Streit um Feuerwehrfahrzeug in Stetten a.k.M.
: Wirft der Kommandant den Job hin?

Weil die Abteilung Frohnstetten eigentlich ein anderes neues Fahrzeug will, als im Feuerwehrbedarfsplan vorgesehen ist, eskaliert die Lage im Stettener Gemeinderat.
Von
Gerhard Feuerstein
Stetten am kalten Markt
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Das aktuelle Einsatzfahrzeug der Frohnstetter Abteilung, ein LF 16/16 mit Baujahr 1991, soll laut Feuerwehrbedarfsplan im Jahr 2028 ersetzt werden.

Das aktuelle Einsatzfahrzeug der Frohnstetter Abteilung, ein LF 16/16 mit Baujahr 1991, soll laut Feuerwehrbedarfsplan im Jahr 2028 ersetzt werden.

Gerhard Feuerstein
  • Streit im Gemeinderat Stetten a.k.M. um neues Feuerwehrfahrzeug für Frohnstetten eskaliert.
  • Frohnstettens Kommandant Hahn fordert statt TSF-W ein größeres, gebrauchtes LF 16.
  • Feuerwehrkommandant Straub kündigt Rücktritt und Austritt aus der Feuerwehr an.
  • Bürgermeister Lehn stoppt Beschlussvorschlag, fordert neue Lösung mit passender Fahrzeuggröße.
  • Straub gibt nach 30 Jahren Amt und Feuerwehrarbeit endgültig auf.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die geplante Bestellung eines neuen Einsatzfahrzeuges vom Typ TSF-W (Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank) für die Freiwillige Feuerwehr der Abteilung Frohnstetten eskalierte jüngst bei der öffentlichen Sitzung des Stettener Gemeinderats zum Streit auf offener Bühne, in dessen Verlauf Feuerwehrkommandant Thomas Straub ankündigte, bei der Wahl am 7. März 2026 nicht mehr anzutreten, und „aus persönlichen Gründen ganz aus der Feuerwehr auszutreten“.

Was im Vorfeld nach einer reinen Formalie aussah, entwickelte sich zu einem gut 45-minütigen Streitgespräch mit offenem Ausgang. Hintergrund war die bereits im Juli 2023 im Feuerwehrbedarfsplan beschlossene Beschaffung eines neuen TSF-W für die Abteilung Frohnstetten, die bis zum Jahr 2028 zur Umsetzung kommen sollte. Nachdem das Land Baden-Württemberg für 2026 erstmals eine Sammelausschreibung für Feuerwehrfahrzeuge des Typs TSF-W plant, lag es für Feuerwehrführung und Verwaltung nahe, vom Gemeinderat die Zustimmung zur Bestellung eines neuen Wagens für Frohnstetten einzuholen und gleichfalls einen Zuschussantrag zu stellen. Zumal bei Beteiligung an der Sammelausschreibung statt 80.000 Euro „ein erhöhter Zuschuss von 108.000 Euro gewährt“ werde, wie Bürgermeister Maik Lehn eingangs hervorhob.

Einlassungen von Benedikt Hahn

Doch da hatte er die Rechnung offenbar noch ohne die Einlassungen von Frohnstettens Kommandant Benedikt Hahn gemacht. Zwar sei die geplante Beschaffungsmaßnahme „mit der Feuerwehrführung Frohnstetten abgestimmt“, wie in der Sitzungsvorlage schriftlich fixiert war. Doch ging aus Hahns Ausführungen hervor, dass er und seine Abteilung sich statt eines TSF-W vielmehr ein größeres, „natürlich gebrauchtes“ Fahrzeug vom Typ LF 16 wünschten, wie es derzeit in der Abteilung mit Baujahr 1991 noch vorhanden ist. Nach Hahns Auffassung könne dadurch viel Geld gespart werden. Er rechne mit Kosten von 50.000 bis 100.000 Euro, mit denen man dann „wieder super aufgestellt“ sei: „Das Einzige, was das neue Fahrzeug bei uns kriegt, sind Standschäden“, sagte Hahn. Man habe wenige Proben und Einsätze, aber wenn es gelte, sei man mit dem größeren Fahrzeug „deutlich besser gewappnet“.

Sichtlich angefasst erläuterte Gesamtkommandant Thomas Straub die Hintergründe, die bereits bei der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplanes zur einvernehmlichen Entscheidung geführt hätten, für Frohnstetten den Kauf eines neuen TSF-W vorzusehen. Und entgegen den Absprachen zur heutigen Sitzung sei er nun „schon wieder vor den Kopf gestoßen“ worden, zeigte sich Straub von seinen Kameraden enttäuscht, und machte deutlich, dass ihn dies – in Verbindung mit andern Vorkommnissen – dazu bringe, nicht wieder für sein wichtiges Amt zu kandidieren und schließlich gar „ganz aus der Feuerwehr auszutreten“.

Zoff um den Bedarfsplan

Diese Ankündigung saß. Derweil ging die Diskussion weiter und gipfelte unter anderem in Hahns Vorwürfen, dass hinsichtlich der personellen und infrastrukturellen Voraussetzungen „mit zweierlei Maß“ gemessen werde: „Man muss die Kirche im Dorf lassen“, spielte er auf die „angeblich zu kleine Garage in Frohnstetten“ an und fragte: „Wie sieht's in Stetten aus?“ Dem Gremium empfahl er, in der kommenden Woche an der geplanten Info-Veranstaltung des Landes zur gemeinsamen Beschaffung von TSF-W-Fahrzeugen teilzunehmen, Gelder in den Haushalt einzustellen und parallel nach geeigneten Gebrauchtfahrzeugen Ausschau zu halten, mit denen seine Mannschaft zufrieden sei. Dann könne man im Gremium zur Abstimmung stellen, was finanziell auf die Gemeinde zukomme: „Günstiger fahrt ihr mit uns“, prophezeite Hahn.

Für Bürgermeister Maik Lehn „war klar“, dass der Feuerwehrbedarfsplan „gemeinsam mit dem Ausschuss und den Abteilungen erarbeitet“ worden sei, was Hahn sofort wieder in Abrede stelle: „Sie waren dabei“, sagte Lehn, was Hahn mit „ich war nicht dabei“ konterte: „Dann klärt ihr das intern“, zog sich Lehn aus der Verantwortung und gab seiner „Überraschung“ Ausdruck, dass man „jetzt vor einer ganz neuen Situation“ stehe. Bis kurz vor der Sitzung sei klar gewesen, dass alles mit Frohnstetten abgestimmt sei: „Wenn es jetzt andere Lösungen gibt, mit denen alle leben können, sind wir als Verwaltung die Letzten, die Gelder gerne ausgeben wollen“, so Lehn.

Frohnstetten will das Auto nicht

Gemeinderat Bruno Pozzi brachte es auf den Punkt, was wohl die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen empfanden: „Die Frohnstetter wollen dieses Auto nicht“, hielt er fest. Und wohl niemand im Gremium stimme dem Kauf eines Fahrzeuges zu, das die Einsatzkräfte nicht wollten. Johannes Hahn bedauerte, dass die Diskussion im Gremium geführt werden musste und empfahl, sich künftig innerhalb der Feuerwehr besser abzustimmen: „Im Vorfeld war alles geklärt“, macht Hauptamtsleiter Peter Greveler deutlich. Jetzt käme halt eine andere Meinung, weswegen er Kommandant Thomas Straub verstehe, der „gefrustet“ sei. Letztlich erklärte Lehn den Beschlussvorschlag der Verwaltung für obsolet. Er werde nun den Kreisbrandmeister über die neue Situation informieren. Die Abteilung Frohnstetten solle in Richtung LF 10 oder LF 16 recherchieren, wobei die klare Vorgabe gelte, dass „das Fahrzeug in die vorhandene Garage“ passe. Mit dem entsprechenden Ergebnis werde man dann wieder ins Gremium kommen.

Thomas Straub macht Ernst

Wie Kommandant Thomas Straub im Nachgang zur Sitzung gegenüber unserer Zeitung erklärte, habe er am Tag nach der Sitzung bei Bürgermeister Maik Lehn um Abberufung von seinem Amt zum 30. September gebeten. Er werde seine Kleidung und Unterlagen in den kommenden Tagen bei der Gemeinde und der Feuerwehr abgeben: „Damit hat sich für mich das Thema Feuerwehr endgültig erledigt“, sagte Straub, der in den vergangenen 30 Jahren viel Herzblut in die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr investiert hat.