Neues Café in Albstadt: Café Herzstück soll „Wohnzimmer der Öffentlichkeit“ werden

Madlen Drehers Traum ist es, ein Café in Albstadt zu eröffnen. Aber nicht ein gewöhnliches, sondern ein soziales Gemeinschaftscafé. Dafür sammelt sie derzeit Spenden.⇥
Rena WeissEin eigenes Café eröffnen. Diesen Traum haben wahrscheinlich viele. Bei den derzeitigen Immobilien- und Mietpreisen müssen jedoch ganz schön viel Kaffee und Kuchen verkauft werden, damit daraus ein rentables Geschäft wird. Was macht also jemand, der nach eigenen Aussagen gar nicht auf Gewinn aus ist, sondern die Gemeinschaft fördern und deswegen ein Angebot für jeden Geldbeutel bieten möchte?
Für den kleinen Geldbeutel
Diese Frage musste sich Madlen Dreher stellen, als ihr im September die Idee zum „Café Herzstück – ein Gemeinschafts- und Kulturcafé“ kam. „Ich wollte ursprünglich Tanzkurse anbieten, damit Kinder und Jugendliche eine Anlaufstelle haben und von der Straße kommen“, sagt die Albstädterin. Dreher ist selbst, seit sie denken kann, leidenschaftliche Tänzerin. Neben der körperlichen Tätigkeit fördert Tanzen und das Lernen von Choreografien auch die geistige Entwicklung.
Als Mutter von drei Kindern wisse sie jedoch, wie schnell ein dreistelliger Betrag für derartige Kurse für eine Familie zusammenkommen können. „Nicht jeder kann sich das leisten, heutzutage immer weniger Menschen und Familien.“ Das findet allerdings meist im Geheimen statt, „arm“, möchte keiner öffentlich sein. Diesem Stigma sagt Madlen Dreher den Kampf an, und zwar mit selbstgebackenem Kuchen.
„Die Gesellschaft schließt Geringverdiener aus“
„Ich möchte ein Café für alle eröffnen, egal wie groß der Geldbeutel ist.“ Letztlich aber sollen die angebotenen Waren und Tanzkurse für Menschen mit geringem Einkommen bezahlbar sein. „Die Gesellschaft schließt Geringverdiener aus“, sagt Dreher, „das ist vielen gar nicht bewusst.“
Mit Absicht geschieht dies meist nicht: Ein Gastronom muss gewisse Preise verlangen, damit sein Unternehmen überlebt, so Dreher. Für Geringverdiener ist ein Besuch in einer Gaststätte damit allerdings nicht finanzierbar oder nur mit Verzicht. Sie ist überzeugt davon, dass die Zahl derer, die sich solche Aktivitäten nicht mehr leisten können, zugenommen hat und weiter zunimmt, betrachtet man die derzeitige Wirtschaftslage.
Im Café Herzstück gibt es auch für sie die Möglichkeit, sich ein Stück Kuchen und Kaffee zu leisten, während das Kleinkind im Kinderbereich spielt, die Mutter sich mit anderen Müttern austauscht und der Teenager einen Tanz einstudiert. Es soll ein „Wohnzimmer der Öffentlichkeit“ werden, so Drehers Vorstellung.
Zufluchtsort für alle Gesellschaftsschichten
Kein gewerbliches Café also, sondern ein Sozialcafé, das diesen Namen jedoch nicht tragen wird. „Keiner möchte in einem Sozialcafé gesehen werden und das Thema des Dorftratsch werden, sondern das Bild nach außen bewahren“, sagt die Albstädterin und ergänzt: „Bei uns ist es egal, wie du bist, woher du kommst und was du verdienst.“ Denn oft, so die Albstädterin, entscheidet letzteres über die Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten. In ihrem Café werden Besucher nicht aufgrund fehlenden Geldes ausgeschlossen. Ein solcher Raum werde benötigt, ist sie überzeugt.
Wenn Madlen Dreher von „wir“ und „uns“ spricht, meint sie ihren Mann und ihre drei Kinder. Denn ohne die Unterstützung ihrer Familie wäre das Projekt Café Herzstück nicht machbar, betont sie, schließlich arbeiten sowohl ihr Mann als auch sie Vollzeit und wollen das Café nebenher betreiben. „Mein Mann ist für die Finanzen zuständig und ich eher fürs Kreative.“
Auf lange Sicht kann das jedoch nicht so bleiben. Denn obwohl die beiden sehr viel Zeit, Energie und Geld in das Projekt gesteckt haben, fehlt es am nötigen Kleingeld, um einen passenden Raum zu mieten. Bis vor Kurzem richtete die Familie Räumlichkeiten in Ebingen ein. Eine Eröffnung war für Anfang Februar geplant, doch es scheiterte an der Kaution. Jetzt ist Familie Dreher erneut auf Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.
Etwa 80 Quadratmeter sollen es sein. Eine separate Toilette, warmes Wasser und eine Küche wären ideal. „Eine kleine Teeküche reicht uns auch“, sagt Dreher. Dann müsse man das Angebot anpassen. Die Dreifachmutter hat viele Jahre in der Gastro gearbeitet und kennt die Auflagen der Gesundheitsbehörde. In ihrem Café soll alles seine Richtigkeit haben. Idealerweise gibt es eine solche Immobilie in Ebingen, dort ist die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten.
500 Euro Warmmiete
Während die Anforderungen also klein sind, sollte der Preis es auch sein. „Unser Maximum liegt zwischen 500 und 600 Euro warm. Allerdings muss ich bei 600 Euro wahrscheinlich 200 Euro aus eigener Kasse hinzusteuern.“ Geld, dass der eigenen Familie fehlen würde. Deswegen ist Dreher auf der Suche nach einem Vermieter mit Herz, wie sie es beschreibt.
Unterstützung erhofft sie sich unter anderem auch von Unternehmen, die als Sponsoren dienen und so das Café unabhängiger von schwankenden Einnahmen werden. „Es ist ganz klar, dass wir unsere Rechnungen bezahlen werden. Wir zahlen unsere Miete“, betont Dreher.
Mit der Stadt war sie ebenfalls bereits in Kontakt. Die Räume im neu entstandenen „Kulturm“ hatte man ihr angeboten, allerdings nicht dauerhaft. Für Dreher ist jedoch klar, ihre Idee soll keine Eintagsfliege werden. Deswegen verteilt sie mittlerweile Flyer mit weiteren Informationen, spricht mit Firmen, bietet, wo sie kann Kuchenverkäufe an und sammelt über „GoFundMe“ Spenden für ihr „Herzstück“. Denn, so sagt sie: „Wenn dir Steine in den Weg gelegt werden, nutze sie, um dir eine Treppe für dein Ziel zu bauen.“
Info Unterstützer und Immobilienbesitzer erreichen Madlen Dreher telefonisch unter (01525) 6 29 16 00.
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Tausend Euro ist derzeit das Spendenziel von Madlen Dreher. Damit hofft sie, die Kaution für eine mögliche neue Immobilie bezahlen zu können. Spenden fürs „Café Herzstück – Sozial- und Kulturcafé Albstadt“ sammelt sie über die Homepage www.gofundme.com.
