DAA Albstadt: Die Notlösung war am Ende gar keine

Kirsten Kistner (links) übergibt den Staffelstab als Leiterin der DAA Albstadt an Sonja Allgaier.
Martin Kistner- Wechsel in Albstadt: Kirsten Kistner übergibt die Leitung der DAA an Sonja Allgaier.
- Kistner war 28 Jahre bei der DAA, davon 27 Jahre Leiterin des Kundenzentrums Albstadt.
- Aus kleiner Basis wuchs das Angebot – heute mit Jugendbegleitung, Coaching, Deutschkursen und Pflegeschule.
- Standorte Balingen und Rottweil kamen hinzu, das Team wuchs von sechs auf über 70 Mitarbeitende.
- Kistner bleibt als Lehrkraft aktiv. Bei der Feier gab es Lob von DAA, Agentur für Arbeit und Kolleginnen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der erste Kontakt im Frühjahr 1998 fiel gelinde gesagt, reserviert aus. Thomas Wild, seinerzeit Leiter der DAA Stuttgart, hatte, wie er bei der Verabschiedungsfeier in seiner Laudatio gestand, Kirsten Walter – so hieß sie damals – schlicht verwechselt, und zwar mit einer Dame, die nicht ganz oben in seiner Gunst stand. In seinem Brief an die neue Mitarbeiterin machte er kein Hehl daraus, dass er sie als Notlösung ansah. „Wir beide wissen, die DAA hat zurzeit nicht viele Alternativen in Albstadt“, hieß es, und weiter: „Ob daraus etwas Dauerhaftes wird, vermag ich heute noch gar nicht zu sagen.“ Zugkräftige Motivation sieht ein wenig anders aus.
Es wurde dann doch noch „etwas Dauerhaftes daraus“: 28 Jahre lang war Kirsten Kistner Mitarbeiterin der DAA in Albstadt, 27 davon als Chefin. Das eher bescheidene Programm, das der Fort- und Weiterbildungsträger seinerzeit in Albstadt vorzuweisen hatte, eine Übungsfirma für berufliche Wiedereinsteiger und – primär – -einsteigerinnen sowie einen „Job-Club“ für Kurzzeitarbeitslose, nahm im Lauf der Jahre ungeahnte Dimensionen an. Im Jahr 2026 begleitet die DAA Albstadt Jugendliche auf dem Weg in den Beruf, coacht Langzeitarbeitslose, schult Berufsrückkehrer um, bietet Deutschunterricht für Fremdsprachler an und betreibt in Ebingen eine eigene Pflegeschule. Zum Standort Albstadt sind Balingen und Rottweil hinzugekommen, die Zahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist von einem halben Dutzend im Jahr 1998 auf über 70 angewachsen – und natürlich ist auch das Geschäftsvolumen um ein Vielfaches gestiegen.
„Herzblut“ und menschliche Wärme eingebracht
Wer so etwas zustande bringt, kann keine Notlösung gewesen sein. Sabine Herfert, Thomas Wilds Nachfolgerin in Stuttgart, bescheinigte Kirsten Kistner in ihrer Abschiedsrede Professionalität, Kompetenz, Tatkraft, Souveränität in Turbulenzen, die in 28 Jahren nicht ausbleiben können, dazu „Herzblut“ und menschliche Wärme. Markus Thum, Herferts Stellvertreter, rühmte den „libertären Geist“ und die Diskussionsbereitschaft und Offenheit der scheidenden Kollegin, und Sonja Allgaier, die Nachfolgerin, Kistners Kollegialität und unbedingt wertschätzende Art, die freilich hohe Ansprüche an die Mann- und Frauschaft nicht ausschlossen: „Manchmal war sie auch anstrengend.“
Die Abschiedsgrüße des mit Abstand wichtigsten DAA-Kunden, der Agentur für Arbeit, überbrachte Anke Traber. Die frühere Balinger und heutige Konstanzer Statthalterin der Agentur war in Begleitung von Willi Schreyeck gekommen, der 1998 Arbeitsamtschef in Albstadt war; bei beiden hat Kistner die erste Begegnung in lebhafter Erinnerung: Schreyeck war an einem anstrengenden Arbeitstag fünf Minuten vor Dienstschluss unangemeldet hereingeschneit, um der Neuen auf den Zahn zu fühlen, und Kistner hielt ihn zuerst für einen „Kunden“, sprich, einen Arbeitslosen: „Oje, dachte ich, und dann: Naja, so wie der aussieht, krieg’ ich ihn schnell vermittelt.“ Wie sich herausstellte, war das nicht nötig. An Anke Traber fiel ihr auf den ersten Blick primär das extravagante Schuhwerk auf – 27 Jahre später nahm Traber den Ball auf, indem sie zur Verabschiedung in extraklobigen Crocs erschien und die dann am Mikrofon mit hochhackigen Stiefeletten vertauschte. „Laufen kann man darin aber nicht.“ Ihr Abschiedsgeschenk an die „Bildungsregisseurin und -gestalterin“ Kistner: ein kleines Theatermodell samt Eintrittskarten fürs Große Haus in Stuttgart.
Als Lehrkraft bleibt Kirsten Kistner erhalten
„Berührt, bewegt, glücklich“ sei sie, bekannte Kirsten Kistner nach so viel Lob, und dass sie es tatsächlich war, belegte allein schon ihr Verbrauch an Zewa-Taschentüchern: Die Box, die ihr die Kolleginnen vorsichtshalber hingestellt hatten, war halbleer, als sie ans Mikro trat. Ihr Dank galt allen im Saal – auch den Vertretern der Mitbewerber –; wofür, das verdeutlichte sie mit Hilfe eines dänischen Kurzfilms, in dem ganz verschiedene Menschen Fragen zu sich selbst beantworten, aus sich herausgehen und am Ende zu gegenseitigem Verständnis und zu Gemeinsamkeit finden. Diese unschätzbare Erfahrung habe auch sie machen dürfen, in vielen Jahren bei der DAA. Die übrigens noch nicht zu Ende sind: Als Chefin hört Kirsten Kistner auf, als Lehrkraft wird sie der DAA und Albstadt erhalten bleiben.
