Hilfslieferungen ins Kriegsgebiet: Wie dieser Albstädter schon über hundertmal in die Ukraine fuhr

Der gebürtige Albstädter Michael Maier war schon über 100 Mal mit Hilfslieferungen in die Ukraine unterwegs.
Michael Maier- Michael Maier aus Albstadt organisiert seit 2022 Hilfslieferungen für die Ukraine – über 100 Einsätze.
- Transporte enthalten Medikamente, Lebensmittel, Tierfutter und Krankenhausmaterial für Kriegsgebiete.
- Maier gründete zwei Hilfsorganisationen und arbeitet ehrenamtlich, finanziert vieles aus eigenen Mitteln.
- Hohe Kosten: Ein Lkw-Transport kostet ca. 4500 Euro – Spendenbereitschaft sinkt spürbar.
- Maier plant, auch bei Naturkatastrophen zu helfen – Visum für Gaza beantragt, Einsätze in Planung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Man sieht ihm die Tortur kaum an. Michael Maier strahlt, obwohl er in den vergangenen drei Wochen mehr als 8000 Kilometer Strecke gemacht hat. Dabei sind es noch nicht einmal die Fahrten an sich, sondern wohin sie führen. Nämlich mitten ins Kriegsgebiet. Wenn die Drohnen minutenlang schrill surren und die Bomben mit einem gewaltigen Knall einschlagen, dass man die Erschütterung noch weit entfernt spürt. Dabei müsste sich der gebürtige Albstädter überhaupt nicht diesen Gefahren aussetzen. Er könnte gemütlich daheim oder an seinem Schreibtisch sitzen und vom nächsten Urlaub am Mittelmeer träumen. Stattdessen plant er bereits seinen 106. Hilfstransport in die Ukraine.
Was treibt einen Menschen an, sich Tag für Tag für andere einzusetzen und das eigene Leben zurückzustellen – sogar aufs Spiel zu setzen? Weshalb fährt Michael Maier seit über drei Jahren nach Rumänien und in die Ukraine, um Menschen und Tieren zu helfen – sieben Tage in der Woche, unzählige Stunden? „Ich habe meine Berufung gefunden“, versucht der 35-Jährige das zu erklären, was ihn seit Februar 2022 nicht mehr loslässt. „Es verändert einen, wenn man sieht, wie Kinder, Frauen und auch Männer dort mit dem Krieg leben, die keine Wahl haben. Man kann die Augen nicht zu machen. Die wenigsten von uns haben einen Krieg erlebt. Ich sehe mich in der Pflicht zu helfen“, führt Michael Maier aus.
Er begibt sich ständig in Lebensgefahr
Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE schildert er die Schrecken des Krieges, zeigt Videos, die er aufgenommen hat. Und plötzlich versteht man, was Michael Maier meint, wenn er die unaufhörlichen Bombardierungen mit dem Satz beschreibt: „Es ist wie eine schlechte Silvesterparty.“ An den Luftalarm gewöhne man sich recht schnell. Den gebe es auch gefühlt 24 Stunden am Tag. „Man ist fokussiert. Man ist angespannt“, fasst der deutsche Helfer zusammen. Denn schließlich sei es lebensgefährlich, der ständige Lärm der Bomben halle jedes Mal nach. Bei Einbruch der Dunkelheit sehe man in der Umgebung immer wieder Feuerbälle. Die Abwehrgeschütze rattern. „Es wird eine Generation von Kindern sein, die psychisch belastet ist“, sorgt sich Maier um die jungen Leute in der Ukraine.
Für Menschen und Tiere gibt es Spendenkonten
Durch die zwei gemeinnützigen Hilfsorganisationen, die Michael Maier, gegründet hat, kann er bei Spenden auch Zuwendungsbescheinigungen ausstellen.
Für ProMa Human gibt es das Spendenkonto mit der IBAN DE85 1001 0123 1574 6532 67 und der BIC QNTODEB2XXX.
Für ProMa Animal lautet das Spendenkonto: IBAN DE02 1001 0123 0651 7288 61 mit der BIC QNTODEB2XXX.
Jeden Tag, jede Nacht schlagen hunderte von Raketen ein, sodass man eigentlich nie sicher sei, erläutert der 35-Jährige. Und doch habe die Bevölkerung keine Wahl, denn sie muss ihrem Alltag nachgehen. Die Menschen müssen Geld verdienen und sich um ihren Lebensunterhalt kümmern – trotz des Krieges – denn eine Unterstützung vom Staat kennt man in dem osteuropäischen Land nicht. Die Mietpreise seien übrigens seit Kriegsausbruch um das Dreifache gestiegen. Es läuft laut Michael Maier nach dem Motto: „Friss oder stirb.“ So müsse man es sich übrigens auch im Nachbarland Rumänien vorstellen. Die Menschen leben im Dreck, haben kaum etwas, und doch sind sie hilfsbereit.

Der gebürtige Albstädter Michael Maier belädt unermüdlich die Fahrzeuge mit Hilfslieferungen für die Ukraine.
Michael MaierDort hat vor über drei Jahren das Hilfsprojekt für Michael Maier begonnen. Direkt nach Kriegsausbruch in der Ukraine bat er seinen Chef um drei Wochen Urlaub. Er lebte damals in der Schweiz und machte sich sofort auf den Weg, durfte aber nur bis zur Grenze und nicht ins Kriegsgebiet. In Rumänien hat er dann seine Hilfsgüter ausgeladen und die Menschen versorgt. So geht das nun schon seit dem Februar 2022, nur dass Maier inzwischen ein großes Netzwerk hat und längst dorthin fahren darf, wo die Kämpfe stattfinden. Er beliefert das Militär mit Medikamenten und Verbandsmaterial, bringt Süßigkeiten als Nahrung für die Seele. Dann wieder hat er Hilfsmittel für ein Kinderkrankenhaus in den Lkws, Babynahrung, Lebensmittel, Tierfutter. Bis auf fünf Kilometer näherte sich Michael Maier kürzlich auf seinem 105. Transport der russischen Grenze, versorgte Tierheime und Straßenhunde.
OP-Kittel und Tiernahrung
Zwei voll beladene Lkws hat er organisiert, mit Krankenhausbetten und medizinischem Material für die Kinderklinik in Lwiw, in Kiew belieferte er Tierschutzprojekte und in Charkiw erwartete man sehnsüchtig seine Ladung mit Lebensmitteln und Tiernahrung. Er selbst ist mit seinem Sprinter hinter den Lastern hergefahren, ebenfalls voll beladen. Inzwischen hat er viele Kontakte, auch zu Mitgliedern des Parlaments, verfügt über ein Lager, wo die Hilfslieferungen sortiert werden können. Alles muss organisiert – und auch bezahlt – werden. Seine Privatmittel hat Michael Maier längst in die Hilfsprojekte gesteckt und kürzlich auch zwei gemeinnützige Organisationen gegründet, damit er Zuwendungsbescheinigungen ausstellen kann.

Die Touren, die Michael Maier in der Ukraine ständig fährt, sind auf der Karte verzeichnet.
Michael MaierObwohl Maier im Zollernalbkreis aufgewachsen ist und inzwischen auch wieder hier lebt, kommen die wenigsten Spenden aus seinem Heimatlandkreis. Trotzdem freut er sich, dass er erst wieder die Zusage über 20 Europaletten mit OP-Kitteln erhalten hat. Viel kommt aus den Ballungsgebieten Stuttgart, Karlsruhe, Saarbrücken und auch aus Brandenburg, so Michael Maier. Vor allem bei der finanziellen Unterstützung merkt er mehr und mehr Zurückhaltung. Wenn, dann sind es Materialspenden. Aber immerhin braucht er auch wieder eine riesige Menge Tierfutter für die Auffangstationen in der Ukraine. Allein wenn er Lkws anmietet und volltankt, muss er dafür etwa 4500 Euro ansetzen. Er selbst arbeitet seit dreieinhalb Jahren komplett ehrenamtlich für die Sache.
Mit seinen internationalen Hilfsorganisationen möchte er künftig auch bei Naturkatastrophen helfen und nicht nur in Kriegsgebieten. Ein Visum für den Gazastreifen hat Michael Maier bereits gestellt, aber das sei nicht so ganz einfach, berichtet er. Und obwohl das alles auch für ihn eine enorme finanzielle und vor allem psychische Belastung ist, so nutzt er sein Improvisationstalent und seine mentale Stärke für seine Berufung: „Ich opfere quasi mein ganzes Leben der Sache.“

