich durch einen umfangreichen Ausstellungskatalog oder auch durch einen QR-Code erklärt. Um den roten Faden der Ausstellung darzustellen, zeigte Kreisarchivar Dr. Uwe Folwarczny zunächst, wie die 50 Exponate miteinander in enger Verbindung stehen, wie zum Beispiel das Original einer Terra Sigillata aus dem 1. oder 2. Jahrhundert, die zwischen Geislingen und Isingen gefunden wurde.
Entwicklung der Alblinsen
Die römische Keramikscheibe zeigt eine Kampfszene zwischen zwei Gladiatoren und steht damit für die römische Vergangenheit des Zollernalbkreises. Genau am Fundort kreuzen sich zwei in der Römerzeit gebaute Straßen.
Heute ist das ein wichtiges landwirtschaftliches Gebiet. Und so schlägt die Ausstellung den Bogen zu den Alblinsen, die in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Haigerlocher Landwirt und Pflanzenzüchter Fritz Späth gezüchtet wurden.
Aufgrund der Bodenbeschaffenheit des Zollernalbkreises ist es jedoch nicht überall möglich, Pflanzen anzubauen. Das wiederum schlägt die Brücke zum nächsten Ausstellungsstück: Schafwolle.
Ölschiefer von Wert
Bei der Vernissage am Freitagabend nutzte die Leiterin des Holcim Fossilienmuseums, Dr. Annette Schmid-Röhl, die Gelegenheit, die Dauerausstellung des Werkforums mit ihren Fossilienfunden, die zum Teil 180 Millionen Jahre alt sind, zu erklären. Das weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Museum gibt es, so erklärte sie, wegen des Ölschiefers, der bis heute eine wichtige Rolle bei der Zementproduktion spielt.
Im Zollernalbkreis liegt er nur knapp unterhalb der Oberfläche und ist aufgrund seines hohen Anteils an brennbaren Substanzen auch als Energielieferant von Interesse. Mehrere Exponate behandeln dieses Thema.
Burg Hohenzollern vertreten
Selbstverständlich fehlte auch Dr. Anja Hoppe, die Direktorin der Burg Hohenzollern, nicht. Als das Wahrzeichen des Landkreises stellte die Burgverwalterin einen Kampfhelm von 1650 als Ausstellungsstück zur Verfügung. Mit viel Begeisterung erzählte sie von den jährlich 250 000 bis 300 000 Gästen aus dem In- und Ausland, die die Burg Hohenzollern besuchen. Alle fänden irgendwie eine Wurzel, welche in die hiesige Gegend zurückreiche, erzählte sie. Egal ob sie aus Rumänien, Russland, Taiwan, China oder den USA kämen.
In einer Randnotiz bemerkte sie dem aufmerksamen Publikum gegenüber, dass die Burg eine hervorragende Energiebilanz im Bereich Heizen habe: „Von den 324 Räumen können nur 15 beheizt werden.“ Und nachts wohne sowieso niemand dort oben.
Der Katalog zur Ausstellung wird gegen eine Spende zu Gunsten des Diasporahauses abgegeben. Daher eröffnete André Guzzardo, als Vorstand des Diasporahauses Bietenhausen, den Anwesenden einen interessanten Einblick in die dort geleistete Jugendarbeit.
Im Zollernalbkreis gibt es eine Vielzahl sozialer Einrichtungen. Eine davon ist das Diasporahaus Bietenhausen, vor dessen Eingang ein Portal aus bemaltem Beton steht. Es wurde vom Balinger Künstler Ralph Musen entworfen und steht für die Vergangenheit und die Gegenwart der Jugendhilfeeinrichtung. In Miniatur ist es Teil der Ausstellung. Gegenwärtig seien im Diasporahaus 425 Mitarbeiter beschäftigt, berichtete Guzzardo.
Diasporahaus erhält Spenden
Mit Markus Zehnder schloss sich der Kreis derer, die im Rahmen der Veranstaltung über den Zollernalbkreis als Heimat berichteten. Er ging auf drei Exponate zum Streuobstwiesengürtel genauer ein. Ausgestellt sind beispielsweise zwei identische Hippen, also spezielle Messer, die es zum Baumschneiden braucht. Sowohl diese beiden, als auch das dabeistehende, veredelte Baumholz haben eine ganz besondere Geschichte. Wer sich dafür oder die anderen 49 Exponate interessiert, hat noch bis zum 30. April die kostenlose Gelegenheit dazu.
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Juliano Fernandez stand am Samstag auf der Bühne. Lesen Sie hier weiter:
50
Objekte sind derzeit im Werkforum Dotternhausen ausgestellt. Sie stehen für die 50 Jahre, die der Zollernalbkreis inzwischen besteht und waren zuvor im Landratsamt ausgestellt.
