Jugendarbeit in Meßstetten
: Schüler haben manchmal nach den Hausaufgaben 100 Nachrichten auf dem Handy

Alljährlich werden die Schulsozialarbeiter und andere Fachkräfte im Meßstetter Gemeinderat vorstellig. Sie berichten über ihre Arbeit mit der Jugend aus dem zurückliegenden Jahr.
Von
Sebastian Buck
Meßstetten
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Kinder schleppen inzwischen — nicht nur durch Corona — deutlich mehr Probleme mit in die Schule als früher. Dort muss es deshalb jemanden geben, der sich um die Sorgen kümmert – ein Sozialarbeiter kann da helfen.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Kinder der Ludwig-Schwamb-Schule halten in Mainz die Hände zusammen (Foto vom 17.11.2011). Kinder schleppen inzwischen deutlich mehr Probleme mit in die Schule als früher. An der Schule müsse es deshalb jemanden geben, der sich um die Sorgen kümmere.   Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lrs (zu dpa lrs-Umfrage: «Schulsozialarbeit: Hilfe für Lehrer und Schüler» vom 08.09.2012) +++ dpa-Bildfunk +++

Viele Hände greifen bei der Schulsozial- und Jugendarbeit ineinander. Das ist auch in Meßstetten so. Dem dortigen Gemeinderat wurde nun kürzlich ein allumfassender Einblick in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gegeben.

Fredrik von Erichsen/dpa (Symbolbild)
  • Schulsozialarbeit in Meßstetten kostet 253.644 Euro, Stadt trägt Großteil der Kosten.
  • Projekte fördern Medienkompetenz, Teamarbeit und Resilienz an allen Schulstandorten.
  • Jugendarbeit 2024: Neue Formate wie Mittwochstreff thematisieren Drogen, Rassismus, Zukunftsängste.
  • Highlights: Kinderdisco mit 500 Teilnehmern, EM-Party, Tischkickerturnier mit Politikern.
  • Fokus: Integration, soziale Teilhabe, Unterstützung von Familien und individueller Einzelfallhilfe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ob im Klassenzimmer, in der Mensa oder im Jugendraum: Die sozialpädagogischen Angebote in Meßstetten haben im Jahr 2024 erneut gezeigt, dass verlässliche Ansprechpersonen und niedrigschwellige Hilfe für Kinder und Jugendliche wichtig sind. Unter der Trägerschaft des Diasporahaus Bietenhausen – übrigens schon seit dem Jahr 1999 – waren Fachkräfte an sämtlichen Schulstandorten und im Jugendbüro aktiv. Mit vielfältigen Projekten, Beratungsangeboten und präventiver Arbeit. Diese wurden nun dem Meßstetter Gemeinderat präsentiert. Doch bevor man in die umfassenden Berichte blickte, hatte Hauptamtsleiter Thomas Berg noch einige Zahlen parat: Die Schulsozialarbeit kostet in Summe 253.644 Euro, es fließen aber auch Zuschüsse von Land und Landkreis in Höhe von gut 53.000 Euro. Ein gewaltiger Batzen bleibt also an der Stadt hängen. Das Gleiche gilt für die Jugendarbeit und den Jugendraum. Unterm Strich bleibe bei der Stadt ein Abmangel von 322.000 Euro hängen. Doch das Geld ist durchaus gut investiert, nämlich in die künftige Generation Meßstettens.

Breites Angebot an allen Schulen

An der Realschule initiierte Schulsozialarbeiterin Annica Lederer zahlreiche Projekte, darunter ein wöchentliches Pausenangebot „Body and Soul“ in Kooperation mit der Religionsfachschaft, ein Büchertauschregal mit der Stadtbücherei und erlebnispädagogische Einheiten zum Schuljahresstart. Themen wie Medienkompetenz und TikTok-Trends fanden Eingang in den Unterricht.

Auch am Gymnasium war die Schulsozialarbeit stark in die Klassen integriert. Neben dem sozialen Lernen in den Klassen fünf bis sieben setzten erlebnispädagogische Tage Akzente in Teamarbeit und Resilienzförderung. Der Ansatz „No Blame Approach“ gegen Mobbing wurde eingeführt und in mehreren Klassen angewendet. Stichwort Mobbing: Das finde heutzutage oftmals auch in den sozialen Medien statt, wie Lederer erklärt. Das gravierende Problem dabei: „Die betroffenen Schüler sind davon pausenlos konfrontiert, auch zu Hause.“ Generell sei der Medienkonsum via Smartphone hoch: Blickten Schüler nach der Hausaufgabenzeit aufs Handy, könnten da schon mal gut 100 Nachrichten und mehr aufgelaufen sein – mit ein Grund, weshalb sich die Schüler bereits selbst Regeln für etwaige Klassenchats und -gruppen geben.

Fokus auf Alltagsbewältigung

Aber zurück zur Schulsozialarbeit an anderen Schulen: An der Burgschule und Wilhelm-Busch-Schule lag der Fokus auf Alltagsbewältigung und Integration. In den Gruppen „Spielen und Lernen“, „Mittelstufe Alltags-Check“ und „Oberstufe aktiv“ standen Themen wie Ernährung, Mediennutzung und soziales Verhalten im Vordergrund. Besonders gefragt war die Einzelfallhilfe: Zehn Schülerinnen und Schüler wurden wöchentlich individuell betreut – häufig bei familiären Konflikten, Trennung der Eltern oder Mobbing, wie es im zugehörigen Bericht, der auch dem Gemeinderat vorlag, heißt.

Die Grundschule Hartheim/Heinstetten arbeitete mit regelmäßigen Stunden zu Rücksicht, Streitbewältigung und Gefühlen. Schulsozialarbeiterin Christina Müller begleitete Klassen mit Methoden wie dem „Magic Circle“ und unterstützte verstärkt ukrainische Kinder bei der Integration. Auch an der Mathias-Koch-Grundschule im Teilort Tieringen wurden Themen wie Teamfähigkeit, Gewaltprävention und Konfliktlösung altersgerecht umgesetzt. Ergänzend fanden Selbstverteidigungskurse mit der Kung-Fu-Akademie Balingen statt. Die Teilnahme an Projekten wie der Kinderdisco und dem Tag der Demokratie stärkte die Einbindung ins städtische Netzwerk.

Jugendarbeit mit Struktur

Fehlt noch der Blick auf die Jugendarbeit. Das Jugendbüro Meßstetten-Nusplingen-Obernheim setzte im Vorjahr auf Kontinuität und eine Erhöhung der Beteiligung. Zu den etablierten wöchentlichen Formaten zählen der Mittagstreff, der Jugendlichen Raum zum Austausch bietet, sowie der offene Treff am Donnerstag und Freitag. Der neu eingeführte Mittwochstreff entwickelte sich zum Diskussionsraum über Themen wie Zukunftsängste, Drogenkonsum und Rassismus.

Großen Zulauf hatte erneut die Mädchengruppe „MadaMe“, die kreative Angebote mit Gesprächen über Körperwahrnehmung und Stressbewältigung verbindet. Die Abkürzung steht für „Mädchen aus Meßstetten“, wurde einst zu Corona-Zeiten im Netz gegründet und hat nun den Shift in die reale Welt geschafft. Zu den Highlights des Jahres zählten die Kinder- und Jugenddisco mit mehr als 500 Teilnehmern, eine EM-Party während der Fußball-Europameisterschaft sowie ein Tischkickerturnier mit dem Gemeinderat und Landrat Günther-Martin Pauli. Auch die Ganztagsbetreuung bis in den Nachmittag hinein für Grundschulkinder berufstätiger Eltern blieb ein zentrales Element der städtischen Jugendarbeit.

Das System ist eng vernetzt

Das Gesamtnetzwerk aus Schulsozialarbeit und Jugendarbeit hat sich 2024 weiter verfestigt, wie den gesammelten Berichten zu entnehmen ist. Regelmäßige Kooperationen mit Polizei, Diakonie, Stadtbücherei, Jugendamt, Arbeitsagentur und der Stadt Meßstetten sind Teil der täglichen Arbeit. Besonders wertvoll sei dabei stets der Austausch zwischen den einzelnen Fachkräften – ob bei Präventionsveranstaltungen, Projekten oder im direkten Kontakt mit Eltern. Über alle Einrichtungen hinweg zeigt sich ein gemeinsames Ziel: Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu stärken, soziale Teilhabe zu fördern und Familien zu unterstützen. Das wird auch in diesem und den kommenden Jahren so weiter fortgesetzt werden.