Medienrummel in Albstadt: Erste Kirche für Tierbestattung eröffnet

Die Pauluskirche hat ihr Gesicht deutlich verändert. An einem 35 Jahre alten Korkenzieher-Haselnussbaumaus Ehingen hängen die Namen bestatteter Tiere.⇥
Horst SchweizerUnsere Passion ist es, unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Konfession einen besonderen Raum zu bieten, in dem ihr geliebtes Tier im Mittelpunkt steht“, sagt Ellen Weinmann, und Florian Düsterwald pflichtet ihr bei. Die Betreiber der Tierbestattung Schönhalde in Pfeffingen, welche es seit über drei Jahren gibt, haben Anfang des Jahres die leerstehende und entweihte evangelisch-methodistische Pauluskirche gekauft. Ausschlaggebend war, dass der Platz für Beratungen und Gespräche in dem ehemaligen Schafstall bei ihrem Wohnhaus in der Onstmettinger Straße zu klein war.
Pauluskirche wurde umgestaltet
Die Pauluskirche hat ihr Gesicht zwischenzeitlich grundlegend verändert. Sitzbänke kamen samt Teppichboden raus. Tagelang wurden Klebereste davon auf dem Holzboden mühevoll entfernt. „Uns war wichtig, dass dieser Boden erhalten bleibt“, so Florian Düsterwald. Nach weiteren Arbeiten sieht dieser jetzt wieder aus wie neu. Aus Ehingen stammt ein 35 Jahre alter und vier Meter hoher Korkenzieher-Haselnussbaum. Um in die Kirche gebracht zu werden, musste er in vier Teile zerlegt werden. Dort zusammengefügt trägt dieser rund 2000 kleine Herzen mit Namen von toten Tieren, die von den Tierbestattern seit ihrem Bestehen eingeäschert wurden.
Herzen mit Namen von toten Tieren
An einer dreiteiligen Holzständerwand, aus Einzelteilen zusammengebaut, sind rund 100 verschiedenste Urnen, alles Unikate, ausgestellt. Das Gebiet, aus welchem tote Tiere abgeholt werden, ist groß. „Es geht nördlich bis Esslingen, deckt Teile vom Schwarzwald ab und reicht bis zur Schweizer Grenze“, erzählt Ellen Weinmann. Die Nacht vor der Eröffnung musste sie trotz Eis und Schnee nach Ravensburg, um ein totes Tier abzuholen.
Die erste Tierbestattungskirche, die inzwischen als schöner Ort von denjenigen Menschen, die um ein lieb gewonnenes Tier trauern, gut angenommen wird, machte schnell bundesweit und über die Grenzen hinaus Schlagzeilen. „Es gab sehr viele Anfragen von Presse, Rundfunk und Fernsehen, die wir fast alle ablehnen mussten“, so Florian Düsterwald.
Lediglich SAT1 und der Südwestrundfunk (SWR) bekamen die Zusage für Interviews und Fernsehaufnahmen.
500 Anmeldungen
Da rund 500 Anmeldungen zur Eröffnung vorlagen, gab es in der Onstmettinger Straße am Samstag ein Halteverbot. Der Bereich von der Einmündung Theodor-Heuß-Straße bis zum ehemaligen Gasthaus „Rössle“ war für den Verkehr gesperrt. Vom Parkplatz auf Langenwand war ein Shuttlebus unterwegs. Der Wintereinbruch und rund 35 Zentimeter Schnee in Pfeffingen hielten doch viele von einer Fahrt zur Eröffnung ein. Dennoch kamen viele Interessenten.
So auch Wolf-Dieter Kessler, Pastor der methodistischen Kirchengemeinde. „Ich freue mich und finde es ganz toll, was hier mit ganz viel Herzblut entstanden ist“. Aus seiner Sicht soll das Kirchlein weiterhin seelsorgerische Begleitung für Menschen sein. „Ein Tier hat den gleichen Wert wie ein Mensch, das Trauer auslöst, weil es oft zehn oder 15 Jahre ein treuer Begleiter war“, so der Pastor.
Aus Empfingen war Tierärztin Nadine Gallatz mit Ehemann Maximilian Meyer gekommen. Mit dabei Anna Jetter-Auenland von Konzept KG. Sie gehören wie Ellen Weinmann einer Hundeexpertengruppe an und fanden die Tierbestattungskirche super und zeitgemäß für Tiere. Vor allem, weil es oftmals einen abrupten Abschied von einem Tier gebe und man hier trauern und Abschied finden könne.
500
Anmeldungen zur Eröffnung der entweihten Pauluskirche waren eingegangen. Deshalb wurde in der Onstmettinger Straße am Samstag ein Halteverbot eingerichtet.
