Gleichstellung und Frauenrechte: Warum der Internationale Frauentag mehr als nur ein Tag sein sollte


Zum Internationalen Frauentag demonstrieren regelmäßig Menschen in ganz Deutschland. (Symbolfoto)
dpaAm 8. März ist der Internationale Frauentag. Doch für uns ist ein Tag nicht genug. Wir haben uns entschieden, diesem Tag eine ganze Woche der Aufmerksamkeit zu widmen, weil die Themen rund um Frauenrechte und Gleichstellung nicht nur an einem Tag besprochen werden können.
Wenn wir über Frauenrechte sprechen, sprechen wir nicht nur über historische Errungenschaften, sondern auch über die Herausforderungen, denen Frauen jeden Tag begegnen. Deshalb starten wir als SÜDWEST PRESSE im Zollernalbkreis mit dieser „Weltfrauenwoche“ eine Aktion, die zeigen soll: Gleichstellung ist kein Selbstläufer, auch nicht im Jahr 2025.
Frauen dürfen mehr sein als nur „Mutter“ oder „Ehefrau“
Sobald ich über Feminismus rede, werde ich nicht selten in einen Topf geworfen. Wer von sich selbst behauptet, Feministin zu sein, kriegt mitunter den unsäglichen Stempel der „Emanze“ auf die Stirn gedrückt. Feminismus ist aber keine radikalisierte Emanzipation. Feminismus ist auch kein Synonym für Männerhass. Im Feminismus geht es darum, gleiche Verhältnisse für alle Geschlechter zu schaffen – und davon profitieren durchaus auch Männer.
Zum Beispiel befreit der Feminismus Männer von starren Geschlechterrollen, die sie dazu zwingen, in ein bestimmtes, oft sehr einschränkendes Bild von Männlichkeit zu passen. Sie dürfen schwach sein, Gefühle zeigen und müssen nicht ständig die „starke“ Rolle übernehmen. Der Feminismus gibt wiederum Frauen die Freiheit, sich aus den engen, traditionellen Rollen zu befreien, die ihnen oft vorschreiben, wie sie zu sein haben – sei es in der Familie, im Beruf oder in der Gesellschaft. Frauen dürfen mehr sein als nur „Mutter“ oder „Ehefrau“.
Als 25-jährige Frau habe ich im Laufe der Jahre immer wieder erlebt, wie schnell Menschen mich in eine bestimmte Rolle drängen – sei es im Beruf, in meinem privaten Leben oder in der Gesellschaft im Allgemeinen. Sexismus ist mir bereits in einem Alter begegnet, in dem ich noch nicht mal wusste, was Sexismus überhaupt ist. In aller Regel werde ich in meiner Kompetenz angezweifelt, werde ich auf mein Äußeres reduziert, werde ich übersehen – einfach, weil ich eine Frau bin.
Niemand ist frei von Vorurteilen – auch Frauen nicht
Das beste Beispiel dafür ist der Fußball. Ich bin im Zollernalbkreis aufgewachsen, 2011 trat ich einem Fußballverein bei. Strukturelle Benachteiligung, sexuelle Übergriffe, fehlender Respekt: Fußball war für mich schon immer eng mit Sexismus verbunden. Der ungefragte Kommentar zu meiner Trikothose, die umkämpften Trainingszeiten, die ungleiche Verteilung der Vereinsgelder, die Übergriffe von betrunkenen Männern im Sportheim. Als Frau war es nie nur der Sport, es war immer auch der Kampf um Gleichberechtigung.
Diese Erlebnisse sind keine Einzelfälle. Sie sind das Ergebnis eines gesellschaftlichen Systems, das immer noch von patriarchalen Strukturen geprägt ist. Immer noch gibt es unbewusste Vorurteile, die sich im Arbeitsumfeld, in politischen Debatten oder auch im alltäglichen Miteinander manifestieren. Das geht im Übrigen nicht nur von Männern aus – auch Frauen haben Frauenfeindlichkeit internalisiert. Woran Sie das merken? Etwa dann, wenn eine Frau in einem Mercedes an Ihnen vorbeifährt und Sie sich denken: Muss das Auto ihres Mannes sein.
Der Weltfrauentag lebt von Dialog und Diskussion
Hiervon bin auch ich nicht befreit. Ich bin in diesem System aufgewachsen und erwische mich selbst immer wieder dabei, wie mir misogyne Gedanken in den Kopf kommen. Aber je mehr wir gesellschaftlich über diese Missstände sprechen, desto mehr können wir sie hinterfragen. Ich bin zum Beispiel kein „Mädel“, ich bin eine erwachsene, verheiratete Frau. Ich lebe mit einer anderen Frau zusammen, und keine von uns ist „der Mann in der Beziehung“. Wir übernehmen beide Verantwortung, verdienen beide unser Geld, können beide nicht kochen und sind völlig gleichberechtigt in unserer Beziehung.
Ich lade Sie dazu ein, liebe Leserinnen, liebe Leser, sich auf unsere „Weltfrauenwoche“ einzulassen und sich mit den zugehörigen Themen im Zollernalbkreis auseinanderzusetzen. Treten Sie in den Austausch mit uns oder schreiben Sie einen Leserbrief. Der Weltfrauentag lebt von Dialog und Diskussion. Je mehr wir miteinander reden, desto mehr können wir einander verstehen.
Der Weg zur echten Gleichstellung ist lang, aber er beginnt in unseren Köpfen. Also lassen Sie uns diesen Dialog nicht nur am 8. März führen, sondern das ganze Jahr über. Jeder Schritt zählt, und gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Weg für die nächste Generation von Frauen und Männern ein Stück freier wird.
