Zehn Jahre Mittagstisch Tieringen
: Wenn „gelbe Engel“ für volle Teller sorgen

401 Mittwochs-Mittagstische, 16.640 ausgegebene Drei-Gänge-Menüs und rund 20.000 Arbeitsstunden durch Ehrenamtliche in einem Jahrzehnt – diese Zahlen bilanzieren zehn Jahre Tieringer Mittagstisch.
Von
swp
Meßstetten
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Das Team des Tieringer Mittagstischs leistet seit zehn Jahren hervorragende Arbeit und wurde nun mit Ehre in einem Festakt bedacht.

Das Team des Tieringer Mittagstischs leistet seit zehn Jahren hervorragende Arbeit und wurde nun mit Ehre in einem Festakt bedacht.

Volker Bitzer
  • Zehn Jahre Mittagstisch Tieringen: 401 Mittwoche, 16.640 Menüs, 20.000 Stunden Ehrenamt
  • Start am Aschermittwoch 2016; Premiere mit Fleischgericht sorgte für heitere Episode
  • Jubiläum mit fünf Gängen, Andacht, Lesung, Gebeten, Grußworten und viel Musik
  • Ehrungen für Anita Eppler und Team; drei Männer leisten Fahrdienste für Ältere
  • Spendenprinzip statt Preis; Bürgermeister nennt Angebot „von unschätzbarem Wert“

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war etwa zum Jahresende 2015, als Anita Eppler aus Tieringen über ihren Ruhestand nachdachte. Sie wollte diesen möglichst sinnhaft auskleiden. So kam ihr der Gedanke eines Mittagstisches, vornehmlich für Ältere. Einmal wöchentlich, zum Beispiel im evangelischen Gemeindehaus. Mit ihrer Idee stieß sie beim damaligen Pfarrer Thomas Epperlein auf offene Ohren. Ebenso im Kirchengemeinderat, wo sie erstmals ihr Projekt vorstellte. Gut gewappnet, denn im Vorfeld hatte Eppler bereits ihre Schwestern mit ins Boot geholt, die versprachen, sollte das Vorhaben wahr werden, ihr als Helferinnen zur Hand zu gehen. So sollten nur wenige Wochen vergehen, bis Tieringen am Aschermittwoch 2016 zu seinem ersten Mittagstisch ins Gemeindehaus einlud.

Unvergessen blieb der Auftakt bis heute. Nicht nur weil es der Start einer Erfolgsgeschichte ist, sondern ausgerechnet die Premiere gleich mit einem konfessionsbehafteten Schmankerl, um nicht zu sagen Malheur, begleitet war. Was war passiert? Bestens vorbereitet hatte das damals noch überschaubare Team sein erstes Menü für die Besucher. Diese kamen aber nicht nur aus dem evangelischen Tieringen, sondern schon am ersten Tage aus der Nachbarschaft, wo der katholische Glaube vorherrscht. Diese Umstände völlig unbedacht, sollte ausgerechnet an einem Aschermittwoch ein Fleischgericht aufgetischt werden. Die Damen bemerkten plötzlich ihren Fauxpas, kamen aber nicht ins Strudeln. Denn die auswärtigen Tischgäste nahmen’s überraschend locker: „Wenn mir an diesem Tag in der protestantischen Fremde zum Essen gehen, drückt der Herrgott bestimmt ein Auge zu“, sollen sie gesagt haben und ließen sich den Braten munden. Schon häufig hat Anita Eppler diese heitere Episode erzählt, freilich durfte sie beim Jubiläumsfest nicht fehlen.

Festmahl mit fünf Gängen

Der zehnte Geburtstag wurde nicht nur mit einem besonderen Mittags-Festmahl in fünf Gängen begangen; vielmehr war es ein mehrstündiger Festakt, bei dem die Menüabfolge mit Andacht, Lesung (Elfi Neher), Gebeten, Grußworten, Rückblick, Gedichten und ganz viel Musik gespickt war. Mit einem Trompetensolo eröffnete Oswin Angst, Walter Klaiber spielte sein Alphorn, Dieter Illg begleitete am Keyboard und Eugen Wäschle mit dem Akkordeon. Gereimte Verse hatten Gretel Fritz und Inge Bay parat.

Pfarrer Philipp Haas entlehnte „Die Hochzeit zu Kanaan“ aus dem Johannes-Evangelium für seine Ausführungen zum Jubiläum. Er ging auf Hintergründiges der biblischen Geschichte ein, zeigte Parallelen auf und betonte: „Schon Jesus hat gerne gefeiert.“ Ein gedeckter Tisch, eine warme Mahlzeit und ein offenes Ohr – wie in Kanaan sei auch der Tieringer Mittagstisch ein Ort der Geselligkeit und Wahrnehmung. Es zähle bei Weitem nicht nur das Essen im Kollektiv, sondern ebenso das gemeinsame Erzählen, Lachen und Zuhören.

Angebot von „unschätzbarem Wert“

Von einem Treffpunkt für alle sprach Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft in seinem Grußwort. Jung und Alt, Menschen aus Tieringen, aber auch aus der Umgebung würden Mittwoch für Mittwoch gerne ins Gemeindehaus kommen. Freilich sind es vornehmlich Senioren, die zwischen 11.30 und 14 Uhr die Stunden der Begegnung genießen. Deshalb sei dieses Angebot der Herzlichkeit und Menschlichkeit, gerade in der heutigen Zeit, von unschätzbarem Wert. Bemerkenswert sei zudem der Gedanke der Spende statt eines festen Preises: „Jeder gibt, was er kann und alle profitieren davon; das ist gelebte Gemeinschaft im besten Sinne“, lobte der Schultes. Dass dies alles nicht gänzlich ohne Sponsoren gehe, sei selbstverständlich und so nannte Frank Schroft drei lokale Firmen als Unterstützer. Anerkennende Worte für „ihre“ Tieringer Mittagstisch-Mannschaft sprach auch Ortsvorsteherin Isabella Merkt.

Noch vor dem Hauptgang wurde es so richtig gelb auf und vor der kleinen Bühne. Die Damen des Tieringer Mittagstisches mit ihren leuchtend-gelben Schürzen rückten jetzt in den Mittelpunkt. Pfarrer Philipp Haas ehrte die Frauen der ersten Stunde: Anita Eppler, Ursula Koch, Helga König, Elfi Neher, Maria Reiser und Marliese Werner sind seit zehn Jahren dabei. Ebenso drei Männer, zwar nicht mit gelber Schürze fürs Bedienen oder Werkeln in der Küche, dafür aber als zuverlässige Fahrdienste für Ältere, die nicht mehr selbstständig ins Gemeindehaus kommen können. Es sind Oswin Angst, Alfred Fischer und Richard Eppler. Aus vielen helfenden Händen sind binnen einer Dekade noch viel mehr geworden – sie sorgen bis heute für einen reibungslosen Tieringer Mittagstisch.