Projekt in Nusplingen
: Warum seit einigen Monaten Hühner in der Kita wohnen

In der Nusplinger Kindertagesstätte Sankt Josef sind die Hühner los: Seit einigen Monaten haben die Kinder tierische Verstärkung. Und die wird heiß geliebt.
Von
Katja Weiger-Schick
Nusplingen
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Die Nusplinger Kinder – hier mit Erzieherin Jenny Mengis-Alber – haben keinerlei Scheu. Sie kümmern sich rührend um ihre vier Kita-Hühner.

Die Nusplinger Kinder – hier mit Erzieherin Jenny Mengis-Alber – haben keinerlei Scheu. Sie kümmern sich rührend um ihre vier Kita-Hühner.

Katja Weiger-Schick
  • Kita Sankt Josef in Nusplingen züchtet Hühner – Kinder erleben Entwicklung vom Ei zum Huhn.
  • Vier Hühner („Speedy“, „Milky Way“, „Punky“, „Flauschi“) leben jetzt im Kita-Garten.
  • Projekt fördert Verantwortungsbewusstsein und praktisches Lernen bei 112 Kindern.
  • Erzieherinnen mussten für Tierhaltung Schulungen absolvieren – Tierschutz strikt eingehalten.
  • Hühner sind bei Kindern und Erzieherinnen beliebt – ein Erfolg für die Kita.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aber der Reihe nach. Alles begann – das liegt in der Natur der Sache – mit einer guten Idee. Dazu kamen viele Eier. Denn Daniela Decker und Jenny Mengis-Alber hatten den Einfall, dass es spannend sein könnte, den Nusplinger Kita-Kindern die Entwicklung vom Ei zum Huhn zu zeigen. Gesagt, getan: In die Kita zogen zwei Brutautomaten und 40 Hühnereier ein. Schäfer Harald Höfel unterstützte die Einrichtung nicht nur mit der nötigen technischen Ausstattung, sondern auch mit seiner Erfahrung in Sachen Tierhaltung. Doch es hieß erst einmal Warten. „Üblicherweise dauert es 21 Tage, bis aus einem Ei ein Küken schlüpft“, erklärt Daniela Decker. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jenny Mengis-Alber betreut die Erzieherin das Hühner-Projekt. „Von Kindern und Erzieherinnen war also erst einmal Geduld gefordert“, erinnert sie sich mit einem kleinen Schmunzeln.

Gemeinsam las man Geschichten über Küken und Hühner, um die Wartezeit zu überbrücken. Die Gruppen bastelten themenbezogen, informierten sich über den „Checker Tobi“, verkauften am Sommerfest passende Accessoires und beobachteten immer wieder die Eier. Wie die Küken im Inneren der Eier wohl aussehen mochten? Am wichtigsten für die Kinder war ihr Abreißkalender, der die Wartezeit bis zum Schlüpfen verkürzte. Wie sehr staunten alle, als sich an Tag 17 plötzlich ein Küken auf den Weg machte. Kinder und Erzieherinnen nannten es – wie könnte es besser passen – „Speedy“. Nach und nach schlüpften die Küken – ein echtes Erlebnis für die Kinder. Die kleinen Flausch-Knäuele wuchsen schnell. Und auch das war schnell klar: Alle Hühner konnte das Kita-Team langfristig natürlich nicht behalten.

Namen demokratisch gewählt

Sundheimer-Huhn „Speedy“, das erstgeborene Huhn, ist der Kita erhalten geblieben, genauso Marans „Milky Way“ und die beiden Seidenhühner „Punky“ und „Flauschi“. Die Namen, verrät Daniela Decker augenzwinkernd, seien übrigens demokratisch gewählt worden. Zwischenzeitlich wohnt die aktive Mini-Schar in einem geräumigen Stall im Kita-Garten. Bei den 112 Mädchen und Buben sind die tierischen Freundinnen längst die geheimen Stars, bei den 22 Erzieherinnen der sechs Gruppen genauso. Kita-Chefin Birgit Münster ist voll des Lobes: „Ein großartiges Projekt mit praxisnahem Erfahrungsnutzen.“ Außerdem lernten die Kinder Verantwortungsbewusstsein für andere Lebewesen.

Daniela Decker und Jenny Mengis-Alber indes mussten für das Hühner-Projekt noch einmal die Schulbank drücken – zumindest ein bisschen. Denn die Tierhaltung in der Kita – behördlich heißt das „im sozialen Einsatz“ – darf laut Tierschutzgesetz nicht mit Schäden für die Tiere verbunden sein, was für beide Frauen freilich auf der Hand liegt. Marisa Hahn, die Pressesprecherin des Landkreises, erläutert das Prozedere: Die beiden Erzieherinnen mussten sich theoretische und praktische Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen. Außerdem stand die Kita immer mit den für Tierschutz verantwortlichen Stellen beim Landkreis in Verbindung – auch bezüglich der Haltungsbedingungen. Sprich: Die Tiere benötigen beispielsweise eine gewisse Grundfläche und ein Areal zum Scharren. Die Behörde, so Marisa Hahn weiter, überzeuge sich zudem turnusgemäß, ob das Konzept geeignet sei, um beispielsweise die Tiere vor übermäßiger Belastung und Stress zu schützen. Den Nusplinger Hühnern dürften die formellen Regelungen vergleichsweise egal sein. Sie fühlen sich pudelwohl.