CSD in Albstadt
: Bunte Kundgebung verläuft friedlich – unangemeldete Versammlung nicht

Am Freitag versammelten sich Hunderte zum Christopher Street Day (CSD) in Albstadt-Ebingen. Auch die Gegendemo verlief weitgehend friedlich – im Gegensatz zu einer weiteren Versammlung, die nicht angemeldet war.
Von
Isabelle Jahn
Albstadt-Ebingen
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Christopher Street Day - Magdeburg: ARCHIV - 24.08.2024, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Teilnehmer gehen beim Christopher Street Day (CSD) mit Regenbogenfahnen durch die Innenstadt von Magdeburg. Zum CSD in Zeitz kamen Hunderte Menschen. 
Regenbogen-Flaggen kommen häufig vor auf solchen Demos. (zu dpa: «CSD-Parade zieht mit 600 Personen durch Zeitz») Foto: Heiko Rebsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Bunte und Queere ist im Zollernalbkreis angekommen. Gut 400 Teilnehmer waren es beim ersten Christopher-Street-Day. Der war weniger von der rechten Gegendemo gezeichnet und mehr von etwa 250 Linken.

Heiko Rebsch/dpa (Symbolbild)

Diversität und Toleranz feiern, war das Ziel beim ersten Cristopher Street Day (CSD) am Freitag, 6. September, in Albstadt-Ebingen (Zollernalbkreis). Die „Demonstration für Vielfalt und ein Buntes Albstadt“, die ab 18.30 Uhr auf dem Bürgerturmplatz stattfand, war mit bis zu 400 Personen nach Schätzungen der Polizei die größte an dem Abend und verlief laut Polizeibericht „ohne besondere Vorkommnisse“. Anschließend habe die LGBTQIA+-Community friedlich gefeiert, es gab eine queere Party im KulTurm.

Vermummter Teilnehmer bei Demo gegen CSD

Gegendemonstranten verfolgten unter dem Motto „Nein zum Genderwahnsinn: Kinder und Zukunft schützen“ vor dem Rathaus in der Marktstraße zeitgleich entgegengesetzte Ziele. Zu der Versammlung hatten mehrere Organisationen, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft, in den Sozialen Medien aufgerufen – auch die lokale Gruppierung „Zollern-Jugend Aktiv“, die Teil der Identitären Bewegung ist. Im Gegenzug hatte im Vorfeld die „Initiative gegen Rechts Albstadt“ in den im Netz vor der Gegendemo gewarnt, die „Zollern-Jugend Aktiv“ sei eine Nazigruppe.

Die Polizei hielt die Gruppen planmäßig auf Abstand und begleitete die Gegendemonstranten durch die Innenstadt zurück zum Ausgangspunkt. Währenddessen waren zeitweise Straßen gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Die Versammlung mit etwa 70 Personen endete vor dem Rathaus gegen 19.10 Uhr. Gegen einen Teilnehmer, der sich vermummt hatte, wurde ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet. Möglicherweise gab es weitere Verstöße, das prüft die Polizei.

Weniger glimpflich verlief eine weitere Versammlung gegen 18 Uhr vor dem Bahnhof in Ebingen, die nicht angemeldet war: Laut Polizei bewegten sich rund 250 Personen, die„ größtenteils dem linken Spektrum“ zuzurechnen seien, gemeinsam und unter Polizeibegleitung lautstark in die Innenstadt. Im Bereich Bahnhofstraße / Kurt-Georg-Kiesinger-Platz stoppten die Einsatzkräfte den Pulk, um ihn vom Aufzug der Gegendemonstration getrennt zu halten.

Polizei bringt 24-Jährige zu Boden

Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen: Die Einsatzkräfte setzten kurzzeitig Pfefferspray ein, da dem Bericht zufolge aus der Gruppe heraus nach den Beamten getreten worden war. Zudem umschlossen die Polizisten vorübergehend circa 60 Personen. Eine 24-Jährige wurde verletzt, als die Beamten sie zu Boden brachten – die Frau wollte laut Mitteilung die Polizeiabsperrung durchbrechen. Sie wurde vom angeforderten Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Eine 19-Jährige, die demnach „die Einsatzkräfte beleidigte und Widerstand gegen die Identitätsfeststellung leistete“, wurde in Gewahrsam genommen, um die Personalien zu ermitteln. Jetzt laufen Strafverfahren. Für eine Gleichaltrige, die über gesundheitliche Probleme klagte, wurde ebenso ein Rettungswagen angefordert. Schließlich begab sich der Großteil der Gruppe wieder zum Bahnhof und reiste ab.

Gegen 19.50 Uhr bewegte sich erneut ein lautstarker Aufzug, diesmal mit 30 Teilnehmern der vorausgegangenen Gegendemonstration, von der Unteren Vorstadt über die Poststraße zum Rathaus und weiter zur Endstation Hohenzollernstraße. Diesen hatte die Polizei genehmigt und begleitet.

Die Einsatzmaßnahmen führte das Polizeipräsidium Reutlingen unter Federführung des Polizeireviers Albstadt durch und wurde von Kräften des Polizeipräsidiums Einsatz sowie der Bundespolizei unterstützt.