Verdi-Warnstreiks im ZAK
: Gewerkschaftler wollen „die volle Packung Spätzle“

Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst hat begonnen. Verdi fordert für die Beschäftigten acht Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro, und zusätzlich drei freie Tage mehr.
Von
Vera Bender und Sebastian Buck
Zollernalbkreis
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Auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen haben sich die Angestellten im öffentlichen Dienst zum von der Gewerkschaft verdi aufgerufenen Warnstreik formiert.

Auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen haben sich die Angestellten im öffentlichen Dienst zum von der Gewerkschaft verdi aufgerufenen Warnstreik formiert.

Vera Bender
  • Verdi fordert 8% mehr Lohn, mindestens 350 Euro und drei zusätzliche freie Tage für den öffentlichen Dienst.
  • Rund 100 Beschäftigte in Albstadt-Ebingen streikten für bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter.
  • Martin Gross kritisierte Oberbürgermeister und forderte eine Vermögenssteuer für Superreiche.
  • Demonstrationen fanden auch in Balingen statt, ohne große Auswirkungen auf das Zollernalb-Klinikum.
  • Pflege- und Kindergartenpersonal betonten ihre Arbeitsbelastung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Kundenstopper mit Verdi-Plakaten wiesen die Passanten rund um den Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen am Mittwochmorgen darauf hin: „Heute Warnstreik“. Und tatsächlich hatten sich rund 100 Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst bei kalten Temperaturen und strahlendem Sonnenschein versammelt, um für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt Flagge zu zeigen – die Flagge der Gewerkschaft verdi.

Pflegepersonal stark vertreten

Gewerkschaftssekretär Paul Stellwag heizte die Stimmung auf dem Platz an und fragte gleich mal ab, von welchen Arbeitsplätzen die Streikenden gekommen seien. Dabei stellte sich heraus, dass von der Sparkasse niemand anwesend war und auch bei Nennung der Albstadtwerke meldete sich niemand. Auf die Frage: „Stadtverwaltung?“ gab es Getöse und Pfiffe von der Trillerpfeife, um die Anwesenheit zu untermalen. Noch lauter wurde es auf dem Bürgerturmplatz, als Stellwag nach Mitarbeitern des Zollernalb Klinikums fragte. Eindeutig waren von dort die meisten Streikenden erschienen. Nicht zuletzt hielt man vom örtlichen Krankenhaus auch ein großes Transparent in die Höhe.

Die Frauen und Männer in ihren gelben Warnwesten mussten nicht lange in der Kälte ausharren, bis verdi Landesbezirksleiter Martin Gross ans Mikrofon kam und die Streikenden des öffentlichen Dienstes auf die gemeinsamen Forderungen einschwor: „8 Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro, für die Azubis mindestens 200 Euro plus drei zusätzliche freie Tage.“ Der Gewerkschaftsvertreter ging hart ins Gericht mit den Oberbürgermeistern – egal ob von Tübingen, Balingen oder Albstadt. Es sei „unanständig und eklig“, wenn Boris Palmer äußere, dass kommunale Angebote gekürzt werden müssten wegen der hohen Tarifforderungen. Die Kommunen hätten ihre Unterfinanzierung selbst zu verantworten.

Auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen wurde am Streiktag ein Transparent des Zollernalb Klinikums in die Höhe gehalten.

Auf dem Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen wurde am Streiktag ein Transparent des Zollernalb-Klinikums in die Höhe gehalten.

Vera Bender

Statt nach unten zu treten, sollten die Verantwortlichen besser nach oben schauen und eine Vermögenssteuer für die Superreichen einführen. Ein weiterer Lösungsansatz sei laut Martin Gross, wenn der Bund mehr von der eingenommenen Umsatzsteuer an die Länder und Kommunen abgeben würde. „Nur starke Kommunen und gut funktionierende Landkreise bringen unser Land voran. Deshalb Gehalt rauf und Arbeitsbelastung runter“, forderte der Gewerkschaftsvertreter.

Spätzlepackung nicht ganz voll

Beim letzten Tarifabschluss habe man zwar durchschnittlich 11,5 Prozent mehr aushandeln können, was aber noch immer nicht die Inflation von 30 Prozent ausgleiche. Zur Verdeutlichung hatte der Schwabe aus Tübingen zwei Packungen Spätzle mitgebracht. In einer waren 20 Prozent weniger Inhalt. „Ich will die volle Packung“, rief Gross in die Menge, die an der jeweils gewünschten Stelle immer mal wieder „Streiktag“ skandierte.

Unter den Versammelten standen auch Erzieherinnen von Albstädter Kindergärten in einer Runde und erläuterten auf Nachfrage, weshalb sie zur Kundgebung gekommen seien. Speziell in den Kindertageseinrichtungen seien die Rahmenbedingungen für die Kinder und das Personal nicht optimal. Das Gehalt müsse angepasst werden und mehr Urlaub schade niemandem, hörte man übereinstimmend. Viel zu viele Überstunden sammeln sich bei der Kinderbetreuung an und wenn man sich diese auszahlen lasse, dann bekomme man gerade einmal etwa sieben Euro netto pro Stunde, weshalb man sie dann doch lieber durch Freizeitausgleich abbaue. Nur wann, wenn man ständig unterbesetzt sei?, lautete die rhetorische Frage. Und dem Pflegepersonal im Krankenhaus gehe es übrigens nicht besser, fügte man in der Gruppe noch an.

Großer Sturm blieb aus

Ebenfalls in der Eyachstadt Balingen versammelten sich einige Demonstranten auf dem Marktplatz. Von 100 bis 110 Teilnehmern war auf der kleinen Bühne am Rande des Platzes die Rede. Ab 13 Uhr sei die kleine Kundgebung angemeldet, erklärte Stadt-Pressesprecher Dennis Schmidt am Rande eines Pressegespräches im Rathaus mit Blick auf den Marktplatz. Es sei aber kein Aufzug geplant, bei dem die Gruppe durch die Stadt ziehe, so Schmidt. Die Demonstranten von Verdi hatten sich dann noch bis gut 13.45 Uhr auf dem Marktplatz aufgehalten, einige Reden wurden geschwungen. Am Ende die Frage in die Menge, ob man auch bereit sei, nochmals oder größer zu demonstrieren. Einige Trillerpfeifen waren zu hören, der große Jubelsturm blieb dann aber doch aus.

Große Auswirkungen hatte der Streik jetzt auf das Zollernalb-Klinikum indes nicht, zumindest keine, die für den Patienten zu spüren gewesen wären. Einzig die Tiefgarage sei etwas leerer gewesen am Morgen. „Wir haben eine Notfallvereinbarung, das läuft ähnlich wie am Wochenende“, erklärt Pressesprecherin Beate Fleiner im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Die Notfallversorgung sei selbstverständlich gesichert, etwaige planbare Operationen seien verschoben worden, mehr gäbe es aber auch beim Zollernalb-Klinikum nicht zu berichten über Streikauswirkungen.

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Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro, fordert die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Zudem drei freie Tage im Jahr zusätzlich.