Forschungsprojekt: Keine Po-Schmerzen mehr auf dem Fahrrad – Firma sucht Tester

Das Unternehmen "Everve" aus Albstadt startet ein Forschungsprojekt zum Thema „Fahrradsattel bei E-Bikes“. Sie möchten einen Sattel entwickeln, der sowohl bequem als auch recyclebar ist.
Everve- Everve aus Albstadt entwickelt nachhaltigen, recyclebaren E-Bike-Sattel mit optimalem Sitzkomfort.
- Forschungsprojekt mit Hochschule Aalen startet im Januar – Ziel: weniger Sattelwechsel, weniger Müll.
- Probanden für Sitzdruckmessung gesucht, Teilnahme kostenfrei, Messung in Albstadt.
- Interessierte E-Bike-Fahrer*innen senden Daten per E-Mail, Messungen finden im Januar/Februar statt.
- Nachhaltigkeit und „Made in Germany“ sind zentrale Werte des Projekts.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Jeder zweite Fahrradsattel wird in Deutschland weggeworfen. Das sind rund 500.000 im Jahr“, sagt Andreas Wolfer. Er ist Geschäftsführer des Sportbekleidungsgeschäfts „Everve“ in Albstadt. „Eigentlich sind wir im sportiven Bereich tätig, entwickeln Kleidung und Sättel für Rennräder.“
Jetzt öffnet sich das Unternehmen für ein neues Feld: Fahrradsattel, speziell für E-Bikes. „Eine Marktforschung mit Studie belegt, dass ein Bedarf da ist, aber es bisher keinerlei Messdaten gibt“, sagt Wolfer. Das möchte das Unternehmen ändern und hat dafür ein Bundesforschungsprojekt gemeinsam mit der Hochschule Aalen gestartet. Das Ziel soll sein, einen nachhaltigen, vollständig recyclebaren E-Bike Sattel zu entwickeln, der möglichst gut passt. Im Januar soll es losgehen.
„Verkaufen wir halt noch einen“
„Ein Fahrradsattel besteht aus verschiedenen Materialschichten, die sehr dicht miteinander verklebt sind“, erklärt Wolfer - unter anderem Kunststoff und Metall. Die einzelnen Schichten voneinander zu lösen, sei aufwendig und teuer, deswegen werden kaum Sättel recycelt. „Die Industrie freut sich, wenn der erste Sattel nicht passt. ‚Verkaufen wir halt noch einen zweiten‘“, kritisiert Wolfer. Das Resultat: Müllberge an unbenutzten Fahrradsätteln – Müllberge verschwendeter Ressourcen. „Die Hersteller wissen schon, dass die Sättel getauscht werden“, sagt Wolfer. Entsprechend wenig Fokus wird auf die Funktion des Sattels gelegt. Ein Teufelskreis, den Everve zu durchbrechen versucht.
„Wir kennen einen Professor von der Hochschule Aalen aus einem Vorläuferprojekt“, sagt Wolfer. Nach Vorstellung der Idee sei sehr schnell klar gewesen, dass daraus ein Forschungsprojekt entstehen könnte. „Die E-Bike-Industrie ist ein Massenmarkt. Mit unserem Know-How könnten wir etwas verändern“, betont Wolfer. Die Hochschule unterstützt das Projekt von wissenschaftlicher Seite und hilft mit, Prototypen von Fahrradsätteln zu erstellen und zu prüfen.

Immer mehr Menschen steigen auf E-Bikes um. Gerade in bergigen Gegenden erleichtert es das Fahrradfahren ungemein.
Leonie Asendorpf/dpa (Symbolfoto)Everve möchte einen Sattel entwickeln, der sofort passt, sodass Kunden erst gar nicht vor dem Problem stehen, den Fahrradsattel tauschen zu müssen. „Was wir hier machen, hat noch keiner gemacht, weil wir ein optimales Produkt entwickeln wollen“, betont Wolfer. Das Unternehmen ist derzeit auf der Suche nach Probandinnen und Probanden, die an der Messung teilnehmen. Die Personen müssen nicht zwangsläufig aus dem sportiven Bereich kommen. „Es wäre schön, wenn wir möglichst eine variantenreiche Teilnehmergruppe haben, die wir testen können.“
Gemessen wird der Sitzdruck
Ein Physiotherapeut wird die Messungen durchführen. „Wir haben die wesentliche Geometrie des Fahrrads übernommen und auf ein Messfahrrad übertragen“, erklärt Wolfer. Auf der Sitzfläche ist eine Messfolie angebracht, um den Sitzdruck zu ermitteln. „Der Druck ist das größte Problem, weshalb der Po irgendwann schmerzt.“
Die Probanden treten in die Pedale, als würden sie Fahrrad fahren. Bei der Fahrt werden neben dem Sitzdruck noch weitere Daten erhoben, dir für den Fahrkomfort eine Rolle spielen. „Mit den Daten arbeiten wir dann, um einen möglichst optimalen Sattel herzustellen“, erklärt Wolfer. „Der Sattel, den wir bei uns erzeugen, wird teurer sein. Das erfordert ein Umdenken auf dem Markt.“ Schon jetzt werde das Thema Nachhaltigkeit in bestimmten Kundenkreisen immer wichtiger. „Für unsere Kunden ist ‚Made in Germany‘ einer der größten Kaufaspekte.“
Möglichst kurze Transportwege
Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat sich Everve groß auf die Fahne geschrieben. „Wir entwickeln unsere Produkte komplett in Albstadt und verwenden nur Material, das aus Europa kommt, also möglichst kurze Transportwege hat“, erklärt Wolfer. „Anders als bei Fast Fashion versuchen wir, möglichst langlebige Produkte zu entwickeln.“
„Die Fahrradbranche sei in vielen Bereichen recht hemdsärmlig“, erklärt der Geschäftsführer. Oft herrsche die Einstellung: Macht einfach mal. So auch bei Sätteln: „Design und Preis stehen im Vordergrund. Die perfekte Position des Sitzens verstehen wenige wirklich gut“, sagt Wolfer. „Das Sitzen ist ein kompliziertes Thema, das muss man wissenschaftlich angehen, um die entsprechenden Kriterien anzupassen.“ Genau das soll nun im Bundesforschungsprojekt umgesetzt werden.
Um eine Teilnahme noch attraktiver zu machen, hat sich Everve ein Lockmittel überlegt: Die Teilnehmenden dürfen ihre privaten Räder zur Messung mitbringen, und Everve stellt sie auf den Körper angepasst ein. „Viele Radfahrer probieren ganz viel aus, um den optimalen Fahrkomfort zu finden, dabei ist die Ursache häufig nicht das Produkt selbst, sondern die Fahrradeinstellung“, sagt Wolfer. Die Messung im Wert von 100 Euro ist kostenfrei, im Anschluss bespricht ein Mitarbeiter mögliche Optimierungen mit den Probanden.
Wer kann mitmachen?
Everve schreibt: „Um zu einem möglichst optimalen Ergebnis beim Produkt zu kommen, ist es notwendig, sehr unterschiedliche E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer auszumessen. Geeignet sind Probanden, die komfortabel bis moderat sportlich auf Ihrem E-Bike fahren. Sie sollten zwischen 1,60 Meter und 1,95 Meter groß sein und etwa eine Stunde Zeit, sowie Ihr E-Bike mitbringen. Die Messung wird in der Goethestrasse 86 in 72461 Albstadt durchgeführt.“
Interessenten schreiben zur Teilnahme eine E-Mail an hello@everve.cc mit folgenden Angaben: Geschlecht, Alter, Körpergröße, Körpergewicht, Radmodell und Telefonnummer. Die Messungen sollen im Januar und Februar stattfinden.

