Kulturangebot Albstadt: Die Albstädter lieben Comedy

Julian Köhnlein, Karin Faigle und David Testa (von links) vom Kulturamt Albstadt kümmern sich um die kulturellen Veranstaltungen, um Eintrittskarten, Abonnements und Platzreservierungen.⇥
Vera BenderWie ein Leben ohne Kultur aussehen kann, wurde während der Pandemie von der gesamten Gesellschaft erlebt. Unfreiwillig und schmerzlich. Dieser Verzicht auf Unterhaltung durch Musik, Theater, Ausstellung oder Lesung, gepaart mit Gemeinschaft, hat nicht nur die Kulturschaffenden hart getroffen und teilweise in ihrer Existenz bedroht, sondern auch jeden einzelnen Menschen.
Jedermann weiß deshalb umso mehr zu schätzen, dass ein kulturelles Leben wieder stattfinden kann. Und dennoch ist die Zahl der Abonnenten für Theater und Co. seither drastisch zurückgegangen. Hatten im Jahr 2019 noch 118 Bürgerinnen und Bürger ein sogenanntes Wahl-Abo und weitere 65 ein Theater-Abo, so waren es im abgelaufenen Jahr nur noch insgesamt 50. Woran das liegt, dafür können Kulturamtsleiter Martin Roscher und sein Mitarbeiter Julian Köhnlein konkrete Gründe nennen.
Das Thalia Theater in Tailfingen war viele Jahre als Veranstaltungsort äußerst beliebt. Seit 1984, als das ehemalige Lichtspielhaus umgebaut wurde, standen Schauspieler, Musiker und Kabarettisten auf der Bühne. In den gepolsterten Sesseln mit Klappsitz fieberten die Besucher mit den Akteuren mit, genossen deren Beiträge, lachten und vergossen hin und wieder auch mal ein Tränchen. Bekannte Größen gaben sich im Thalia ein Stelldichein und die Gäste nahmen auch weitere Anfahrtswege in Kauf. Es war ein besonderes Ambiente, das man nur noch selten findet.
Thalia Theater wird schmerzlich vermisst
Aufgrund von Baumängeln darf das Theater in Tailfingen allerdings nicht mehr betrieben werden und öffnete deshalb auch nach der Corona-Pandemie nicht mehr seine Pforten. Viele Wahl-Abonnenten haben deshalb auf ihren Platz verzichtet, den sie eben sehr gerne im Thalia eingenommen hätten. „Lieber kaufen wir uns hin und wieder eine Karte für eine konkrete Vorstellung“, hörte man im Kulturamt Albstadt oft von den langjährigen Kunden. Viele wollten sich nicht mehr binden, wenn es in ihrem heiß geliebten 1953 erbauten Kino keine Aufführungen mehr auf der Bühne gibt.
Kurzfristige Kartenkäufe nehmen zu
Es ist ein allgemeines Phänomen, das man allerorten wahrnimmt: Nach diesem einschneidenden, alles verändernden Erlebnis des Lockdowns wollen sich viele Menschen generell nicht mehr binden. Nicht im Ehrenamt und nicht beim Freizeitverhalten. „Wir verzeichnen zunehmend kurzfristige Kartenverkäufe“, erläutert Kulturamtsleiter Martin Roscher. Dabei hat das Theater-Abonnement durchaus seine Vorteile. Wie Julian Köhnlein erklärt, wird den Abonnenten jedes Jahr im Juli das Kulturjournal zugeschickt, in dem sie stöbern und die für sie interessanten Aufführungen heraussuchen können.
Fester Sitzplatz garantiert
Beim Theater-Abo handelt es sich um vier festgelegte Veranstaltungen. Will man diese besuchen, so kostet ein (fester) Sitzplatz in den vorderen zwölf Reihen insgesamt 74 Euro, dahinter 62 Euro und für Schüler und Studenten 44 Euro. Wer an einem der vier Termine keine Zeit oder keine Lust hat, muss keine Nachteile fürchten, denn das Abo ist übertragbar und so kann man seine Karte weitergeben. Die Vorteile liegen auf der Hand. Bei beliebten und damit schnell ausverkauften Veranstaltungen hat man seinen Platz sicher und dieser ist auch immer der gleiche. Kommt man mal etwas knapp vor Veranstaltungsbeginn, kein Problem, man hat seinen reservierten Sitz und weiß genau, wo sich dieser befindet. Und einen finanziellen Vorteil von etwa 25 Prozent gibt es obendrein.
Theater- und Wahl-Abo
So auch beim Wahl-Abonnement, das 77 Euro kostet und ebenfalls vier Veranstaltungen beinhaltet. Nur dass diese nicht im Voraus festgelegt sind, sondern man die Wahl aus insgesamt neun hat. Auch hier sind die Karten übertragbar. Im Übrigen ist der Ablauf ähnlich. Das Theater-Abo ist nur zu Beginn der Saison, spätestens eine Woche vor der ersten Veranstaltung, buchbar, das Wahl-Abo jederzeit. Beide Versionen können an der Tourist-Information der Stadt Albstadt in Ebingen abgeschlossen werden. Ob persönlich, per Mail oder über das Telefon.
Handyticket möglich
Die einzelnen Karten für Veranstaltungen laufen in Albstadt, wie in vielen anderen Städten, über das Programm „Reservix“. Sie werden im Tourismusbüro ausgedruckt, sind aber auch beim Online-Kauf per Mail erhält, sodass der Besucher oder die Besucherin die Eintrittskarte auch als QR-Code auf dem Handy vorzeigen kann und überhaupt nichts mehr in Papierform mitbringen muss, falls er oder sie das will.
Stellt sich noch die Frage, was in Albstadt gut läuft. Was kommt beim Albstädter Publikum gut an? Auch darauf weiß Martin Roscher sofort die Antwort: „Gute Musik, gutes Theater und vor allem Regionales – schwäbisches Kabarett und Comedy.“ Julian Köhnlein ergänzt, dass auch das Kinderprogramm mit Theater und Musicals sehr gut läuft.
Auch die Musikreihe im Lautlinger Schloss komme bei den Besuchern sehr gut an und die Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. Oper und Operette bietet man inzwischen nicht mehr an. Die Resonanz war einfach zu gering. Dafür hat man die Opernfahrten zur Staatsoper in Stuttgart im Programm.
Kleinteiliges Kulturleben
Was Albstadt außerdem auszeichnet, ist durch den Zusammenschluss der neun Stadtteile auch eine kleinteilige kulturelle Vielfalt. In jedem Ortsteil wird viel an Kultur geboten. In Ebingen sind es vor allem die Literaturtage, die bis zu 10 000 Besucher zu den verschiedenen Lesungen und Veranstaltungen locken und auch in diesem Jahr vom 8. bis 24. November wieder stattfinden werden.
Sponsoren immer wichtiger
Auch der Bandsommer mit kostenfreien Live-Auftritten auf dem Bürgerturmplatz zieht rund 7000 Zuhörer in die Innenstadt. Im vergangenen Jahr gab es wieder die Reihe „Hashtag kulturundso“ für das junge Publikum, bei der sich viele Vereine und Veranstalter aus allen Stadtteilen einbringen.
Und überhaupt pflegt man in Albstadt Kooperationen mit kulturellen Partnern, ob von auswärts oder aus der Gesamtstadt, ob mit Schulen oder Vereinen. Und mit Sponsoren. Diese werden für die Stadt Albstadt immer wichtiger. Das Kulturamt muss aufgrund der angespannten Haushaltslage künftig mit 25 Prozent weniger finanziellen Mitteln auskommen. „Eine Herausforderung“ nennt das Kulturamtsleiter Roscher. Trotzdem bleibt er zuversichtlich und lobt das Kulturamt, das großen Einsatz für die Sache bringe.
Ein kleiner Auszug aus dem Veranstaltungsprogramm
Freitag, 8. März, 20 Uhr: Die ungarische Pianistin Krisztina Fejes tritt im Stauffenberg-Schloss in Lautlingen auf.
Samstag, 9. März, 20 Uhr: Die „Acabellas“ treten mit fünfstimmigem Chorgesang, Musikkabarett und Stand-Up Comedy in der Festhalle in Ebingen auf.
Donnerstag, 14. März, 20 Uhr: „Der Tag an dem der Papst gekidnappt wurde“ – eine Krimi-Komödie des Berliner Kriminal Theaters in der Festhalle in Ebingen.
Sonntag, 17. März, 20 Uhr: Sinfoniekonzert des Ebinger Kammerorchesters mit Trompeter Simon Höfele in der Festhalle in Ebingen.
Samstag, 23. März: Heinrich del Core mit seinem Programm „Glück g´habt“ in der Festhalle in Ebingen.
Samstag, 20. April, 20 Uhr: Dodokay erobert die Bühne in der Festhalle in Ebingen.
Dienstag, 30. April, 20 Uhr: Tanz in den Mai mit Kneipennacht und Live-Musik in der Ebinger Innenstadt.
Freitag, 7. Juni, 20 Uhr: Hillus Herzdropfa. Lena ond Maddeis zeigen nach 20 Jahren noch komödiantische Bühnenpräsenz.
Informationen und Anfragen bei der Tourist-Information in der Marktstraße 35 in Ebingen, Telefon (07431) 1 60 12 04.
Eintrittskarten über www.reservix.de
50
abgeschlossene Abos zählte das Kulturamt im Jahr 2023, die sich in 22 Wahl-Abos und 28 Theater-Abos aufteilen. Vor Corona im Jahr 2019 waren es noch insgesamt 183 Abos.

