Weltfrauentag 2026
: Wie steht es um die Gleichberechtigung im Zollernalbkreis, Frau Koschnike?

Vom ländlichen Raum bis zu Führungsetagen: Der Weltfrauentag im Zollernalbkreis macht sichtbar, wo Gleichstellung gelingt – und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Von
Sophie Holzäpfel
Zollernalbkreis
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Beauftragte für Chancengleichheit Estelle Koschnike-Nguewo auf dem neu gestalteten Bahnhofsvorplatz in Balingen: „Ich war immer mein eigenes Vorbild.“⇥

Gleichstellungsbeauftragte Estelle Koschnike-Nguewo auf dem neu gestalteten Bahnhofsvorplatz in Balingen.

Seit knapp drei Jahren ist Estelle Koschnike-Nguewo kommunale Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.

Lea Irion (Archivbild)
  • Zollernalbkreis: Programm zum Weltfrauentag, Fokus auf „Gender Gaps – Frauenarmut“.
  • Start am 7. März, 10–12.30 Uhr, Bürgerturmplatz Albstadt, 55 Organisationen dabei.
  • Abends „Get-together“ im Schiller ab 19 Uhr; offen für alle Generationen.
  • Filme: 9. März „Mein neues altes Ich“ (Balingen), 15./18. März „Kick it like Beckham“.
  • Gleichstellungsamt: mehr Kita, flexible Arbeit, Vorbilder, Täterprogramme fehlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In einer idealen Welt wäre dieser Tag überflüssig. Es müssten sich keine 55 Organisationen auf dem Albstädter Bürgerturmplatz versammeln, niemand müsste Mitmachaktionen organisieren. Begriffe wie „Gendergaps“ und „Frauenarmut“ wären nicht notwendig. Ja, in einer idealen Welt bräuchte es keinen Weltfrauentag, um die Menschen für Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu sensibilisieren, sagt Estelle Koschnike-Nguewo.

Doch diese Welt existiert nicht. Und deshalb sei es wichtig, am 8. März für Frauenrechte einzustehen – gegen Femizide und geschlechterspezifische Gewalt, für gleiche Bezahlung und politische Teilhabe sowie gegen Rückschritte in der Gleichstellung, so die Gleichstellungsbeauftragte des Zollernalbkreises. In den vergangenen Wochen hat sie ein Programm für den Weltfrauentag zusammengestellt (siehe Infokasten).

Ziel sei es, deutlich zu machen, dass Unterschiede etwa bei Lohn, Rente und Sorgearbeit wesentliche Faktoren der Frauenarmut sind: „Frauenarmut ist kein Zufall und nicht immer individuelles Schicksal, sondern häufig das sichtbare Ergebnis struktureller Ungleichheit zwischen den Geschlechtern“, erklärt Koschnike-Nguewo.

Was zum Weltfrauentag in Albstadt geplant ist

Los geht es am Samstagmorgen um 10 Uhr auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt. Neben Live-Musik wird es Impulse und verschiedene Aktionen geben. „Mir ist es ein Anliegen, alle Generationen und alle Menschen zu erreichen. Denn das Thema Gleichberechtigung geht uns alle an.“

Sie betont, dass es auch darum geht, die junge Generation für Ungleichheiten zu sensibilisieren – unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Auch klassische Rollenbilder, etwa die Vorstellung, dass Care-Arbeit „Frauensache“ sei, müssten überwunden werden. Dabei seien auch Männer gefragt, die sich für Gleichstellung einsetzen, um gemeinsam etwas zu bewegen.

Erst vor wenigen Tagen kündigte ein Kollege an, er werde mit seinem Sohn vorbeischauen, erzählt Koschnike-Nguewo. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Überhaupt blickt sie optimistisch in die Zukunft: „Wenn ich die Resonanz von vor drei Jahren mit heute vergleiche, merke ich: Es tut sich etwas. Es lohnt sich, dranzubleiben.‘“

Alle Aktionen zum Weltfrauentag auf einen Blick

Los geht es am Samstag, 7. März, auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt. Unter dem Motto „Gender Gaps – Frauenarmut“ findet dort von 10 bis 12.30 Uhr eine Veranstaltung statt. Beteiligt sind 55 Organisationen im Zollernalbkreis. Am Abend des 7. März wird im Schiller ab 19 Uhr in den Weltfrauentag getanzt. Für die musikalische Unterhaltung sorgt Sandra Testa, und später dreht DJane Punto den Bass auf.

Zudem stehen Filmvorführungen auf dem Programm: Am 9. März um 19.15 Uhr läuft „Mein neues altes Ich“ im Balinger Kino. Darin geht es um das Thema Wechseljahre. Anschließend ist ein Gespräch mit einer Wechseljahre-Beraterin geplant. Am 15. März läuft außerdem der Film „Kick it like Beckham“ ab 17 Uhr im Capitol Kino in Albstadt und am 18. März um 17.30 Uhr im Burgtheater Kino in Hechingen. Der Eintritt ist frei.

Möglichkeiten des ländlichen Raums

Diese positiven Entwicklungen sieht sie auch im ländlich geprägten Zollernalbkreis, wo sich Gleichstellung anders umsetzen lasse als in einer großen Stadt: „Ich schaue nicht auf die Grenzen, sondern auf die Möglichkeiten, die der ländliche Raum bietet.“ Hier kennen die Menschen einander, geben aufeinander Acht, so ihre Überzeugung. „Wenn es zum Beispiel um häusliche Gewalt geht, kann das entscheidend sein. Auffälligkeiten werden schneller bemerkt, Hilfsangebote können schneller vermittelt werden.“ Die Gleichstellungsbeauftragte schiebt hinter: „Man kann die Menschen direkter erreichen.“ Großstädte präsentieren sich zwar häufig offener und toleranter, seien jedoch deutlich anonymer.

Auch für Frauen in Führungspositionen biete die hiesige Region Chancen: „Wir haben viele Vorbilder im Zollernalbkreis, die sollten wir nur mehr ins Licht bringen.“ Wichtig sei, ein klares Bild davon zu haben, wie Gleichstellung sein sollte, um gezielt daran arbeiten zu können – also ein Vorstellungsbild von dem, was erreicht werden kann. Solidarität sei der Schlüssel, betont Koschnike-Nguewo.

Gemeinsam Gleichberechtigung vorantreiben

Was müsste passieren, damit der Internationale Frauentag irgendwann überflüssig wird? Koschnike-Nguewo hat klare Vorstellungen: „Ich würde mir mehr Empathie wünschen – dass Männer ihre Privilegien teilen. Dann bräuchten wir keinen Frauentag mehr: Dann wäre jeder Tag einfach ein Tag der Menschen, der Solidarität.“

Gleichstellung fange schon bei der Kinderbetreuung an, die zuverlässig angeboten werden müsse, damit Frauen nach der Geburt eines Kindes wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen könnten. Flexible Arbeitszeiten und geteilte Führungspositionen seien weitere Schritte, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen. Denn gerade in sozialen Medien, etwa unter Schlagworten wie „Trad Wives“, gewinnen traditionelle Geschlechterrollen dieser Tage wieder an Fahrt, warnt sie.

Wichtige Anlaufstellen und Hilfsangebote

Grundsätzlich, sagt die Wahlbalingerin, sei der Zollernalbkreis gut aufgestellt. Das Hilfsangebot für Frauen wachse immer weiter. Im Bereich häusliche Gewalt zeige sich, wie wichtig gezielte Unterstützung sei: Seit einem Jahr gibt es eine Frauenberatungsstelle, die als „wirklich wichtige Anlaufstelle“ diene.

Zusätzlich gebe es die Chancengleichheitsbeauftragte der Agentur für Arbeit, das Frauenhaus und zahlreiche Initiativen wie etwa „Feuervogel“ und das Frauennetzwerk. Eine Lücke sieht Koschnike-Nguewo dennoch: Noch fehle es an Täter-Interventionsprogrammen im Landkreis. Koschnike-Nguewo verweist dabei auf Modelle wie die „Pfunzkerle“ in Tübingen, die bereits erfolgreich wirken.

Wenn die Menschen gemeinsam solidarisch sind, lassen sich Veränderungen erreichen – Schritt für Schritt, Tag für Tag, so ihre feste Überzeugung.