Es sind keine einfachen Zeiten: Der Krieg in der Ukraine dauert an. Ebenso die daraus resultierenden Sanktionen. Hohe Energiekosten und deutlich gestiegene Lebensmittelpreise sorgen dafür, dass die Menschen weniger Geld im Portemonnaie haben.
Auf der anderen Seite ist die Corona-Pandemie zwar noch nicht vorbei, doch es gibt kaum noch Einschränkungen. Viele sind aus dem Homeoffice wieder in die Büros zurückgekehrt. All das hat Auswirkungen – auch auf die Tierheime landauf, landab. Mit der nahezu erfolgten Rückkehr zur Normalität, wie sie vor Corona war, wollen manche Menschen, die sich zu Beginn der Pandemie ein Haustier zugelegt haben, es jetzt plötzlich wieder loswerden. Dadurch kommen viele Tierheime an ihre Kapazitätsgrenze. Wie ist die Situation im Tailfinger Schalkental, wo das Tierheim des Zollernalbkreises beheimatet ist?

Höhere Tierarztgebühren könnten Folgen haben

„Der ‚Coronarücklauf‘ spielt bei uns im ländlichen Bereich glücklicherweise (noch) keine große Rolle“, sagt Dr. Günter Wiebusch, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Zollernalbkreis. Man müsse aber abwarten, wie sich die Situation entwickle. Womit er jedoch konkret rechnet, ist, dass Tiere als Folge der Politik insgesamt und der daraus resultierenden Schräglage, in die viele Menschen geraten, vermehrt im Tierheim abgegeben werden. Zumal unlängst auch noch die Tierarztgebühren deutlich angehoben wurden. Damit wird der Arztbesuch für Hunde- und Katzenbesitzer auf jeden Fall teurer – für den einen oder anderen vielleicht zu teuer.

In gespannter Erwartung

„Wir merken bis jetzt noch nicht viel davon, dass Tiere wegen der generellen Teuerungsrate abgegeben werden“, sagt Wiebusch. Dennoch sei das Tierheim-Team „in gespannter Erwartung“, was da noch komme. Er befürchte, dass sich durch das Zusammenkommen der verschiedenen Faktoren, die die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben, die Entwicklung auch im Zollernalbkreis bemerkbar machen werde.
Angesichts bevorstehender Herausforderungen sieht der Burladinger das Tierheim allerdings gut gerüstet, zumal man dort seit jeher mit Augenmaß und vorausschauend arbeite und wirtschafte. Das Tailfinger Tierheim kann sich über eine breite Unterstützung in der Bevölkerung freuen, was in Spenden, aber auch in tätiger Mithilfe zum Ausdruck komme. „Wir haben beispielsweise Ehrenamtliche in Form von Paten, die mit den Hunden spazieren gehen“, berichtet Wiebusch.

Eine Jugendgruppe wäre ein Wunsch

Doch es gibt ein paar „Baustellen“, für die er sich dringend eine Lösung wünscht. Vor dem Hintergrund einer älteren Mitgliederstruktur und dadurch leicht gesunkener Mitgliederzahlen sei es umso wichtiger, junge Menschen für den lokalen Tierschutz zu begeistern. „Uns fehlt die Jugend“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Es wäre super, wenn sich wieder eine Jugendgruppe gründen würde, wie wir sie vor den Coronmaßnahmen hatten“, hofft Wiebusch.
Trotz zahlreicher Herausforderungen, die der Klimawandel weltweit auch für den Tierschutz mit sich bringe, sei es doch so, dass man gerade im eigenen Bereich, in der eigenen Region, viel bewirken könne. Für junge Erwachsene, die Interesse daran haben, eine solche Gruppe aufzubauen und zu leiten, bietet der Tierschutzlandesverband umfangreiche Unterstützung an. „Wer sich für den Tier- und Artenschutz engagieren will, kann das auch vor Ort tun“, sagt Wiebusch. Und die Exotenauffangstation von Björn Gruner in Zillhausen, die als Abteilung des Tierheims übernommen worden ist, bietet auch Einblicke in die Problematik rund um die Haltung etwa von Reptilien, Amphibien und Spinnentieren.

Tierheim soll Tierschutzzentrum werden

Folgt man Wiebuschs Vision, dann soll das Tierheim des Zollernalbkreises auf lange Sicht zu einem Tierschutzzentrum werden, in dem man sich neben dem bisherigen Schwerpunkt der Aufnahme, Versorgung und Vermittlung von Tieren einem breitgefächerten Tierschutz widmen könnte. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch ein verstärktes Engagement für den Artenschutz auf lokaler Ebene im Verbund mit anderen Organisationen. So sind etwa die Kastrationen von frei lebenden Katzen im Tierheim eine erweiterbare Aktion, welche nicht nur das Katzenelend lindern, sondern auch für heimische Vogelarten nützlich ist. „Über kommunale Katzenschutzverordnungen könnte man hier zusätzlich gezielt unterstützen“, so Wiebusch.

Zum Glück zahlt der Landkreis mehr

Auch am Tierheim geht die generelle Unkostensteigerung natürlich nicht vorbei. Die erhöhte Zuwendung durch den Kreis, die „bitter notwendig“ sei, gibt es erst ab dem neuen Jahr. „Wir sind sehr dankbar dafür, dass der Kreistag rechtzeitig erkannt hat, dass der Tierschutz vor Ort eine größere Unterstützung braucht, um über die Runden zu kommen“, so Wiebusch. In Zahlen bedeutet das: 1,50 Euro pro Kreiseinwohner statt bislang 60 Cent beträgt die Unterstützung des Landkreises fürs Tierheim ab 2023.
Angesichts des immer größer werdenden Arbeitsaufwands ist das hauptamtliche Personal aufgestockt worden, um künftig besser auch für Zeiten verstärkter Krankheitsausfälle gewappnet zu sein und die Versorgung der Tiere sicherzustellen. Dennoch ist die Unterstützung der Tierheimarbeit durch ehrenamtliche Helfer unverzichtbar. Verstärkung könnte das Team zum Beispiel bei den täglichen Reinigungsarbeiten brauchen. Auch für handwerklich begabte Menschen gäbe es im Tierheim genügend zu tun. „In früheren Zeiten hat es eine Arbeitsgruppe gegeben, die sich samstags getroffen hat und bei anfallenden Arbeiten eingesprungen ist“, erinnert sich Wiebusch. Dafür besteht der Bedarf nach wie vor. „Wenn sich hier wieder eine Gruppe finden würde, wären wir sehr froh.“

Energiekosten sind ein großes Thema

Ein großes Thema sind auch für das Tierheim die Energiekosten. Drei Gebäudeteile gibt es: neben dem Katzenhaus das Hundehaus und den Alttrakt für Hundequarantäne und Krankenstation. Ein Gebäudeteil wird noch mit Öl geheizt, für die anderen beiden gibt es eine Holzheizung und eine Solaranlage. Die grobe Schätzung gehe davon aus, dass über 10 000 Euro mehr pro Jahr für Strom und Heizung zu bezahlen sein werden.

Auf Spenden angewiesen

Mit diesen Aussichten, fürchtet Wiebusch, werde er erst einmal nicht möglich sein, Geld für ein dringend notwendiges neues Hundehaus beiseite zu legen. Wenn man die aktuellen Entwicklungen sehe, sei wohl eher zu befürchten, dass die Mittel durch die allgemeinen Kostensteigerungen aufgebraucht werden. Über Spenden sei man daher immer froh.