Zur Schließung des Progymnasiums Tailfingen: „Mangelverwaltung zu Lasten aller Schüler“

Der Neubau des Progymnasiums Tailfingen ist absolut gelungen. Kaum haben die Gymnasiasten ihr neues Domizil bezogen, müssen sie voraussichtlich schon nach Ebingen umziehen und die Realschüler erobern den Neubau.
Vera Bender- Stadt Albstadt plant: Progymnasium Tailfingen soll aus Spargründen nach Ebingen verlegt werden.
- Neubau in Tailfingen ist fertig und belegt – Realschüler sollen dauerhaft dorthin umziehen.
- Philologenverband BW kritisiert „Schulpolitik mit dem Rotstift“ und warnt vor Strukturverlust.
- Kritikpunkte: längere Schulwege, Benachteiligung jüngerer Kinder, mögliche Versetzungen von Lehrkräften.
- Verband fordert Lösung, die Standort Tailfingen erhält und alle Schularten vor Ort berücksichtigt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit Bekanntwerden der Pläne aus dem Gemeinderat Albstadt, dass das Progymnasium Tailfingen geschlossen werden und die Schülerinnen und Schüler an das Gymnasium Ebingen verlegt werden sollen, reißt die kontroverse Debatte in der Stadt nicht ab. Der Neubau der Lammerberg-Realschule in Tailfingen wird für die knappen Kassen der Stadt zu teuer. Die einst geplante Sporthalle am Lammerbergschulzentrum fiel ohnehin schon dem Rotstift zum Opfer. Nun sollen die Realschüler in das neu errichtete Gebäude des Progymnasiums übersiedeln und die Gymnasiasten nach Ebingen ausweichen. Und zwar dauerhaft. Viele Leserbriefe gingen zu diesem Thema bereits ein, auf den sozialen Medien wird die Neustrukturierung der Albstädter Bildungslandschaft heftig diskutiert und nun meldet sich auch der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) in einer Stellungnahme zu Wort.
Bildungspolitischer Sündenfall
Darin heißt es: „Was von der Stadtverwaltung Albstadt als Optimierung verkauft wird, ist reine Schulpolitik mit dem Rotstift. Um den gestoppten Neubau der Lammerberg-Realschule finanziell aufzufangen, soll eine funktionierende gymnasiale Schulkultur im Talgang kurzerhand wegrationalisiert werden. Hier wird ein bildungspolitischer Sündenfall vorbereitet“, warnt der PhV BW. „Es kann nicht sein, dass ein erfolgreiches Gymnasium geopfert wird, um akute kommunale Haushaltslöcher zu stopfen. Das Progymnasium Tailfingen ist eine beliebte Schule in der Region mit gut funktionierendem pädagogischen Konzept und sprachlichem und naturwissenschaftlichem Zug. Es ist eine ‚Schule der kurzen Wege‘, die intensivere Kommunikation und kreative Projekte ermöglicht. Eine Auflösung des Standorts zerstört diese gewachsene Schulkultur unwiederbringlich. Schulqualität entsteht nicht nur durch Lehrplan und Lehrkräfte, sondern auch durch stabile Strukturen, Schulgemeinschaft und Identifikation mit dem Standort“, heißt es in der Pressemitteilung.
„Würde dieser wertvolle Schulstandort verschwinden, wäre das ein herber Schlag für die Wahlfreiheit der Eltern und Schüler und die Bildungslandschaft vor Ort. Das Progymnasium hat einen großen Einzugsbereich im ländlichen Raum. Eine Verlagerung nach Ebingen verlängert Schulwege erheblich, was insbesondere jüngere Schüler (Klasse 5/6) und Familien ohne PKW benachteiligen würde. Der Umzug würde auch für einen Großteil des Lehrerkollegiums weitere Wege zur Arbeit bedeuten. Es drohen Versetzungen, Planstellenabbau und lange Pendelwege.“ Außerdem wird angemahnt: „Finanzielle Engpässe des Schulträgers sollten jedenfalls nicht zulasten von Bildung, Familien und Schülern gehen, zumal das entsprechende Konzept bisher alles andere als überzeugend ist. Wenn finanzielle Erwägungen des Schulträgers dazu führen, dass erfolgreiche Schulstandorte wegrationalisiert werden, setzt das ein problematisches Signal für ganz Baden-Württemberg. Schulträger und Schulverwaltung sollten vielmehr gemeinsam eine Lösung finden, die das Progymnasium in Tailfingen erhält und auch die Bedürfnisse der Real- und Werkrealschüler vor Ort sowie des Gymnasiums Ebingen berücksichtigt.“
Was ist der Philologenverband Baden-Württemberg?
An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden knapp 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt mit über 9000 im Verband organisierten Mitgliedern die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer an den öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes. Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der zirka 26.500 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein.
