Tierbestattungskirche in Albstadt: Dieser Tierhimmel ist einzigartig in Deutschland – und vielleicht in der Welt
Die frisch renovierte Pauluskirche Pfeffingen wird am 2. Dezember um 14 Uhr erstmalig ihre Türen öffnen. Eine Tierbestattungs-Kirche gibt es bis jetzt in ganz Deutschland noch nicht, schreiben die Betreiber. „Diese Lücke wird nun in Albstadt geschlossen.“ Die Tierbestattungs-Kirche wird von der Schönhalde Tierbestattung Albstadt betrieben und soll nicht nur Bestattungshaus für geliebte Tiere, sondern auch ein Ort der Begegnung und Erinnerung sein.
Das Sakralgebäude bietet die Möglichkeit, eine Tiertrauerfeier abzuhalten. Denn: „Hund, Katze, Pferd und mehr gehören zu unserer Familie.“ Das Interesse der Menschen an der neuen Form der Tierbestattung sei gewaltig. Schon in den vergangenen Monaten berichteten Medien bundesweit wie auch in Polen, Russland, Niederlande, Schweiz, Frankreich, ebenso die Zeitungen in Südamerika und der Karibik sowie ein Fernsehsender.
Emotionaler Stellenwert des Tiers ist höher
„Wir betreiben seit einigen Jahren die Tierbestattung Schönhalde in Albstadt-Pfeffingen“, berichtet Ellen Weinmann. „Wir sind selbst Tierhalter. Den geliebten Familienmitgliedern eine würdevolle letzte Reise zu ermöglichen, ist für uns Berufung, und nur nebenbei auch Beruf.“ Der emotionale Stellenwert, den die Tiere in unseren Familien haben, mache nicht nur ein gutes Leben, sondern auch einen würdevollen letzten Weg unverzichtbar.
„Seit geraumer Zeit schon beobachten wir einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit den Haustieren.“ Die Tiere seien für einen Großteil der Menschen vollwertige Familienmitglieder. Beim Ableben wird um sie getrauert wie um einen nahestehenden Menschen. Immer mehr Tierhalter wünschen sich daher einen passenden Abschied von ihren Lieblingen.
Steigende Zahl an Tierbestattungen
Um der stetig steigenden Zahl an Bestattungen gerecht zu werden, benötigt die Tierbestattung mehr Platz. „Dass just, als wir einen Anbau planen wollten, die kleine Kirche in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Verkauf stand, ist eine außerordentlich schöne Fügung.“ Die Pauluskirche Pfeffingen, im Volksmund „‘s Kirchle“ genannt, sei ein von Geschichte aufgeladener, spiritueller Ort, der einen schon beim Betreten in seinen Bann zieht. „Eine einzigartige Location mit einer unbeschreiblichen Atmosphäre, um seinen Liebling auf dem Weg in den Tierhimmel zu begleiten.“
Die evangelisch-methodistische Kirche (EMK) hatte die Pauluskirche im Jahr 1955 erbaut. Bereits vor Jahren wurde die Nutzung für Gottesdienste eingestellt. Wegen schwindender Mitgliederzahl der kleinen Gemeinden feiert sie ihre Gottesdienste nun zentral in einer moderneren Kirche in der Nähe. Die EMK habe das Gebäude dennoch zunächst weiter erhalten, da die Mesnerin seit über 40 Jahren in der Wohnung im Obergeschoss lebte und ihr im Alter kein Umzug zugemutet werden sollte. Erst jetzt, nachdem die Dienstwohnung leer stand, wurde die Kirche endgültig aufgegeben und mit einem feierlichen Gottesdienst Ende Juli an die Tierbestattung Schönhalde übergeben.
„Kirchle“ renoviert
„Das rund 70 Jahre alte Gebäude benötigte noch etwas Zuwendung“, deuten die neuen Nutzer an. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten wird die erste Tierbestattungskirche am 2. Dezember nun feierlich eröffnet. Die Tierbestattung in einem Sakralgebäude, in einer richtigen Kirche, gebe es bis heute noch nirgendwo. Nach der Profanierung der Pauluskirche werde diese Lücke durch die Schönhalde gefüllt.
Kraftort mit Tradition
Wohl sei es nach der Entweihung keine „richtige“ Kirche mehr, „aber für uns ein Kraftort voller Tradition, über die Jahrzehnte aufgeladen von Spuren der Menschen, die dort einen Teil ihres Lebens und ihre persönliche Verbindung zu Gott zelebrierten“. Die Familie Weinmann setze sich nach Kräften dafür ein, die Türen der Pauluskirche jetzt wieder offenzuhalten, für jeden. „Dabei möchten wir uns, was die Konfession der Besucher betrifft, bewusst neutral verhalten.“ Selbst sei man mit christlichen Werten aufgewachsen, aber jeder anderen spirituellen Ausrichtung gegenüber offen.
Auch die Haltung der großen Kirchen zum Thema Tiere befinde sich im letzten Jahrzehnt in einem Wandel, schreibt Ellen Weinmann. 2012 war die Antwort der evangelischen und römisch-katholischen Kirche ein einstimmiges und deutliches „Nein“ zu Gottesdiensten für Tiere. In neueren Publikationen aus dem Jahr 2022 habe sich dieses kategorische „Nein“ mehr zu einem „Ja, aber“ oder „Ja, vielleicht“ weiterentwickelt.
Mehr Wertschätzung für Tiere
Einzelne Theologen beider Kirchen setzen sich mit Nachdruck für eine Neupositionierung des Christentums ein, die mehr Wertschätzung für die Tiere zeigt. Ihr Stellenwert als eigenständiges, beseeltes Wesen innerhalb der Schöpfung rücke mehr und mehr in den Fokus. „In diesem Kontext wird unserer Meinung nach eines Tages auch die kirchliche Bestattung und die kirchliche Trauerfeier für Tiere möglich sein.“
Die Tierbestattungskirche Pauluskirche geht einen großen Schritt voraus und bietet den geliebten Haustieren, sowie den Familienmitgliedern, einen besonderen Ort des Gedenkens an. Dort ist sowohl die konfessionell neutrale Trauerfeier mit einer Trauerrede einer freien Rednerin oder einem Redner, als auch ein Gottesdienst möglich. „Dabei setzen wir auf Pastor, Pfarrer, Vorsteher, Gemeindeoberhaupt oder andere spirituelle Vertrauenspersonen der Hinterbliebenen-Familie.“
Noch kein negatives Feedback
Die individuellen Bedürfnisse der Hinterbliebenen seien dabei das Maß der Dinge. Jedes Tier bekomme eine Rose mit auf die letzte Reise. Negatives Feedback habe es noch nicht gegeben. Weinmann: „Der positive Zuspruch aus allen Richtungen ist einfach überwältigend.“
Nicht nur in Gesprächen, sondern auch in Zuschriften, Anrufen und E-Mails aus aller Welt. Auch Gemeindemitglieder vor Ort, die ihr Leben lang mit der Pauluskirche verbunden waren, haben die Familie Weinmann mit lieben Worten ihr „Kirchle“ zu treuen Händen übergeben. „Das bedeutet uns sehr viel!“
Nachfahre des ersten Tierschützers meldet sich
Nicht nur Theologen beider großen Kirchen haben sich gemeldet, auch viele Privatpersonen. Darunter eine Nachfahrin von Albert Knapp, der am 25. Juli 2023 gerade 225 Jahre alt geworden wäre, „hat uns voller Freude einen langen Brief geschrieben“. Der am 1798 geborene württembergische Pfarrer Albert Knapp gründete im Dezember 1837 den weltweit ersten Tierschutzverein und trug damit maßgeblich zum ersten Tierschutzgesetz von 1839 bei.
Der Zuspruch in den sozialen Medien ist enorm. „Viele Menschen folgen unseren Beiträgen und fiebern gemeinsam mit uns der Eröffnung entgegen.“ Der besondere Dank der Familie Weinmann gilt der EMK, ohne deren Unterstützung es den einzigartigen Ort für die Tiertrauer nicht geben würde. ⇥swp
Die neue Tierbestattungskirche in der Pauluskirche in Albstadt-Pfeffingen eröffnet am 2. Dezember. Mehr Infos online unter der Adresse https://schoenhalde.de/pauluskirche.


