Meßstetter Ferienwanderung: Von Tieringen bis ins Schwarze Meer

Heute Biotop mit mystischer Anmutung, früher Eisweiher für wirtschaftlichen Nutzen: das Feuchtgebiet am auslaufenden Fohental zwischen Tieringen und Oberdigisheim. Christoph Eppler führte die Wandergruppe an und hatte viele Informationen über Ort, Natur und Geschichte parat.
Stadt Meßstetten/Volker Bitzer- Auftakt der Meßstetter Ferienwanderungen: rund 130 Teilnehmende wanderten bei Tieringen.
- Christoph Eppler vom Heimatverein Kohlraisle führte zwei Stunden und gab Infos zu Ort und Natur.
- Entlang der Route: Europäische Wasserscheide, Fohental mit ehemaliger Mühlenanlage, Feuchtgebiet.
- Das Feuchtgebiet war früher Eisweiher, heute Biotop mit Biber – die Bära fließt zur Donau.
- Abschluss an der Schlichemhalle mit Verpflegung, parallel Kinderprogramm mit Revierförster Thomas Holl.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Namen der Stadtverwaltung und in Vertretung von Bürgermeister Frank Schroft begrüßte dessen Erster Stellvertreter Thomas Holl im Beisein von Ortsvorsteherin Isabella Merkt bei Kaiserwetter und sehr sommerlichen Temperaturen die große Wanderschar. Holl freute sich, die 17. Auflage dieser beliebten Sommerferien-Reihe einzuläuten und dass trotz Hitze so viele Gäste gekommen waren. Er selbst ging zwar nicht mit auf die Wandertour, betreute aber die Jungen und Mädchen, die sich beim Kinderprogramm den Tieren des Waldes widmeten.
Werbetrommel für den Verein „Kohlraisle“
Christoph Eppler, seines Zeichens Wanderwart beim Heimatverein Kohlraisle, hatte sich bestens vorbereitet. Schließlich wollte er die rund 130 Wandersleut nicht nur zwei Stunden lang um Tieringen führen, sondern ihnen auch viel Wissenswertes vermitteln – zur Geschichte ebenso wie zu Naturkunde und Dorfentwicklung. Und nebenbei gab es noch die ein oder andere Anekdote.
Eppler nutzte die Gunst der Stunde und das große Publikum, um ein wenig die Werbetrommel für die „Kohlraisle“ zu rühren: 1952 gegründet und derzeit 420 Mitglieder stark, hat sich diese Gemeinschaft unter anderem die Pflege der Landschaft auf die Fahnen geschrieben. So betreuen die Aktiven beispielsweise 32 Kilometer Wanderwege, vier Feuerstellen, mehr als 100 Ruhebänke, 70 Hinweistafeln und den Tieringer Barfußpfad.

Auf dem Weg in den kühleren Wald: Rund 130 Teilnehmer zählte die erste Meßstetter Ferienwanderung 2026, die rund um Tieringen ging.
Stadt Meßstetten/Volker BitzerDurch den Ort ging es los bis zur Landesstraße. Hier sorgten DRK und Feuerwehr für das sichere Überqueren der viel befahrenen Verkehrsachse. Nach wenigen Hundert Metern entlang des Industriegebiets tauchte die Wanderschar schließlich ein in die schöne Natur südlich von Tieringen, Meßstettens größtem Stadtteil. Auf dem Weg passierte die Gruppe die Europäische Wasserscheide. Sie trennt die beiden Flüsschen, die in Tieringen entspringen: Die Schlichem fließt in den Neckar und über den Rhein weiter bis in die Nordsee. Die Bära dagegen nimmt ihren Weg in die Donau und schließlich ins Schwarze Meer.
Ursprünglich mal eine Ölmühle
Breihalde, Kriegäcker, Mauersteig – Flurnamen geben oft Rätsel auf. Vieles über ihre Entstehung und Bedeutung hat einst Thomas Schindel recherchiert. Er war der Ehemann der Urenkelin des Tieringer Heimatdichters Matthias Koch. Aus dessen Aufzeichnungen konnte Christoph Eppler nun Wissenswertes weitergeben. Auch zur Geologie und Geografie rund um das „Tieringer Becken“ hatte er einiges zu erzählen.
Weiter ging es am etwas kühleren Waldrand entlang ins Fohental. Dort taucht überraschend, weit hinten in einem romantischen Winkel, ein repräsentatives Wohnhaus mit Nebengebäuden in einem parkähnlichen, eingezäunten Garten auf. Die Tieringer wissen, wem es seit zwei Jahren gehört. Zuvor war es jahrzehntelang im Besitz einer Göppinger Unternehmerfamilie, die das Haus Ende der 1950er-Jahre bauen ließ. Vor dem Krieg standen hier die Vohentalsägmühle – damals noch mit V geschrieben – und, noch früher, eine Mahl- und eine Ölmühle.

Huckepack auf Papas Rücken und gut beschattet lässt es sich hervorragend wandern, sogar viele Kilometer.
Stadt Meßstetten/Volker BitzerWer von Tieringen nach Oberdigisheim fährt, dem sticht rechterhand ein Feuchtgebiet ins Auge. In dieser Senke herrscht heute der Biber. Manchmal verwandelt der eifrige Nager die 1993 wieder zum Biotop rückgebaute Wiese in einen kleinen See. Heute wertvolles Flora-Fauna-Habitat, diente diese Fläche in früheren Tagen wirtschaftlichen Interessen. Hier gewannen die Menschen Eis – zunächst für die Genossenschaftsmolkerei, später für die Adlerbrauerei Tieringen. Deshalb ist historisch auch vom Eisweiherle die Rede.
Würste und kühle Getränke für die Wanderschar
Mit vielen Eindrücken, neuen Erkenntnissen und einigen Kilometern in den Beinen kamen die 130 Wanderer schließlich hungrig und durstig an der Schlichemhalle an. Gemeinsam mit dem Team der Stadtverwaltung hatte der Heimatverein Kohlraisle als Organisator der Auftaktwanderung bereits heiße Würste und kühle Getränke vorbereitet. An Biertischen unter freiem Himmel und – wohltuend – ohne laute Musik ließen die Wanderer den warmen Sommerabend bei angeregten Gesprächen gemütlich und zufrieden ausklingen.

Bekannt sind die Meßstetter Ferienwanderungen auch für ihr parallel laufendes Kinder- und Jugendprogramm. Mit Revierförster Thomas Holl erkundeten die Jungen die heimische Tierwelt im Wald und beim Holzkreisel-Spiel hatten am Ende alle ihren Spaß.
Stadt Meßstetten/Volker Bitzer