Innerhalb von drei Wochen hat „Avatar 2 – The Way of Water“ mehr Besucher ins Hechinger und Albstädter Kino gelockt als „Top Gun Maverick“ in 32 Wochen. Wie viele Besucher genau, das möchte Betreiber Ralf Merkel nicht verraten. Nur so viel: Es ist ein knappes Rennen. Zwischen Zweitplatziertem (“Top Gun“) und Drittplatziertem (“Minions – auf der Suche nach dem Mini-Boss“) liegen nur drei Besucher. „Avatar hat allerdings einen Wettlauf hingelegt: Top Gun hat für sein Gesamtergebnis 32 Wochen benötigt und wurde zum stärksten Film, bis zum 29. Dezember. Dann hatte der zweite Teil des Filmepos Avatar am 15. Spieltag das Ergebnis getoppt.

Neueste Technik bei den Avatar-Filmen

„Es war vorauszusehen, dass der Film stark wird, aber ich glaube nicht, dass er das Ergebnis von Avatar 1 knacken wird.“ Doch der war 2009 einer der ersten richtigen 3D-Filme. „Qualitativ kommt seit 13 Jahren kein Film daran, außer Avatar 2“, ist Merkel überzeugt. Denn der neue Teil des Regisseurs James Francis Cameron besticht ebenfalls mit moderner Technik. „James Cameron hat mit HFR wieder einen Meilenstein gesetzt.“ HFR bedeutet hohe Bildrate (High Frame Rate). Normalerweise laufen Bilder im Kino mit einer Bildwiederholrate mit 24 Bildern pro Sekunde. Beim HFR-Format laufen sie mit doppelt so vielen Bildern. Damit soll beispielsweise Flimmern und Bewegungsunschärfe reduziert werden. „Die Hobbit-Filme waren damals die ersten, die diese Technik nutzten.“ Dafür ließ der Betreiber extra seine Technik in den Kinosälen umbauen.
Doch eine solche Technik hat auch Auswirkungen auf die Datenmenge eines Films. In der Regel habe ein regulärer Film 100 Megabyte (MB), ein HFR-Film (vor allem mit Überlänge wie bei Avatar) kann bis zu 600 MB haben. „Das muss unser Server abarbeiten können. Dabei wird er richtig warm.“ Am Anfang sei nicht klar gewesen, ob alle seiner Standorte diesen Film abspielen können. Ralf Merkel betreibt die Hechinger Kinos Schwanen und Burgtheater, den Capitol-Filmpalast in Albstadt und gemeinsam mit Andreas Zienteck das Kinoparadies Oberndorf und das Filmzentrum Bären in Böblingen.
Laut Filmverleih Disney lockte Avatar 2 allein in den ersten Tagen in Deutschland 1,33 Millionen Zuschauer in die Kinos (Stand 19. Dezember). Das zeigt sich auch im Einspielergebnis: etwa 1,71 Milliarden Dollar weltweit (Stand: 10. Januar). „Ich bin mir sicher, dass Avatar 2 einer der erfolgreichsten Filme der vergangenen Jahre wird.“

Besucherzahl in den Kinos nicht so hoch wie 2019

Trotzdem lagen die Besucherzahlen 2022 nicht auf dem Niveau von 2019, also vor der Pandemie. „Diese Zahlen werden wir auch nicht mehr erreichen“, glaubt Merkel. Etwa 40 Prozent der Besucher von 2019 fehlen. Avatar hat 2022 möglicherweise nur wenige Prozent verbessert, genaue Zahlen gebe es noch nicht. „Natürlich liegt das mitunter daran, dass durch die Pandemie Filme fehlten.“ Zum einen konnten weniger Blockbuster produziert werden und zum anderen wurden fertige Filme wie „Top Gun Maverick“ zurückgehalten. Die Filmstudios befürchteten schlechte Einspielzahlen aufgrund der Pandemie.
„2023 ist bei uns unheimlich viel Ware in Aussicht“, gibt er einen Ausblick. Neu ist James Camerons Verfilmung der Tragödie „Titanic“ nicht. 1997 kam der Film mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in die Kinos. Im März möchten Cameron und Disney eine überarbeitete Version im HFR-Format herausbringen. „In Deutschland werden nur 200 ausgewählte Kinos diesen Film spielen dürfen und wir gehören dazu.“
Das ist nicht das Einzige, mit dem Ralf Merkel in seine Kinos locken möchte. Schritt für Schritt werden die Standorte modernisiert. Im Schwanen wurde bereits ein Vollwärmeschutz angebracht, im Burgtheater ebenfalls, nur der Putz fehlt noch. Eine Photovoltaikanlage auf dem Schwanen bringt Merkel näher ans Ziel „Grünes Kino“. Wie berichtet, müssen seit Januar Restaurants und Cafés Mehrweg-Geschirr anbieten. Merkels Kinos haben das schon seit einigen Jahren.
Im Spätsommer 2022 wurde die Photovoltaikanlage montiert. „Wir haben jetzt so große Akkus dort, dass wir, wenn diese voll sind, alle Kinos den ganzen Tag mit eigenem Strom betreiben können.“ Davon soll das Kino auch im Sommer profitieren, denn Klimatisieren sei derzeit teurer als Heizen, so Merkel. „Seit Sommer 2022 sind nicht die Pandemie, nicht Personal, sondern die explodierenden Energiekosten unser Problem.“ Allein in Albstadt wurde ihm das Vierfache am Gaspreis abgebucht. Die Strompreise haben sich teils verdreifacht und auch der gestiegene Mindestlohn lassen die Ausgaben steigen. „Das müssen wir erst erwirtschaften.“

Neue Sitze für die Kinos

Dabei soll auch die Ausstattung helfen. Merkel nutzte die Pandemie-Zwangspause, um ein neues Konzept zu entwickeln: Die Hälfte aller Säle wurden modernisiert, dafür gibt es jetzt weniger Sitzplätze. Das hat auch seinen Grund. Die bisherigen Kinosessel aus den 1990er-Jahren hatten eine Sitzfläche von etwa 50 Zentimeter. Bei den neuen Sesseln kann man sich auf fast 75 Zentimetern ausbreiten. Hinzukommt eine doppelte Armlehne, so berührt man den Nebensitzer nicht. „Ich sitze am liebsten in der ersten Reihe“, verrät der Kino-Liebhaber. Denn dort baute er noch Fußstützen ein. In Albstadt gibt es zudem noch eine Liegefunktion. Nach und nach sollen alle Säle umgebaut werden.

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Kinosäle in fünf Kinos in vier Städten. In Oberndorf plant Ralf Merkel gemeinsam mit seinem Partner Andreas Zienteck zwei weitere Säle.