Kirchen im Großen Heuberg: Was feiern wir an Fronleichnam? Zwei Pfarrer erklären das Fest
Eucharistie, Prozession, Tabernakel, Monstranz – vielen Menschen ist die Bedeutung dieser Begriffe nicht mehr bekannt. Sie sind jedoch Teil eines der wichtigsten Feste des katholischen Glaubens: Fronleichnam. Am Donnerstag wird das Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirchen gefeiert. Der Begriff stammt aus dem Mittelhochdeutschen „fron“ oder „vrôn“, was „dem Herrn gehöhrend“ bedeutet und „lichnam“, was für den „lebendigen Leib“ steht.
„An Fronleichnam feiern wir diese Liebesgabe.“
„Es ist wohl das katholischste, aber auch das komplizierteste Fest der Kirche“, sagt Pfarrer Uwe Stier. Die Eucharistie, das Abendmahl, ist die Quelle und der Höhepunkt des kirchlichen Lebens, so der Pfarrer. Es symbolisiert, dass sich Jesus Christus opfert, um uns Menschen zu retten. „An Fronleichnam feiern wir diese Liebesgabe.“ Außerdem wird sie durch die Welt getragen.
Uwe Stier ist leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ebingen, Lautlingen und Margrethausen, der auch die katholische Kirchengemeinde St. Michael in Bitz angehört. Derzeit betreut er zudem die Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal, weil es dort noch keinen neuen Pfarrer gibt. Etwa 16 000 Katholiken umfassen seine Gemeinden. Eine beeindruckende Zahl und dennoch zeigt sich der Mitgliederschwund der Kirchen. „In meiner Jugend war das ganze Dorf auf den Beinen, um die Prozession vorzubereiten.“ Heute sei es immer schwieriger, genügend Helfer zu finden. Die Ferien und die Urlaubszeit sind ein zusätzliches Hindernis. „Das merken wir enorm.“
Bei der Seelsorgeeinheit Heuberg sieht das noch anders aus, berichtet Pfarrer Safi Powath. Es ist seine erste Heilige Messe mit Prozession in den Gemeinden Meßstetten, Nusplingen, Obernheim und Unterdigisheim. Erst seit Juli 2022 ist er für den Heuberg zuständig. „Es ist seit vielen Jahren Tradition, dass Vereine die Stationen gestalten“, berichtet er. Teils gibt es Gruppen, die bereits seit 40 Jahren aufwendige Blumenteppiche gestalten. „Es ist eine Freude für die Menschen, die Prozession mitzugestalten.“ Es hänge viel Herzblut daran, betont Uwe Stier.
Das ist es auch, was Powath an Fronleichnam gefällt. Während die Kirche sonst die Menschen zu sich in die Gotteshäuser einlädt, seien die Kirche und Gott an diesem Feiertag in den Häusern und Straßen, sagt der Pfarrer. „So zeigen wir, dass die Liebe Gottes im konkreten Leben erfahrbar ist“, ergänzt Stier.
Die Bedeutung des Feiertags hervorheben
Die beiden Pfarrer setzen sich dafür ein, die Bedeutung dieses Feiertags ins Hier und Jetzt zu übertragen. „Das Leib und Blut Jesu Christi ist die Quelle des Gemeindelebens. Doch das ist für viele nicht mehr wichtig“, fasst es Uwe Stier zusammen. Obwohl weniger Personen helfen und auf den Straßen zu sehen sind, halten die Gemeinden an ihren Traditionen und Festen fest. „Deswegen gibt es in jedem Dorf eine eigene Prozession.“ Der Pfarrer könnte sich allerdings vorstellen, Tradition mit Moderne zu mischen. Beim Fest danach würden Hüpfburgen, Eiswagen und Schminktische Fronleichnam kindgerechter gestalten, so seine Ideen.
„Mir geht es darum, die Liebe Gottes in die Welt zu tragen“, sagt Uwe Stier. „Die ganze Menschheit bekommt dadurch einen Einblick, wie das Leben mit Gott ist“, fügt Powath hinzu. Beide laden auch Nicht-Kirchenglieder ein, der Heiligen Messe und Prozession beizuwohnen. Safi Powath stammt aus Indien. Dort habe er erlebt, wie interessiert Menschen anderer Glaubensrichtungen an dem religiösen Ritual sind.
Das Ritual sieht vor, dass nach der Heiligen Messe eine Prozession, ein feierlicher Umzug, veranstaltet wird. Dabei wird von den Pfarrern und Diakonen die Monstranz durch die Gemeinden tragen. Sie werden begleitet von Gebeten, Gesang und Musik. Die Monstranz und ihr Träger werden dabei von einem „Himmel“ (mitgetragener Stoffbaldachin) beschirmt. An bis zu vier Außenaltären wird aus dem Evangelium vorgetragen, es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen, über den Ort und die Flur erteilt. Der Prozessionsweg ist meist mit Blumen bestreut, mit grünen Zweigen, Fahnen und Teppichen geschmückt.
Die kostbare, mit Edelsteinen bestückte Monstranz beinhaltet eine konsekrierte Hostie, die nach der Prozession in den Tabernakel, einem Aufbewahrungsort in der Kirche kommt.
Wo wird Fronleichnam in der Region gefeiert?
St. Nikolaus von Flüe, Meßstetten: Mittwoch, 7. Juni, 18.30 Uhr Vorabendmesse zu Fronleichnam.
Maria Königin, Nusplingen: Donnerstag, 8. Juni, 10 Uhr, Festmesse zu Fronleichnam, anschließend Prozession.
St. Afra, Obernheim: 9 Uhr – Festmesse mit anschließender Prozession.
St. Maria, Unterdigisheim: Ebenfalls 9 Uhr Heilige Messe mit Prozession. Da die Barockkirche dieses Jahr 300 Jahre alt wird, findet anschließend ein Pfarrfest mit Mittagessen in der Festhalle, Oberdigisheimer Straße 10, statt.
St. Johannes Baptist, Lautlingen: 9 Uhr – Messe mit anschließender Prozession.
St. Josef, Ebingen: 10 Uhr – ebenfalls mit eigener Messe und Prozession.
Heilig Kreuz, Ebingen: 10 Uhr – Heilige Messe in Kroatisch.
St. Margareta, Margrethausen: 10.30 Uhr – Gottesdienst mit Prozession.




