Notfallpraxis in Albstadt: Petition und Resolution

Mal wieder war die Notfallpraxis in Albstadt Thema: Am Montagabend auch im Kreistag des Zollernalbkreises. Eine Resolution sollte verabschiedet werden.
Bernd Weißbrod/dpa- Die Notfallpraxis in Albstadt soll laut KVBW geschlossen werden; 17 weitere Standorte sind bedroht.
- Online-Petitionen und Kreistagsresolutionen setzen sich für den Erhalt ein.
- Bürgermeister und Gesundheitsminister Lucha äußern sich besorgt.
- KVBW verteidigt Pläne wegen knapper Ressourcen und struktureller Herausforderungen.
- Kommunale Gesundheitskonferenz erörtert die Auswirkungen der Schließung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es schlug respektive schlägt noch immer hohe Welle im Zollernalbkreis und darüber hinaus. Die Notfallpraxis in Albstadt soll, wenn es nach der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) geht, dichtgemacht werden. In acht Städten ist dies bereits der Fall. Nun sind 17 weitere Standorte von der Schließung bedroht: darunter eben auch Albstadt. Das hatte diese Tage schon für erhitzte Gemüter gesorgt, zahlreiche politische Lager wie Akteure haben sich zu Wort gemeldet – und im Großen und Ganzen die Pläne der KVBW wortreich gegeißelt. Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer drückte sein „nicht unerhebliches Befremden über die Art und Weise des Vorgehens bei dieser Entscheidungsfindung“ aus.
Rathauschefs melden sich
Auch die Bürgermeister im gesamten Zollernalbkreis meldeten sich über ihren Sprecher Oliver Schmid zu Wort. „Notfallpraxen sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung. Ihre Schließung würde nicht nur die medizinische Versorgung erheblich beeinträchtigen, sondern auch das Vertrauen in das Gesundheitswesen weiter schwinden lassen“, so der Geislinger Rathauschef.
Die Revolte zeigte schließlich zumindest in Teilen Wirkung: Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) äußerte sich persönlich zur Thematik. „Mir ist bewusst, dass die angekündigte Schließung von Bereitschaftspraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg für Unsicherheit in der Bevölkerung sorgt. Es ist bedauerlich, dass in der Debatte nun so viel Unruhe entstanden ist und wider besseren Wissens gezielt Ängste geschürt werden, noch bevor die KVBW überhaupt ihr Konzept im Detail vorgestellt hat.“ Auch als die Pläne dann am Montag präsentiert worden waren, verteidigte der Minister die KVBW und sagt: „Wir müssen ehrlich sein zu den Bürgerinnen und Bürgern und ihnen reinen Wein einschenken: Ohne Veränderungen geht es angesichts knapper werdender personeller und finanzieller Ressourcen nicht. Wenn wir die ambulante Regelversorgung dauerhaft sicherstellen wollen, brauchen wir auch eine Neustrukturierung der Bereitschaftsdienste.“
Petition im Netz der SPD
Doch herrscht jetzt Ruhe im Karton? Mitnichten. Denn schon zu Beginn der laufenden Woche waren neue Impulse rund um das Thema Notfallpraxis Albstadt zu registrieren. Die SPD kam mit einer Petition um die Ecke, wendet sich so an die Öffentlichkeit. „Wir als SPD Zollernalb haben mit unserem Stadtverband Albstadt, dem OV Meßstetten und dem OV Balingen eine Online-Petition für unsere Albstädter Notfallpraxis gestartet. Wir wollten nicht bis zur Verkündigung der Entscheidung warten, sondern schneller aktiv werden“, schreibt die Chefin der Kreis-Sozialdemokraten Katja Weiger-Schick in einer Mail an die SÜDWEST PRESSE. In der Petition selbst, die auf der Plattform change.org zu finden ist, setzt sich die SPD dafür ein, dass die Albstädter Notfallpraxis geöffnet bleibt. Denn „sie ist Anlaufstelle für unsere gesamte Raumschaft“, wie es in der Petition heißt.
Die KVBW müsse die Pläne aufgeben, 30 Prozent der Notfallpraxen „gegenüber dem Stand vom vergangenen Sommer“ zu schließen, ist dort weiter zu lesen. Minister Luche müsse „notfalls als Landesaufsicht über die KVBW einschreiten und den Fortbestand unserer Notfallpraxis sicherstellen“, so die Forderung. Aktuell (am späten Montagabend) hat die Petition 135 Unterzeichner. Die Chancen dafür stehen eher schlecht, betitelte Lucha doch die Pläne der KVBW als „richtig und zukunftsweisend“. Trotzdem wird die Vereinigung in die Pflicht genommen: Das telemedizinische Angebot müsse ausgebaut, die Erreichbarkeit der Bereitschaftsnummer 116 117 optimiert werden.
Resolution im Kreistag
Auch am Abend im Kreistag des Zollernalbkreises drehte es sich um die Notfallpraxis. Die CDU-Fraktion hatte noch am Vormittag eine Resoultion herausgegeben und um deren Behandlung am Abend gebeten. Sinn und Zweck: Der Landkreis samt Landrat solle sich für den Erhalt der Notfallpraxis einsetzen. Wie Bernhard Rewes erklärte, seien die Praxen unverzichtbar, gerade in einem flächigen Kreis wie dem Zollernalbkreis, wo zudem noch der ÖPNV hinke. Der „wohnortnahe Zugang zur Notfallversorgung“ sei entscheidend, so Rewes. Die Zusammenhänge seien komplex, der Druck nehme dadurch auf bestehende Praxen und die Notaufnahmen der Krankenhäuser sicher weiter zu. Schon jetzt seien Fahrdienste reduziert und die Öffnungszeiten der Wochenend-Notfallpraxen reduziert worden, klagte der CDU-Mann.
Die Christdemokraten forderten daher in ihrer Resolution, dass sich „der Kreistag des Zollernalbkreises für den Erhalt der Notfallpraxen in Albstadt und Balingen einsetzt“. Selbiges solle der Landrat auch tun. Aber genau das tut Günther-Martin Pauli schon, wie er im Vorfeld des Antrags erklärte, gemeinsam mit anderen Kreischefs hat er ein entsprechendes Schreiben an den Gesundheitsminister gesendet. Pauli zur drohenden Schließung: „Das trifft uns schmerzhaft und stößt nirgends auf Begeisterung.“ Gleichwohl gebe es schon viele andere Landkreise, die bereits seit Langem nur eine Notfallpraxis hätten. Jetzt treffe es eben auch den Zollernalbkreis.
Wunder unwahrscheinlich
Doch alles Aufbäumen scheint wohl zwecklos. Das wurde eigentlich schon am Vormittag klar, als die KVBW mit einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit ging. Schon dort taucht die Notfallpraxis in Albstadt nicht mehr auf, lediglich der Standort in Balingen bleibt erhalten, ist dort zu lesen. Der Vorstandsvorsitzende der KVBW, Karsten Braun, erläuterte die Gründe, warum die KVBW den Bereitschaftsdienst neu strukturiert: „Wir stehen vor gravierenden Herausforderungen in der ambulanten Versorgung.“ Eine Renteneintrittswelle stehe bei den Ärzten bevor, eine Nachfolge sei selten gesichert. Braun warnte in der Pressmeldung: „Wir müssen die Regelversorgung stabilisieren. Wenn wir heute nicht tätig werden, werden unsere Probleme noch größer. Das betrifft dann vor allem den ländlichen Raum.“ Und damit eben genau auch den Zollernalbkreis. Hier wird man sich wohl mit künftig nur noch einer Notfallpraxis anfreunden müssen, auch wenn der Kreistag mit überwältigender Mehrheit die Resolution der CDU verabschiedete. Landrat Pauli teilte alle Bedenken und Argumente, musste aber nüchtern feststellen: „Wunder können wir auch nicht bewirken.“ Die Notfallpraxen, deren Aus wohl besiegelt ist, sollen laut KVBW im Verlauf 2025/2026 geschlossen werden. Wann in Albstadt Schluss ist, ist noch unklar.
Die Auswirkungen erörtern
Welche Effekte und Auswirkungen die Schließung der Notfallpraxis in Albstadt auf die Gesundheitsversorgung im Zollernalbkreis hat, ist noch unklar. Dieser Frage wird aber nachgegangen, wie Landrat Günther-Martin Pauli erläuterte. „Am kommenden Mittwoch werden wir in einer kurzfristig einberufenen Kommunalen Gesundheitskonferenz im Zollernalb Klinikum in Balingen, gemeinsam mit den beiden Oberbürgermeistern Dirk Abel und Roland Tralmer und dem Vorsitzenden des Gemeindetages Bürgermeister Oliver Schmid, dem DRK und Vertretern der Ärzteschaft, uns intensiv mit den Auswirkungen auseinandersetzen“, so der Landrat in der Sitzung des Kreistages.
