Flugsport Albstadt
: Die Fusion vor 60 Jahren beflügelte den Luftsport auf dem Degerfeld

Der Luftsportverein Degerfeld feiert Jubiläum. Ein Rückblick auf die Anfänge und die Highlights. Martin Schick, der Vorsitzende des Vereins, berichtet.
Von
swp
Albstadt
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Die „Stadt Ebingen“ im Rohbau, die „Albvogel“ in der Fertigmontage: D-9001 war das erste privat gebaute Segelflugzeug in der Bundesrepublik Deutschland.

Die „Stadt Ebingen“ im Rohbau, die „Albvogel“ in der Fertigmontage: D-9001 war das erste privat gebaute Segelflugzeug in der Bundesrepublik Deutschland.

LSV Degerfeld
  • LSV Degerfeld feiert 60 Jahre: Fusion von Ebingen, Tailfingen und Bitz am 25. Mai 1966.
  • Dieter Beck erinnert die klare Zustimmung zur Fusion – sie machte den heutigen Betrieb möglich.
  • Der Verein wuchs stark: heute rund 250 Mitglieder und etwa 15 Motor- und Segelflugzeuge.
  • Rund 15 ehrenamtliche Fluglehrer sichern Ausbildung für Menschen von 14 bis 90 Jahren.
  • Historie reicht bis 1923 zurück, Degerfeld wurde ab 1956 ausgebaut und kontinuierlich erweitert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Liebeshochzeit war es nicht. Aber auch aus einer Vernunftehe kann etwas Bleibendes entstehen: Der Luftsportverein (LSV) Degerfeld feiert sein 60. Jubiläum. Am 25. Mai 1966 war er aus der Fusion der einstigen Fliegergruppen Ebingen, Tailfingen und Bitz hervorgegangen. Heute zählt er zu den großen und prosperierenden Vereinen seiner Art in Baden-Württemberg.

Dieter Beck sieht zufrieden aus. Er hat einen schönen Flug gehabt mit seiner „ELLA“. Jetzt steht das Motorflugzeug, eine Morane, wieder geputzt in seiner Box. Dieter Beck (83), der Pilot, gönnt sich noch ein Feierabendbier, der Blick schweift zwischen den Hallen hinüber auf die Piste. Der Segelflug-Schulbetrieb läuft noch. „Schau es Dir an. Alles tipptopp, toller Flugplatz, toller Verein. Aber wenn die Abstimmung über die Fusion damals anders ausgegangen wäre, gäbe es das hier alles in der Form nicht“, sagt er.

Wegweisende Versammlung

Beck, Jahrzehntelang Fluglehrer, Vorstandsmitglied im LSV und Mitglied im Präsidium des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands, war mit dabei in der wegweisenden Versammlung, die sich jetzt zum 60. Mal jährt. An den denkwürdigen Abend erinnert er sich noch gut. Die Stimmung empfand er als unaufgeregt, das Ergebnis war am Ende quer durch alle Mitgliederreihen überwältigend eindeutig: Ein klares Ja zum Zusammenschluss. „Alles andere ist Geschichte“, findet Beck.

Segelflieger über dem Ebinger Schlossfelsen. Ende der 1950er-Jahre begann der Leistungssegelflug im heutigen Raum Albstadt.

Segelflieger über dem Ebinger Schlossfelsen. Ende der 1950er-Jahre begann der Leistungssegelflug im heutigen Raum Albstadt.

LSV Degerfeld

Ganz so einfach war es allerdings nicht gewesen. In den Monaten zuvor hatten Visionäre wie Rudolf Diemer hinter den Kulissen viele Gespräche geführt und Überzeugungsarbeit geleistet. Eine schwierige Mission. Denn die Flieger aus Bitz, Ebingen und Tailfingen teilten nicht nur die Leidenschaft zum Fliegen und das Degerfeld als gemeinsames Flugfeld, sondern sie waren sich auch in herzlicher Rivalität und gegenseitiger Abneigung verbunden. Was sie allerdings auch einte: die Not und das Wissen um die Grenzen der eigenen Möglichkeiten.

Animositäten überwunden

„Die Bitzer und Tailfinger hatten vielleicht um die 25 Mitglieder, die Ebinger wohl um die 50. Die Gerätschaften wie Startwinden waren in einem desolaten Zustand, der jeweilige Flugzeugpark bunt zusammengewürfelt“, so Dieter Beck. „Jedem war klar, dass da auf Dauer nicht viel rauskommen kann.“ Also überwanden die drei Fliegergruppen ihre Animositäten und setzten auf Zusammenarbeit. Was Vertrauen schuf: Jede Fliegergruppe stellte einen Vorstand für ein Triumvirat. Zum Vorsitzenden wurde seinerzeit Rudolf Diemer (Ebingen) gewählt. Seine Stellvertreter waren Wilhelm Conzelmann (Balingen) und Hans Schick (Bitz). Die Satzung für den neuen Verein hatte übrigens Theodor Ambacher ausgearbeitet, langjähriger Bitzer Bürgermeister und selber Mitglied der Bitzer Flieger und des neuen LSV Degerfeld. Außerdem gab es die Option, den neuen gemeinsamen Verein nach einem Jahr wieder verlassen zu können.

Das war allerdings nie ein Thema. Denn der LSV entwickelte sich rasant. Schritt für Schritt wurden Hallen und Werkstattgebäude samt Gaststätte gebaut, der Flugzeugpark samt Gerätschaften modernisiert. Heute hat der Verein rund 250 Mitglieder und etwa 15 Motor- und Segelflugzeuge für praktisch alle Ausbildungswege und Ambitionen. „Das wäre ohne die Fusion nicht möglich gewesen“, sagt der heutige Vorsitzende Martin Schick.

Der Flugplatz Degerfeld 1979 aus der Vogelperspektive.

Der Flugplatz Degerfeld 1979 aus der Vogelperspektive.

LSV Degerfeld

Rund 15 ehrenamtliche Fluglehrer und unentgeltlich tätige Mitglieder in Vorstand, Technik und Instandhaltung sowie Administration machen es möglich, dass die Idee der Gründerväter bis heute gelebt werden kann: Jedermann das Fliegen zu ermöglichen, zu sehr günstigen Konditionen in die Luft zu kommen. „Unsere Mitgliederstatistik bildet die breite Gesellschaft ab. Wir haben Schüler, Jugendliche, Auszubildende, Beamte, Angestellte, Rentner und Selbstständige in unseren Reihen. Unsere Piloten sind zwischen 14 und 90 Jahre alt“, so Schick.

Heute ist der LSV Degerfeld der Heimatverein für Flieger aus dem gesamten Zollernalbkreis und darüber hinaus. Über die Jahrzehnte sind nicht nur die Flugzeuge immer effizienter, sicherer und leistungsfähiger geworden. Auch der administrative Aufwand hat, wie in allen Sportvereinen, extrem zugenommen. „Kleinere Luftsportvereine tun sich sicher schwerer, das leisten zu können“, so Schick, dessen Vater Hans bei der Fusion ebenfalls dabei war. „Für ihre weitsichtige Entscheidung damals sind wir ihnen daher noch heute sehr dankbar.“

Die Geschichte des Luftsports im Raum Albstadt

Wenngleich der LSV Degerfeld sein 60. Jubiläum feiert, reicht die Geschichte des Luftsports im heutigen Raum Albstadt viel weiter zurück. Bereits 1923 schlossen sich eine Handvoll Leute zusammen, um sich den Traum von der Fliegerei zu verwirklichen. 1926 wurde in der Sigmaringer Straße in Ebingen, wo heute ein Supermarkt steht, der erste Flugplatz angelegt. Triebfeder war Anton Riediger, späterer Flugkapitän. Der erste öffentliche Großflugtag fand zur Eröffnung statt.

Ende der 20er-Jahre gab es bereits regelmäßigen Segelflugbetrieb in Albstadt. Die Fliegergruppen Ebingen, Bitz und Tailfingen starteten am Mehlbaum, am Heerberg, um Bitz, Tailfingen, Hermannsdorf und Onstmettingen. Eine feste Heimat hatten sie nicht. Die Gleiter waren in privaten Garagen untergestellt, wurden bei jedem Flugtag an einen geeigneten Hang gebracht und dort aufgebaut.

Die Geschichte des heutigen Fluggeländes begann mit einem Treffen der Flug- und Arbeitsgruppen (FAG) Bitz, Ebingen, Hechingen und Balingen auf dem Degerfeld. Die sanfte Mulde im Karstgebiet des Schwäbischen Jura, 900 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, sagte den Segelfliegern zu. 1935 brachte Rudolf Diemer aus Rossitten die Anregung für eine Motorwinde mit, die umgesetzt wurde. Mit Ausklinkhöhen von 200 Metern war ein weiterer Schritt gelungen, der Einstieg in den thermischen Segelflug.

Die Zeit des Leistungssegelflugs im heutigen Raum Albstadt begann, ehe der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Privatfliegerei bis 1950 am Boden lag. Die Flugbegeisterten auf der Alb ersehnten sich den Tag herbei, an dem die Alliierten das Flugverbot für alle Deutschen wieder aufhoben. Sie sammelten sich um Anton Riediger und Rudolf Diemer. In Ebingen wurde mit dem Bau eines einsitzigen Seglers Grunau Baby III begonnen. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-9001 war das erste selbstgebaute Segelflugzeug in der Bundesrepublik Deutschland. Erststart war 1951 auf dem Klippeneck.

In Ebingen wurde ein Doppelsitzer MÜ 13E gebaut, in Tailfingen ein Schulgleiter SG 38. Die Fliegergruppe Bitz hatte einen Doppelraab im Bau. Der Zufall brachte Julius Johann, Flugzeugbauer, nach Ebingen. Seine Kenntnisse und Erfahrungen beflügelten die Entwicklung auf dem Degerfeld. In mühevoller Kleinarbeit und durch die Flurbereinigung konnten die heutigen Platzverhältnisse geschaffen werden.

Die Stadt Taiflingen stellte eine Baracke zur Verfügung. Sie wurde die erste Unterkunft für Flieger, Maschinen und Geräte auf dem Degerfeld. Der Baden-Württembergische Luftsportverband finanzierte im Land vier große Segelflugzeughallen, eine davon auf dem Degerfeld. 1956 wurde sie eingeweiht. 1957 kam das erste Motorflugzeug, eine Piper L4, auf den Platz, 1966 wurden die Boxenhalle und die Flugleitung mit dem Turm errichtet, 1974 die heutige Flugplatzgaststätte. Später kamen zwei weitere Hallen und die Werkstatt dazu.