Straßenhunde in Rumänien
: „Ich lasse ein Stück Herz bei den Tieren“

Die Albstädterin Marion Probst reist nun schon zum achten Mal ins rumänische Sighetu. Dort kümmert sie sich um Straßenhunde im staatlichen Shelter und vermittelt sie.
Von
Vera Bender
Zollernalbkreis/Albstadt
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Wer wird bei solch süßen Welpen nicht schwach? Marion Probst hat schon über 40 Hunde nach Deutschland vermittelt.

Wer wird bei solch süßen Welpen nicht schwach? Marion Probst hat schon über 40 Hunde nach Deutschland vermittelt.

Marion Probst
  • Marion Probst hilft rumänischen Straßenhunden im staatlichen Shelter in Sighetu – inzwischen zum 8. Mal.
  • Hunde leben teils unter katastrophalen Bedingungen: kaum Platz, kein Auslauf, extreme Hitze.
  • Über 40 Hunde hat sie nach Deutschland vermittelt, 220 Tiere brauchen aktuell dringend Hilfe.
  • Kastrationskampagnen könnten die Straßenhund-Population reduzieren – Kosten: 35 Euro pro Tier.
  • Spenden und Adoptionen sind dringend nötig – Kontakt über Telefon oder Facebook möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was Marion Probst erzählt, lässt einen schauern, selbst wenn man kein Tierfreund sein sollte. Hunde, die jahrelang hinter Gittern sitzen, die höchsten zwei Quadratmeter Raum haben, ständig unter Durchfall leiden und der Sonne ausgesetzt sind. Es ist ein Bild, das man gerne verdrängen möchte. Ganz nach dem Motto: „Es betrifft mich ja nicht und ich kann auch nicht die ganze Welt retten.“

Die ganze Welt sicher nicht. Aber vielleicht ein einziges Lebewesen. Schon streichen zwei Hunde in dem Blockhaus in Albstadt-Pfeffingen um die Beine der Frau. Als ob sie wüssten, worum es geht. Es sind die beiden Vierbeiner von Michael Maier, der mal wieder auf Hilfstour mit medizinischen Gütern unterwegs ist – zur Front in der Ukraine. Und dort begann irgendwie auch alles. Als Marion Probst ihren Sohn im März 2022 bei seinem ersten Hilfstransport begleitete, ging es nicht um irgendwelche Straßenhunde. Der Angriffskrieg in der Ukraine brachte viel Leid mit sich und Michael Maier wollte den Menschen helfen, packte den Transporter mit Hilfsgütern voll und fuhr los. Damals war in Rumänien, an der Grenze zur Ukraine, aber erst einmal Schluss. Weiter kam er nicht.

Durch Zufall dazu gekommen

In Rumänien verständigte sich das Mutter-Sohn-Duo quasi mit Händen und Füßen, denn wer kann schon rumänisch, ukrainisch oder russisch? Irgendwann durfte Michael Maier, der bis dato bereits unzählige Hilfstransporte gestartet und sich ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut hatte, dann auch in die Ukraine und inzwischen sogar bis an die Front. Dort werden Verbandsmaterial und Medikamente besonders dringend gebraucht. Mutter Marion Probst blieb beim ersten Mal lieber in Rumänien, damit ihr Sohn nicht auch noch auf sie aufpassen müsse. Und dort stieß sie in Sighetu auf den Shelter, eine staatliche Tierunterkunft.

Im staatlichen Tierheim in der rumänischen Stadt Sighetu musste zunächst viel repariert und gesäubert werden.

Im staatlichen Tierheim in der rumänischen Stadt Sighetu musste zunächst viel repariert und gesäubert werden.

Marion Probst

Marion Probst, die einen eigenen Hund besitzt und sich schon in Deutschland immer für den Tierschutz eingesetzt hat, konnte gar nicht anders, als die Not der Tiere vor Ort etwas zu lindern. Das Elend im Shelter in Sighetu hat sie nicht mehr losgelassen. Sie hat mit angepackt, hat gespendet, hat sich vernetzt. Seit 2023 verbringt sie ihren gesamten Jahresurlaub in Rumänien und ackert für ein besseres Hundeleben der Vierbeiner. Am 17. Juli fliegt sie wieder dorthin. Es wird dann ihre achte Tour sein und sicher nicht die letzte. Denn gemeinsam mit Ehrenamtlichen vor Ort und mit Freunden aus der Heimat hat sie schon viel Positives bewirken können. „Ich lasse immer ein Stück Herz dort“, so die Tierschützerin.

Trostlose Situation der Hunde

Es treibt einem regelrecht die Tränen in die Augen, wenn Marion Probst von den rumänischen Straßenhunden berichtet. Die Menschen dort, die selbst in Armut leben, haben oft Hunde. Diese werden im Hof angekettet. Kastration? Fehlanzeige. Das kostet zu viel Geld. Futter? Kostet auch Geld. Da lässt man lieber am Abend das zwei Meter hohe Tor einen Spalt auf und den Hund von der Kette. Was dann geschieht, kann man sich vorstellen. Vorausgesetzt, man will es sich vorstellen. Die Hunde suchen sich ihre Nahrung zwischen all dem Müll, der ohnehin überall herumliegt. Und die Hündinnen? „Läufige Hündinnen werden in der Nacht oft von bis zu fünf Rüden bestiegen“, weiß Marion Probst. Und dann gibt es eben noch mehr Hunde – Straßenhunde, die niemandem gehören. Sie werden von Hundefängern, die pro Tier rund 50 Euro aus EU-Mitteln erhalten, aufgegriffen und in den Sheltern abgegeben. „Dabei kostet es nur 35 Euro, einen Rüden zu kastrieren“, versteht Marion Probst die Einstellung der Behörden nicht. Etwa 100 Straßenhunde gibt es in dem 35.000-Einwohner-Ort.

Von Marion Probst gibt es zur Begrüßung Schinkenwurst für alle im Shelter in Sighedu in Rumänien.

Von Marion Probst gibt es zur Begrüßung Schinkenwurst für alle im Shelter in Sighetu in Rumänien.

Marion Probst

Und dann sitzen die Mischlingshunde hinter ihren Gittern, freuen sich, wenn mal jemand vorbeikommt und lecken dankbar die Hand. Denn ihr Leben ist trist. Meist sind mehrere Tiere in einem Gatter zusammengepfercht. Dann bleibt pro Hund etwa ein Quadratmeter und es herrscht eine strikte Rangordnung. Auslauf? Fehlanzeige. Ihre Notdurft müssen die Vierbeiner wohl oder übel in ihrer Unterkunft verrichten. Da landet dann auch manches zwangsläufig im Wasser- oder Futternapf.

Jetzt im Sommer herrschen Temperaturen von teilweise über 40 Grad Celsius und die Hunde liegen auf dem nackten Asphalt oder auf Betonboden, der sich entsprechend aufheizt. Ein schützendes Dach gibt es nicht. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel direkt auf den Pelz. „Viele Hunde haben noch nie Erde oder Gras unter ihren Pfoten gespürt. Manche trauen sich auch gar nicht mehr aus ihrem Gefängnis, da sie nie heraus durften“, berichtet Marion Probst von den Zuständen im Shelter.

Ein anderes Verständnis von Tierschutz

Den staatlichen Mitarbeitern ist das alles ziemlich egal. Sie sind unterbezahlt und überfordert. Wie gut, dass es vor Ort rumänische Ehrenamtliche gibt, die sich einsetzen: fünf Frauen und ein junger Mann – und die Helfer aus Deutschland, die für grundsätzliche Veränderungen sorgen. Die sind allerdings nur geduldet. Nur weil es Ehrenamtliche gibt, dürfen die Hunde trotzdem nicht aus ihren Gefängnissen.

Marion Probst hat schon tonnenweise Zement angerührt. Die Löcher mussten gestopft werden, damit nicht mehr so viele Ratten in die Käfige kommen. Dann hat sie Edelmetallnäpfe angeschafft. Die kann man nicht zerbeißen und wenn alle von derselben Sorte sind, dann kann man sie auch stapeln und hat es leichter bei der Reinigung. Es wurde gestrichen und repariert. Ganz aktuell ist Marion Probst an ihrem nächsten Projekt. Sie montiert Wandhalterungen für die Näpfe. Dann kann man sie nicht so schnell umkippen und es landet nicht mehr alles Mögliche drin, was dort nicht hingehört.

Überhaupt war eine der ersten Aktionen der Deutschen, Regale aufzubauen, Ordnung in die Abläufe zu bringen und das Leben von Helfern und Tieren zu erleichtern. Schon im Jahr 2023 hat Marion Probst erst einmal 800 Euro investiert, um eine Tonne Hundefutter zu kaufen. Das ist in Rumänien natürlich billiger als in Deutschland. Und der Transport würde ja noch zusätzlich kosten. Wenn sie kommt, gibt es erst einmal kiloweise Schinkenwurst, die sie für alle Vierbeiner klein schnippelt. Quasi als Begrüßungsgeschenk. Und momentan gibt es sehr viele Hunde im Shelter in Sighetu: 50 Welpen und 170 erwachsene Hunde, die älter als ein Jahr sind.

Die Freude bei den Hunden ist groß, wenn Marion Probst sie in gute Hände vermittelt. Endlich ein Leben in Freiheit.

Die Freude bei den Hunden ist groß, wenn Marion Probst sie in gute Hände vermittelt. Endlich ein Leben in Freiheit.

Marion Probst

Eine Hündin mit acht Welpen sitzt gerade in einer Faltbox, aus der sie nur eine Stunde am Tag herauskommt, wie Marion Probst erzählt. Nämlich dann, wenn die Box von den Hinterlassenschaften der Kleinen gereinigt wird. Erst dann kann auch die Hündin ihre Notdurft verrichten. „Es ist ein Drama“, berichtet die Deutsche, die sich auf den nächsten Besuch vorbereitet. Natürlich ist es das Ziel, die Hunde zu vermitteln. Rund 40 Mischlinge konnte sie bislang schon in gute Hände geben. Und sie bleibt Ansprechpartnerin für die neue Hundefamilie, solange es diese will. Die Hunde sind sehr sozial und danken es den neuen Herrchen und Frauchen, wenn sie aus ihrem Elend befreit werden. In einem Video auf Probsts Facebookkanal sieht man einen Hund wie ein Pferd durch die Wiesen rennen, so viel Freude hat er an der neu gewonnenen Freiheit.

Marion Probst ruft einerseits dazu auf, einen Hund – gerne auch einen Welpen – bei sich aufzunehmen und ihm ein neues Zuhause zu bieten, andererseits mit Spendengeldern für das Tierwohl zu sorgen. Sie hat selbst schon viel von ihren eigenen Ersparnissen in ein besseres Dasein für die ehemaligen Straßenhunde gesteckt. Helfen würde es, wenn man mal eine zweitägige Kastrationsaktion durchführen könnte. So könnten gleich mal hundert Rüden daran gehindert werden, ständig für neue Straßenhunde zu sorgen. Aber dafür braucht es Geld: 100 mal 35 Euro. Dann könnte man ein Team buchen.

Weitere Informationen zu den Straßenhunden

Wer mehr Informationen braucht und Hilfe anbieten möchte, erreicht Marion Probst aus Pfeffingen unter Telefon (0176) 96237715 oder auf Facebook. Momentan gibt es im Shelter in Sighetu 50 Welpen und 170 erwachsene Hunde, die dringend Hilfe benötigen oder ein neues Zuhause suchen.