Ortschaftsrat Benzingen
: Solarpark könnte 2028 in Betrieb gehen

In der jüngsten Sitzung des Benzinger Ortschaftsrats informierte Jonas Besseler, Projektleiter der Wiesbandener Firma „ABO-Energy“, über den geplanten Solarpark, der auf der Gemarkung Winterlingen im Bereich Benzingen entstehen soll.
Von
Susanne Grimm
Winterlingen
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Strom aus Sonnenlicht: Auf Erneuerbare Energien wird auch in Falkenhagen gesetzt. Ob der „Solarpark Georgenthal“ an der B5 nun gebaut werden darf, musste der Gemeinderat final entscheiden. Wie ging das Votum aus? (Symbolbild)

ARCHIV - Die Solaranlage der Firma Saferay geht am 24.09.2011 auf dem ehemaligen Tagebaugelände Meuro bei Senftenberg offiziell in Betrieb. Im Kampf gegen den immer häufigeren Diebstahl von Solaranlagen setzen die Stadtwerke Senftenberg auf «künstliche DNA». Als erster Solarparkbetreiber in Deutschland habe sich das Unternehmen für diese Strategie entschieden, teilte ein Sprecher mit.  Foto: Bernd Settnik/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ein Solarpark soll in Benzingen entstehen. (Symbolbild)

Bernd Settnik/dpa

Besseler gab einen Überblick über den aktuellen Stand des Vorhabens. Demnach sind die Pachtverträge mit vier privaten Grundstückseigentümern abgeschlossen, die Kartierung durchgeführt und Netzanschlusspunkte reserviert. Nach Besselers Ausführungen ist die 8,3 Hektar große Potenzialfläche im Bereich von Winterlingens Ortsteil Benzingen im Vorfeld im Rahmen der „4. Änderung des Regionalplans Neckar-Alb und dem Handlungsleitfaden Flächensolarenergie Baden-Württemberg“ ausgewählt worden. Danach sei mit Entscheidungsträgern der Gemeinde und Grundstückseigentümern Kontakt aufgenommen sowie die Stromeinspeisekapazitäten beim zuständigen Netzbetreiber abgestimmt worden.

Der Projektleiter bat die Benzinger Räte um eine Empfehlung bezüglich des Aufstellungsbeschlusses an den Gemeinderat. Das weitere Vorgehen sehe die Durchführung des Bauleitplanverfahrens vor, das in 2026 und 2027 durchgeführt werden könne. Sollte alles so klappen, wie geplant, könnte der Solarpark im Jahr 2028 in Betrieb gehen. Wie Winterlingens Bürgermeister Michael Maier erklärte, habe der Gemeinderat nichts gegen den Solarpark, wolle aber hierzu keine Gemeindeflächen zur Verfügung stellen. Als Gründe nannte er die große Anzahl von Haupterwerbslandwirten, dazu noch einige Landwirte im Nebenerwerb, so dass es eine entsprechende Nachfrage nach bewirtschaftbaren Grünflächen gebe, „die wir alle an heimische Landwirte verpachtet haben“.

Projektleiter Jonas Besseler in der OR-Sitzung Benzingen.

Projektleiter Jonas Besseler in der OR-Sitzung Benzingen.

Susanne Grimm

9,5 Megawatt realistisch

Projektleiter Besseler sagte, dass seine Firma, die das Projekt auch komplett finanziert, Anfang 2024 mit Wissen der Gemeinde auf private Eigentümer zugegangen sei. Vier von ihnen hätten dabei Grundstücke zur Verfügung gestellt. Auf die im Nachgang gestellte Frage, wie viel Strom der künftige Solarpark produzieren wird, sagte Besseler: „Wir müssen erst einmal das Bebauungsplanverfahren starten, erst nach Abschluss können wir dann die genaue Anlagengröße festlegen. Aus heutiger Sicht sind jedoch zirka 9,5 Megawatt Leistung realistisch. Aber das kann sich noch ändern“.

Auch wenn die Gemeinde nicht direkt beteiligt ist, soll sie doch profitieren. Besseler: „Im Erneuerbaren-Energien-Gesetz wird die Möglichkeit geschaffen, eine kommunale Beteiligung an die Standortgemeinde zu bezahlen. Dies ist auch hier in Winterlingen geplant. Dazu kommt, dass 90 Prozent der Gewerbesteuer in der Gemeinde verbleiben wird“. Insofern seien Gemeinden eigentlich immer beteiligt und profitierten so eben auch finanziell. Dazu komme, dass der Ausbau mit Solarparks in ländlichen Regionen immer auch eine Chance darstelle. Der Fachmann warb damit, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe, da auch lokale Unternehmen wie Planungsbüros, Gutachter, Vermesser, Tiefbaufirmen und andere beauftragt werden.

Laufzeit von 30 Jahren

Umwelt- und Klimaschutz profitieren ebenfalls von dem Vorhaben, so Besseler, der das zum Tragen kommende Biodiversitätskonzept vorstellte. So sollen die Flächen von Schafen beweidet werden, bodenfreie Zäune schaffen Rückzugsräume für Kleintiere, lokale Imker können feststehende Bienenstöcke aufstellen, dessen Bestäuber auch der Landwirtschaft nützen. Weiterer Lebensraum könne durch Lesestein- und Totholzhaufen entstehen, die Grundwasserqualität werde durch den Verzicht auf Pestizide und Düngemittel verbessert, was wiederum die Artenvielfalt in der Pflanzen- und Insektenwelt fördere.

Die Laufzeit der Anlage ist auf 30 Jahre angelegt, danach könne sie rückstandsfrei ab- und gegebenenfalls eine neue wiederaufgebaut werden. Eine Rätin aus der Runde fragte skeptisch, ob die Sache denn schon beschlossen sei und dieser Abend eine Alibiveranstaltung sei, um den Vorwurf zu umgehen, man hätte den Ortschaftsrat nicht eingebunden. Sowohl Besseler als auch der Bürgermeister verneinten dies, denn letztlich sei ein Bauleitverfahren Voraussetzung für die Realisierung sowie ein Beschluss des Gemeinderats.