Talgangbahn bei Albstadt
: Das nervöse Warten auf die Bahn und ihre Kosten

Die Umfeldmaßnahmen zur Reaktivierung der Talgangbahn wurden im Ausschuss nochmals hinterfragt. Die Stadtverwaltung warnt vor Spekulationen.
Von
Vera Bender
Albstadt
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Die Talgangbahn soll ab 2030 Onstmettingen mit Ebingen verbinden.⇥

Maik Wilke

Eigentlich stand das Thema „Talgangbahn“ überhaupt nicht auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des Technischen Ausschusses in Albstadt. Dennoch fand eine rege Diskussion zu diesem Punkt unter „Sonstiges“ statt, die offensichtlich nicht jedem Ausschussmitglied behagte.

Ins Rollen gebracht hatte das Ganze Thilo Frizenschaf von „Wir sind Albstadt“ mit der Aufforderung, man müsse sich so langsam um die entsprechende Infrastruktur kümmern, wenn im Jahr 2030 die Talgangbahn, wie beschlossen, fahren soll. Unter anderem müssten auch Parkplätze angelegt werden. Allerdings würden nach Ansicht von Frizenschaf die jährlich in Höhe von 25 000 Euro bis 2027 eingestellten Mittel dafür niemals ausreichen. Der Stadtrat machte auch keinen Hehl daraus, dass er die Reaktivierung der Talgangbahn unter finanziellem Aspekt sehr kritisch sieht.

Auch 2027 nochmal 3,5 Millionen

Baubürgermeister Udo Hollauer machte indes darauf aufmerksam, dass die mittelfristige Finanzplanung im Jahr 2027 nochmals 3,5 Millionen Euro für die Talgangbahn vorsehe und auch in den Jahren 2028 bis 2033 eine Finanzierung vorgesehen sei. Während man an Hallen und Schulsanierungen spare, sei die Reaktivierung der Bahnlinie ein sehr teures Unterfangen, brachte Thilo Frizenschaf nochmals deutlich seine Meinung zum Ausdruck.

Projekte nicht aufrechnen

Allerdings dürfe man nicht Bahn und Schulen gegeneinander aufrechnen, intervenierte Oberbürgermeister Roland Tralmer und wies darauf hin, dass die Verhandlungen auf Landkreisebene mit der SWEG derzeit liefen und alles andere höchst spekulativ sei. Welche Kosten genau auf die Kommune zukommen, wisse man noch nicht detailliert, so Tralmer. In einer der nächsten Sitzungen des Gemeinderats – und definitiv noch vor der Konstituierung des neuen Gremiums nach der Wahl – werde der Verband die Räte nochmals umfangreich informieren.

Ausschussmitglied Martin Frohme (SPD) merkte an: „Das war im Kreistag. Der point of no return ist schon überschritten.“ Und Lambert Maute (CDU) warnte vor derlei Überlegungen: „Die Bahnstrecke fällt zurück nach Albstadt, wenn es keine Bahn gibt. Dann müssen wir uns selbst um marode Brückenbauwerke kümmern und wie diese saniert werden.“ Ein weiteres Argument pro Bahn lieferte Uli Mezger von den Freien Wählern: „Eine Elektrifizierung der Strecke bis nach Albstadt ist für uns wichtig. Wir sollten am besten die Füße stillhalten.“

Vieles ist Spekulation

Die weitere Diskussion wurde denn auch mit den Informationen von Oberbürgermeister Tralmer, dass das Projekt laufe und vieles einfach spekulativ sei, und vom Ersten Bürgermeister Udo Hollauer, dass die Umfeldmaßnahmen mit 6,5 Millionen Euro eingeplant seien, beendet.

Erst diesen Monat hat der Technische Ausschuss des Kreistages ein klares Zeichen gesetzt und die Südwestdeutsche Landesverkehrs GmbH (SWEG) mit ihrer Tochtergesellschaft SSG (SWEG Schienenwege GmbH), die lange Zeit unter dem Namen Hohenzollerische Landesbahn bekannt war und viel Erfahrung im Schienenverkehr hat, mit ins Boot geholt. An der Planung der Talgangbahn sind also inzwischen der Zollernalbkreis, der Zweckverband Regionalstadtbahn Neckar-Alb, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Albstadt und die SSG beteiligt.

Projekt Talgangbahn kurz zusammengefasst

Die Reaktivierung der Talgangbahn, die im Jahr 1998 stillgelegt wurde, sieht vor, dass die gesamte Strecke zwischen Onstmettingen und Ebingen über Tailfingen und Truchtelfingen wieder befahren wird. Die Strecke von 8,2 Kilometer soll komplett elektrifiziert werden. Es wird neun neue Haltestationen geben, wovon zwei Kreuzungsbahnhöfe sind. In jede Richtung sind derzeit zwei Fahrten pro Stunde geplant.

Durch die Verzahnung mit der RegioStadtbahn Neckar-Alb werden die Albstädter Ortsteile Tailfingen, Truchtelfingen und Onstmettingen über den Regionalverkehr auch direkt mit Balingen und Tübingen verbunden sein.

Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH (SWEG) wird laut Beschluss im Kreistag über ihre Tochtergesellschaft SWEG Schienenwege GmbH (SSG) als Zuwendungsempfängerin die Planungs- und Baukosten abrechnen. Falls man Zuwendungen vom sogenannten Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz erhält, dann läuft die Finanzierung zu 73,2 Prozent vom Bund, zu 13,2 Prozent vom Land, und den Rest teilen sich der Zollernalbkreis (78,1 Prozent) sowie die Landkreise Reutlingen und Tübingen.

Ab 2026 geht es in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, im Jahr 2028 ist die Planfeststellung.

Ab dem Jahr 2030 könnte die Talgangbahn endlich rollen.

6,5

Millionen Euro hat die Stadt Albstadt vorsorglich für die Umfeldmaßnahmen zur Talgangbahn bis zum Jahr 2033 eingeplant. Es müssen nicht nur Parkplätze angelegt werden.