Kunstschenkung Albstadt
: Kunst als Kommunikation im KulTurm

Aus dem Nachlass des Künstlers Bernd Zimmermann wurden zwei Kunstwerke als Dauerleihgabe der Stadt Albstadt übergeben.
Von
Vera Bender
Albstadt
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Bei der Übergabe der Schenkung im KulTurm Albstadt vor den Werken des verstorbenen Künstlers Bernd Zimmermann: Dr. Kai Hohenfeld, Direktor des Kunstmuseums, Daniela Nickert, Tochter des verstorbenen Künstlers, Ilse Setzepfand, Verwalterin des Nachlasses, und Oberbürgermeister Roland Tralmer (von links).⇥

Vera Bender

Sie haben ihr neues Domizil gefunden. Die beiden Kunstwerke, welche als Schenkung aus dem Nachlass von Bernd Zimmermann an die Stadt Albstadt übergehen. Ob der Ort für die Drucke von Dauer sein wird, hängt davon ab, ob der KulTurm auch nach Auslaufen des ZiZ-Programmes im Jahr 2025, womit zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZiZ) finanziell vom Bund gefördert werden, als Event- und Begegnungsraum der Stadt etabliert und finanziert werden kann.

Werden Prüfungen immer schwerer?

Sollte dies nicht der Fall sein, dann ziehen die beiden Kunstwerke mit dem Titel „Kommunikation“ um ins Kunstmuseum, denn sie sollen ohnehin ein Teil der großen grafischen Sammlung der städtischen Galerie werden. Im Juni letzten Jahres war der Tailfinger Maler, Bildhauer und Grafiker 86-jährig verstorben und hat nicht nur eine Lücke in der Kunstszene Albstadts, sondern auch zahlreiche beeindruckende Grafiken und Skulpturen hinterlassen. Zwei davon durfte sich Dr. Kai Hohenfeld, der Direktor des Kunstmuseums Albstadt, selbst aussuchen.

Ilse Setzepfand, die gemeinsam mit ihrem Mann Hans dem verstorbenen Künstler sehr nahestand, vermittelte die Schenkung und war bei der feierlichen Würdigung im KulTurm selbst zugegen. Ebenso wie die Tochter des Künstlers. Daniela Nickert war eigens aus Lahr angereist und freute sich, dass sich der Kreis sozusagen wieder schloss. Denn im Bürgerturm, an den der KulTurm baulich angrenzt, hatte ihr Vater im Jahr 1964 als 27-Jähriger den „Ausrufer“ geschnitzt und sie war als kleines Kind dabei. „Das hätte meinem Vater unheimlich gut gefallen. So schließt sich der Kreis. Denn hier hat er mit seiner Kunst begonnen“, äußerte Daniela Nickert.

Ort der Kommunikation

Und auch was das Thema der beiden Drucke angeht, zieht sich der rote Faden quasi durch. Denn der KulTurm soll ein Ort der Begegnung und Kommunikation in der Ebinger Innenstadt sein, wie Oberbürgermeister Roland Tralmer abermals betonte. Und genau das symbolisieren die zwei Kunstwerke. Gleichzeitig lassen sie den KulTurm für viele unterschiedliche Bürger noch attraktiver erscheinen, um sich zu begegnen, freute sich das Stadtoberhaupt. Zu Begegnung und Kommunikation gehöre seiner Ansicht nach immer auch ein ansprechendes Ambiente und ein Thema wie beispielsweise die Kunst. „Die Dauerleihgabe verschönert den KulTurm und passt sowohl zum Gebäude als auch zum Thema. Die Kunstwerke werden ihren Zweck erfüllen und die Kommunikation bereichern. Die Optik bereichern sie auf alle Fälle“, war sich der Rathauschef sicher.

Mehr Miteinander

Kommunikation sei ein vielfältiges Schlüsselwort zu vielen Problemen und Dingen in der Stadt. „Durch eine Kommunikation auf Augenhöhe, durch einen Austausch sachlicher Argumente und mehr Miteinander wären wir alle einen ganz großen Schritt weiter“, wurde Roland Tralmer nachdenklich. Gedanken zu den Exponaten, die gut von außen über die Glasfront im Erdgeschoss des KulTurms sichtbar sind, hat sich auch der Kunstexperte gemacht. Dr. Kai Hohenfeld bemerkte zu Beginn seiner Expertise: „Es ist eine Ehre, die beiden Kunstwerke als Schenkung in den städtischen Kunstbesitz aufnehmen zu dürfen.“

Teil der grafischen Sammlung

Die Motive entsprächen laut Museumsleiter dem Profil der grafischen Sammlung der Stadt und dem Zweck des KulTurms als Begegnungsstätte. Bei beiden Drucken erkenne man ganz klar das ausgeprägte Profil und gleichzeitig werde durch die unterschiedliche Farbgebung die menschliche Vielfalt und Individualität hervorgehoben. „Kein Mensch ist eine Insel“, verdeutlichte Hohenfeld. Es handle sich um Unikatfarbholzschnitte, die sich ähneln und doch einzigartig seien. Der Künstler Bernd Zimmermann, der keine Kunstakademie besucht habe, sondern als „begabter Autodidakt“ zu werten sei, habe seine selbst angefertigten Druckstöcke immer neu kombiniert und gegenständlich mit ihnen gearbeitet, wobei er eine technische Raffinesse und einen unverwechselbaren Individualstil an den Tag gelegt habe.

Teilweise seien Zimmermanns Kunstwerke auch archaisch und überzeichnend, aber doch stets von besonderer Qualität. „Eine Kunst, die nie elitär wirkt, sondern verbindet und anspricht“, so Dr. Kai Hohenfeld. Köpfe im Profil, eine Hand, ein Ohr – die Exponate sind tatsächlich nicht nur schön anzusehen, sondern sprechen tatsächlich für sich. Sie kommunizieren mit dem Betrachter und regen zum Gespräch an.

Leben und Werke des Künstlers

Terrakotten, Metallplastiken, Aquarelle, Holzschnitte, Acrylgemälde, Sprühgrafiken: die gesamte Bandbreite menschlicher Kommunikation hat der verstorbene Künstler Bernd Zimmermann in zahlreichen Arbeiten thematisiert.
Bernd Zimmermann wurde im Jahr 1937 in Ebingen geboren, er war ab 1978 freischaffender Bildhauer, Maler und Grafiker, gründete die Paulusgalerie in Tailfingen und hatte ab 1980 einen Zweitwohnsitz mit Werkstatt in Katalonien (Spanien). Im Juni 2023 ist er verstorben.