Feuerwehr in Albstadt
: 2023 verzeichnet die Feuerwehr erneut mehr Einsätze

„Mein Job ist, Sicherheit für die Bevölkerung herzustellen“, sagt Stadtbrandmeister Michael Adam. Doch das gelingt ihm nur, wenn die Feuerwehr Albstadt auch gut ausgerüstet und ausgebildet ist.
Von
Rena Weiss
Albstadt
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  • Die Feuerwehrabteilungen Onstmettingen und Tailfingen erhielten jeweils ein neues Löschgruppenfahrzeug. Jedes Fahrzeug kostete etwa 600 000 Euro, wovon je 92 000 Euro vom Land gefördert worden.⇥

    Die Feuerwehrabteilungen Onstmettingen und Tailfingen erhielten jeweils ein neues Löschgruppenfahrzeug. Jedes Fahrzeug kostete etwa 600 000 Euro, wovon je 92 000 Euro vom Land gefördert worden.⇥

    Rena Weiss
  • Stadtbrandmeister Michael Adam ist stolz auf seine Wehr.⇥

    Stadtbrandmeister Michael Adam ist stolz auf seine Wehr.⇥

    Rena Weiss
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Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für die Albstädter Feuerwehr: 477 Einsätze musste sie verbuchen. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es 435 Einsätze, schon damals eine Steigerung zum Vorjahr. Das liegt unter anderem an dem immer größer werdenden Aufgabengebiet der Wehr. Um die vielfältigen Aufgaben zu meistern, setzt die Albstädter Feuerwehr auf die Gewinnung neuer Freiwilligen sowie die Ausbildung, sagt Stadtbrandmeister Michael Adam. Unterstützt wird sie dabei von der Stadt. So zuletzt im Herbst vergangenen Jahres als ihnen zwei neue Fahrzeuge übergeben worden sind (siehe Infokasten).

Schon im noch jungen Jahr 2024 hat die Albstädter Wehr einen Großeinsatz gehabt

„Wir haben ein tolles Verhältnis“, sagt Adam beispielsweise über Steve Mall, der sich als Finanzbürgermeister für die Belange der Wehr einsetzt. Auch bei dessen Chef, Oberbürgermeister Roland Tralmer sei ein echtes Interesse an der Arbeit der Freiwilligen da. „Er signalisiert uns, dass wir ein wesentlicher Teil seiner Stadt sind.“ Das motiviere die Kameradinnen und Kameraden. „Das Interesse und Engagement von den Herren Mall und Tralmer an der Feuerwehr habe ich die 17 Jahre davor so nicht erlebt.“ Dadurch hätten sich die Prioritäten auf positive Weise verschoben, zum Wohle der Feuerwehr und letztendlich zum Wohle der Stadt und der Bevölkerung, betont Adam.

Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Stadt ist nicht einseitig. Für Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser wird vor allem die finanzielle Stütze der Stadt benötigt. Dafür achtet der Stadtbrandmeister, dass er bei anderen Dienstleistungen Kontakte spielen lässt und auf Kooperationen setzt. „Wenn wir uns die Dienstleistungen, die wir jedes Jahr benötigen, extern einkaufen würden, dann würde unser Budget hinten und vorne nicht reichen.“ Er setzt daher gerne auf die Begeisterung einzelner und ein großes Netzwerk. Kommt das nötige Kleingeld hinzu, könne die Wehr Unglaubliches leisten, so Stadtbrandmeister Adam.

300 aktive Feuerwehrfrauen und -männer

Wie zwar monetär gespart werden kann, aber nicht qualitativ, zeigt die Ausbildung der mehr als 300 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen. Seit Jahren hat die Albstädter Wehr eine Ausbildungsgemeinschaft mit den Balinger Kollegen. So wird einander beispielsweise in Funk und Atemschutz ausgebildet und der Blick über den eigenen Tellerrand gefördert. Etwas, was Adam wichtig ist. „Ich komme von der Landesfeuerwehrschule und habe dort zehn Jahre unterrichtet. Ich weiß, wie wichtig das Thema Ausbildung ist.“ Mit Stolz kann er sagen: „Albstadt hat kein Ausbildungsdefizit.“

Doch wie sieht es mit Nachwuchssorgen aus? Der demografische Wandel und die Vielzahl an Angebote, die eigene Freizeit zu gestalten, machen auch vor der Feuerwehr nicht halt. Auch hier kann sich Adam nicht beschweren. Als er vor etwa 17 Jahren in Albstadt angefangen hatte, waren es 278 Einsatzkräfte, jetzt sind es 305. Während die Entwicklung im Land in eine andere Richtung geht, hält Albstadt also nicht nur den Stand, sondern kann die Zahl der Mitglieder sogar noch steigern.

„Das ist ganz klar unserer Jugendarbeit geschuldet.“ Er lobt das Engagement der Jugendwarte und der Abteilungsführung. Etwa 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen bei der Wehr bleiben auch dabei, weiß der Stadtbrandmeister.

Seit Januar 2023 gibt es in Albstadt die Albdrachen. Das ist eine Gruppe von etwa 15 Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren. Eine Idee, die etwa dem Fußball entsprang. Dort bemühen sich zahlreiche Vereine bereits in der F-Jugend um Vereinsnachwuchs. „Oft ist es so, dass Kinder und Jugendlichen zu den Vereinen, die zuerst da waren, die größte Bindung haben.“ Je älter die Kinder werden, umso weniger Zeit bleibt, um weitere Hobbys und Leidenschaften zu verfolgen. „Sie sollen bei uns einfach Spaß haben und spielen“, sagt Adam über die Kindergruppe, die von seiner Frau geleitet wird. Neben Spielen werden ihnen Kameradschaft und Teambildung vermittelt, gespickt mit Übungen, die sie der Arbeit der Einsatzkräfte näherbringen.

Bald wird es einen neuen Stadtbrandmeister geben

So sieht Michael Adam die Albstädter Feuerwehr auch für die Zukunft gerüstet. Die wird sie in etwa einem Jahr ohne ihn bestreiten müssen, denn mit 60 Jahren wird seine Amtszeit als Brandmeister enden. Seine Arbeit beinhaltet dabei nicht nur Einsätze, sondern eine Vielzahl an Dokumentationen und Prüfungen der Gerätschaft. „Weil es dabei um Sicherheit geht, betreiben wir hier einen Riesenaufwand.“ Das sollte eine Nachfolgerin oder Nachfolger können. Hinzukommt Verständnis für das Budget, Loyalität zum Arbeitgeber, lösungsorientiert und ein Team-Player sollten die Bewerber sein. Schließlich umfasst die Albstädter Feuerwehr etwa 500 Ehrenamtliche. „Es ist das tödlichste, was man machen kann, wenn man zur Feuerwehr geht und meint, das mache ich für mich“, stellt Adam zudem klar. „Ohne mein Team kann ich nichts erreichen.“

Neue Fahrzeuge, neues Feuerwehrhaus

„Gut angelegtes Geld“, sagte Oberbürgermeister Roland Tralmer bei der Übergabe der beiden Fahrzeuge an die Abteilungen Tailfingen und Onstmettingen. So seien die Abteilungen optimal ausgerüstet, weil sie, so der OB, „für uns alle den Kopf und ihre Gesundheit hinhalten“. Die Fahrzeuge entsprechen dem neuesten Stand und ersetzen in Onstmettingen ein Fahrzeug von 1996 und in Tailfingen von 2000.

Stadtbrandmeister Michael Adam und die Feuerwehr legten beim Feuerwehrbedarfsplan Wert darauf, dass der Fahrzeugbestand nicht überaltert. Das gilt jedoch auch für die Gebäude, in denen die Fahrzeuge untergebracht werden. „Manche Plätze sind suboptimal, weil sich die Infrastruktur verändert hat“, erklärt Adam.

In Lautlingen beispielsweise ist das Feuerwehrhaus mitten im Ort an einer schwer befahrenen Straße und schwer einsehbaren Kreuzung. Fast zehn Jahre habe man ein Grundstück oder passendes Objekt gesucht. Nun hat eine Firma ein Grundstück auf der grünen Wiese hergegeben. „Die Planungen laufen.“ Schließlich werde dringend ein neues Fahrzeug benötigt, doch im bisherigen Haus, das mehr als 30 Jahre alt ist, fehlt der Platz.

Allerdings sieht der Haushalt der Stadt derzeit nicht rosig aus. „Wenn das Geld nicht da ist, müssen wir es schieben“, hat Adam Verständnis. Einsatzfähig bleibe die Wehr dennoch.