Museum in Winterlingen
: Bäcker Karl-Heinz Sauter ist dem Süßen auf der Spur

Mehr als 20 Jahre schon sammelt der Harthausener Bäcker Karl-Heinz Sauter Werkzeuge seines Berufsstands. Sein Museum zeugt von der Produktion beinahe vergessener Köstlichkeiten.
Von
Karl-Otto Gauggel
Winterlingen
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Dieser alte Ofen gehört zu den besonderen Raritäten des Museums. Sohn Dieter Sauter hat denselben Beruf des Vaters ergriffen und leitet den Bäckerbetrieb in vierter Generation.⇥

Karl-Otto Gauggel

Vieles, was Seniorchef Karl-Heinz Sauter im Laufe mehrerer Jahrzehnte im Wohnhaus seiner Eltern direkt neben der Bäckerei mit angeschlossenem Tante-Emma-Laden und kleinem Café in Harthausen zusammengetragen hat, wäre sicherlich auch etwas für die Fernsehsendung „Bares für Rares“ und könnte dort hohe Preise erzielen. Doch daran denken Karl-Heinz Sauter und dessen Sohn Dieter überhaupt nicht. Seit zwei Jahren führt der Dieter Sauter das 1889 von Valentin Endriss gegründete Unternehmen in mittlerweile vierter Generation.

Sammlung wächst

Im Gegenteil: Auf Trödelmärkten, Antikmessen oder auch bei anderen privaten Sammlern wird Karl-Heinz Sauter, der mit seinen 67 Jahren noch lange nicht ans Aufhören denkt und jeden Tag in der Backstube steht, nach wie vor fündig. Und so wächst seine Sammlung beständig weiter. „Anfangs habe ich alles Mögliche gesammelt, sofern es nur alt aussah, und manchmal auch ohne Sinn und Verstand“, erklärt der Seniorchef beim Rundgang lachend.

Vor etwa 20 Jahren sei dann die Idee zur Schaffung eines Museums zur Geschichte des Bäckerhandwerks gereift. Dieses Museum im geräumigen Obergeschoss seines ehemaligen Elternhauses an der Hauptstraße hat sich inzwischen mit hunderten Exponaten zu einem einzigartigen Ort des Bäckerhandwerks von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis weit in die Nachkriegszeit des vergangenen Jahrhunderts entwickelt. In thematisch differenzierten Schauvitrinen und Ausstellungsräumen hat der Bäckermeister ein auch überregional bedeutsames Zeugnis für das traditionelle und facettenreiche Backhandwerk geschaffen.

Osterhasen und Zunftkrüge

Wer eine Führung mit Karl-Heinz Sauter erlebt, trifft neben alten Holzmodeln für Weihnachtsgebäck auch auf unzählige Formen für Biskuit-Osterhasen aus allen Epochen, auf unterschiedliche Back-Dekorartikel und Bäckerfiguren in allen Variationen für das Schaufenster, auf Bäckeruhren und Zunftkrüge mit den traditionellen Symbolen des Handwerks. Präsentiert werden zudem die unentbehrlichen Werkzeuge des Bäckers sowie die ersten Teigknetmaschinen, die mit dem Beginn der Stromversorgung die anstrengende Bäckerarbeit erheblich erleichterten.

Auch die Nudelherstellung, die früher oftmals in die Zuständigkeit der Bäcker fiel, ist mit den entsprechenden Gerätschaften belegt. Dazu gesellen sich kreative Exponate zur Produktion von Süßwaren wie die Walzen zur Prägung unterschiedlicher Zuckerbonbons, und sogar eine uralte hölzerne Eismaschine aus der heimischen Bäckerei ist zu bewundern.

In einer anderen Abteilung findet man historische Aufnahmen, die das für das Überleben der Soldaten wichtige Bäckerhandwerk in den schweren Kriegszeiten dokumentieren, sowie eine Bildserie zum sechsten Streich aus dem Kinderbuch-Klassiker „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch.

Selbstverständlich darf in einem Bäckereimuseum auch ein Backofen nicht fehlen. Dazu ist im Museums ein Holzbackofen aus dem benachbarten Veringenstadt mit vielen historischen Details samt den dazugehörigen Utensilien aufgebaut. Eine absolute Rarität ist ein uraltes, eisernes Backeisen zum Stanzen der Hostien mit religiösen Bildnissen für den Gebrauch im kirchlichen Gottesdienst.

Zu fast allen der ausgestellten Exponate weiß Karl-Heinz Sauter bei seinen Führungen, die nach Voranmeldung möglich sind, spannende Geschichten sowie eigene Erlebnisse zu berichten, sodass die Zeit wie im Flug vergeht.

Über die Homepage der Bäckerei gibt es weitere Informationen zum Museum und die Möglichkeit zur Führungsanmeldung: www.baeckerei-sauter.com/museum