Thomas Fritschi wird 70: Als Boxer holte der Ebinger Kinder von der Straße

Der Jubilar Thomas Fritschi vor seinen zahlreichen Urkunden aus dem Box-Sport.⇥
Horst Schweizer„Mein Weg war auch der Weg im Boxsport für die weibliche und männliche Jugend“, mit dieser kurzen Aussage resümierte Thomas Fritschi seine erfolgreichen mehr als fünf Jahrzehnte. An diesem Dienstag feiert er seinen 70. Geburtstag.
Der 1953 geborene Ebinger, der zusammen mit einer Schwester und einem Bruder aufwuchs, ging in Tailfingen in die Lammerbergschule. Danach arbeitete Thomas Fritschi als Gerüstbauer. Vom 1. April 1973 an war er bei den Gebirgsjägern anfangs seiner achtjährigen Bundeswehrzeit in Mittenwald, dann an der Sportschule für Spitzensportler, Gruppe Boxen, in Sonthofen.
Vom Boxen angetan
Ausschlaggebend hierfür war, dass Thomas Fritschi als Schüler mit zwei Kameraden eine Box–Veranstaltung in der Tailfinger Zollern–Alb–Halle besuchte. „Von diesem Sport war ich derart angetan, dass ich mich entschloss, zum Boxen zum ASV Ebingen zu gehen“, so der 70–Jährige. Dies war 1967. Doch sei ihm aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen nach einer Kinderlähmung wenig oder gar nichts zugetraut worden.
Thomas Fritschi überraschte alle. Sein Willen und seine Kämpfernatur brachten ihm bald erste Erfolge ein. Er wurde 1971 Württembergischer und Süddeutscher Meister, trat bei der „Deutschen“ in Emden an, kehrte als Deutscher Vizemeister im Schwergewicht mit 18 Jahren nach Ebingen zurück. Im selben Jahr konnte sich Thomas Fritschi mit der Box–Gruppe Süd nach dem Gewinn aller Kämpfe die Deutsche Meisterschaft sichern.
Bis heute Abteilungsleiter
Der Ebinger, nach einer Ausbildung 1986 bei der Dekra in Reutlingen als Berufskraftfahrer unterwegs, boxte in der ersten Bundesliga ab Ende der 1970er–Jahre für den BC Oberkochen und Bavaria Landshut. Nach verschiedenen Aus– und Fortbildungen übernahm Fritschi 1991 das Traineramt, zwei Jahre danach das Amt des Abteilungsleiters der Boxabteilung beim ASV Ebingen, welche er bis heute innehat. Seit rund 30 Jahren ist auch Ehefrau Christina, die er 1978 heiratete und ihn von Beginn an in allen Belangen unterstützte, beim Verein ehrenamtlich aktiv. Thomas Fritschi bestritt 100 Boxkämpfe, von denen er 78 gewann.
Erfolge seiner Athleten bei Württembergischen, Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften blieben nicht aus.
Den größten Erfolg als Trainer verzeichnete er 2012 mit dem Baden–Württembergischen Meistertitel unter 99 Teams. „Wenn ich auf der Straße sah, dass Jungs Leute anmachten oder anpöbelten, hatte ich nie Hemmungen, diese anzusprechen und einzuladen, wenn sie sich prügeln wollen, dies in der Boxabteilung mit diszipliniertem Kampfsport zu tun“, so Thomas Fritschi. Einige seien gekommen und beim Verein geblieben. Außerdem führte er jahrelang Ferienprogramme für Jugendliche durch, um diesen eine Perspektive in ihrer freien Zeit zu geben. Denn der Boxsport ist und bleibt das Leben von Thomas Fritschi.
