Inklusion im Zollernalbkreis
: FC Grosselfingen will erste Mannschaft für Menschen mit Behinderung gründen

In Grosselfingen will ein Verein den Vorstoß wagen und die erste vereinseigene Inklusionsmannschaft im Zollernalbkreis auf die Beine stellen. Über die Hintergründe.
Von
Lea Irion
Grosselfingen
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Roberto (links) und sein Bruder Davide Putzu. Roberto spielt schon lange beim FC Grosselfingen – und für Davide dürfte sich dieser Traum auch bald erfüllen.

Roberto (links) und sein Bruder Davide Putzu. Roberto spielt schon lange beim FC Grosselfingen – und für Davide könnte sich dieser Traum auch bald erfüllen.

Privat
  • FC Grosselfingen plant erstes Inklusionsteam im Zollernalbkreis mit Start im Herbst 2025.
  • Probetrainings finden ab 18. September 2025 wöchentlich donnerstags auf dem Sportplatz „Alter Berg“ statt.
  • Inklusionsliga im Nordschwarzwald wächst: 2023 vier Teams, 2024 neun Teams, 2025 dritte Saison.
  • Trainer mit Erfahrung im Inklusionssport stehen bereit – Fokus auf Teilhabe und soziale Vernetzung.
  • Anmeldung für Interessierte per E-Mail möglich: info@fcgrosselfingen.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Carolin Krauter ist in Sachen Inklusionsarbeit keine Unbekannte. Seit über zwei Jahrzehnten arbeitet sie mit Menschen, die besondere Bedürfnisse haben. Vor etwas mehr als zehn Jahren zum Beispiel plante Krauter eine Reise, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam nach Irland brachte. Doch ein Traum schlummerte schon immer in ihr: eine Inklusionsmannschaft im Fußball. Eine eigene, wohlgemerkt: Stiftungen wie die Lebenshilfe bieten entsprechende Kickangebote an, doch ein vereinseigenes Inklusionsteam? Das wäre ein Novum im Zollernalbkreis.

Läuft alles nach Plan, wird der FC Grosselfingen dieses Team bald stellen.

Eine Erfolgsgeschichte aus dem Schwarzwald

Möglich macht es unter anderem die Fusion der beiden Fußballbezirke Schwarzwald und Zollern, die bereits 2024 vonstattenging. „Und der Bezirk Schwarzwald – das ist jetzt unser Glück – bietet schon länger Inklusionsspieltage an“, sagt Carolin Krauter im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. 2023 glückte dem Bezirksverband im Nordschwarzwald nämlich die Premiere einer Inklusionsliga mit vier Teams. Schon im Jahr darauf stieg die Zahl der teilnehmenden Mannschaften auf neun, 2025 geht es für die Inklusionsliga in die dritte Spielzeit. Ein Erfolg auf ganzer Linie.

Vor vielen Wochen besuchte Krauter selbst einen Spieltag im Landkreis Freudenstadt, in Nagolds zweitgrößtem Stadtteil Vollmaringen. Krauter sah verschiedenste Menschen vergnügt gegen das runde Leder treten und festigte ihren Entschluss, in ihrem Heimatverein auch endlich ein Inklusionsteam auf die Beine zu stellen. „Innerhalb des Vorstands war das natürlich gar kein Thema“, sagt Krauter, die dem Vorstand des FC Grosselfingen selbst angehört. Schnell gefunden waren auch drei Trainer, die allesamt Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung mitbringen. Ein weiterer überlege es sich noch.

Wann die Probetrainings stattfinden

Die Probetrainings der geplanten Inklusionsmannschaft des FC Grosselfingen finden jeweils um 17.30 Uhr auf dem Sportplatz „Alter Berg“ in Grosselfingen statt:

• Donnerstag, 18. September 2025

• Donnerstag, 25. September 2025

• Donnerstag, 2. Oktober 2025

• Donnerstag, 9. Oktober 2025

• Donnerstag, 16. Oktober 2025

Interessierte können sich auch per E-Mail an info@fcgrosselfingen.de wenden.

Soweit die Voraussetzungen aufseiten des Vereins. Doch wie verhält es sich mit inklusivem Fußball selbst? Dort sind die Regeln weitestgehend flexibel. Mitmachen können alle Menschen, die darauf Lust haben – ganz egal, welche besonderen Bedürfnisse sie mitbringen. Die Mannschaften sind gemischt und brauchen keinen Mindestkader. Diese Flexibilität endet lediglich ab Anpfiff, denn dann gelten die gewohnten Spielregeln, wie man sie auch aus anderen Ligen kennt. Hauptsache ist, dass alle Beteiligten Spaß haben. Und Carolin Krauter weiß aus Erfahrung, dass die Lebensfreude das Letzte ist, was an solchen Spieltagen fehlt.

„Alle machen einfach so mit, wie sie es können“, sagt Krauter. Eine erste Anmeldung liegt dem FC Grosselfingen bereits vor: Davide Putzu steht in den Startlöchern. Sein Bruder Roberto spielt schon länger in der 1. Mannschaft des FCG. 2022 feierte das Team die Meisterschaft in der Kreisliga A, Davide hielt den Meisterwimpel seines großen Bruders in der Hand und ist auf einem Foto mit ihm zu sehen, womit der FC Grosselfingen im Moment für das neue Inklusionsteam wirbt. Wenn alles klappt, kann Davide vielleicht schon in der neuen Saison von der eigenen Meisterschaft träumen.

Räume zur sozialen Vernetzung fehlen

„Inklusion bedeutet Teilhabe“, schreibt der Verein dazu auf seiner Website. Jeder Mensch solle die Möglichkeit haben, aktiv am Vereinsleben und an sportlichen Aktivitäten mitzuwirken – ohne Barrieren und ohne Einschränkungen. Carolin Krauter unterstreicht das und betont, dass es auch darum geht, dass Menschen mit Behinderung neue Sozialkontakte knüpfen. Ihnen fällt es oft nicht leicht, Menschen außerhalb ihres Wirkungsfelds kennenzulernen, weil die entsprechenden Räume dazu fehlen. Zumindest in Grosselfingen soll das bald der Vergangenheit angehören.

Am 18. September fällt der Startschuss für das erste Probetraining. Um 17.30 Uhr treffen sich alle Interessierten mit ihren künftigen, potenziellen Trainern auf dem Alten Berg in Grosselfingen. Eine Stunde dauert der gemeinsame Kick, der primär fürs Kennenlernen gedacht ist. Weitere Termine folgen im Wochentakt bis zum 16. Oktober. Der Donnerstag als Trainingstag ist dabei nicht gesetzt – sollte das neu formierte Team hinterher entscheiden, dass zum Beispiel der Mittwoch besser geeignet wäre, sei man da völlig flexibel, betont Carolin Krauter.

Sie sagt, es sei aktuell wichtiger denn je, die gesellschaftlichen Sozialkompetenzen wieder aufleben zu lassen. „Und auch, damit wieder etwas mehr Lebensfreude in den Fokus rückt. Das finde ich in dieser Leistungsgesellschaft sehr wichtig“, erklärt Krauter. Sie freue sich insbesondere auch über das Trainerteam und dessen Inklusionskompetenz. „Die Trainer wissen, was man alles aus ihnen herausholen kann“, sagt sie – und meint damit Menschen mit Behinderung.