Containerdorf in Albstadt: Container für Flüchtlinge beim Thalia: Einfach „Nein“ sagen geht nicht

So etwa werden die Zimmer aussehen.⇥
Volkmar KönnekeWarum gerade auf Albstädter Gemarkung, genauer gesagt auf dem Thalia-Areal, eine Containerunterkunft für rund 100 Geflüchtete entstehen soll, war ein Kompromiss, wie Oberbürgermeister Roland Tralmer informierte.
Der Technische Ausschuss setzte sich am Dienstagabend kurz mit dem Bauantrag des Landratsamtes Zollernalbkreis auseinander. Denn der Kreis ist Bauherr. Damit hat sich auch die provokante Frage von Stadtrat Friedrich Rau erübrigt, ob man wolle, dass sein eigenes Bett neben seinem stehe. Bei Vier-Bett-Zimmern kann man sich seinen Zimmergenossen eben nicht immer aussuchen. Aber die Ausgestaltung ist Sache des Landkreises als Bauhern.
Nicht für die Ewigkeit
„Wir legen Wert darauf, dass dies keine Einrichtung für die Ewigkeit ist, sondern für zwei bis drei Jahre, und dass der Kreis eine entsprechende Sicherheitskonzeption in den Vertrag mit einbaut und auch für diese Kosten aufkommt“, stellte Oberbürgermeister Tralmer klar.
Alternativen für den Kreis hätten sich kaum ergeben, da Anmietungen einerseits an der Verfügbarkeit, dem Preis oder notwendiger Umbaumaßnahmen gescheitert seien und andererseits ein Quartier im Grünen wenig sinnvoll sei, so der Rathauschef. Er wurde noch deutlicher: „Es gibt immer noch die Fantasie, man könne die Flüchtlinge irgendwo in der Botanik, beispielsweise beim ehemaligen Nachtclub Kolibri, unterbringen, einen Zaun ziehen und Sicherheitskräfte herumstellen.“ Dies fördere Tralmers Ansicht nach die sozialen Konflikte. Mit Landrat Günther-Martin Pauli sei er sich einig, dass man nicht unbedingt an die maximale Auslastung gehen solle und den Personenkreis gut auswählen.
Hoffen auf Berlin
CDU-Stadtrat Olaf Baldauf hofft, dass „die Nachbargemeinden ähnlich viel Raum zur Verfügung stellen und Berlin bald entsprechende Maßnahmen ergreift“. „Wir werden nicht in der Lage sein, den ungebremsten Zustrom zu verkraften, wie er derzeit noch immer stattfindet“, war Tralmer mit ihm einig. Doch es gelte, vor Ort in der schwierigen Lage zum Wohl der Geflüchteten und der Einwohnerschaft zu handeln. Auch wenn viele Gerüchte und Forderungen in der Stadt kursieren würden, man habe tatsächlich nicht die Wahl „nein“ zu sagen, so der Oberbürgermeister. Die Modulbaukörper können nach der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft zurückgebaut und einer anderen Funktion zugeführt werden. Auf alle Fälle sei diese Lösung immer noch besser als eine Sporthalle zu belegen, waren sich alle einig.
Baudaten zum Containerdorf
Die Containerunterkunft in Holzkonstruktion soll 26 Zimmer mit jeweils 16 Quadratmetern Fläche beinhalten. Da in jedem Zimmer zwei Stockbetten geplant sind, bietet die Unterkunft Platz für etwa 100 Geflüchtete. Auf die zwei Geschosse mit einer Gesamthöhe von zirka 7,35 Metern kommt ein Pultdach. Der umbaute Raum misst demnach bei einer Länge von 36 Metern und einer Breite von 13 Metern etwa 3200 Kubikmeter. Auch Gemeinschaftsräume für den Aufenthalt und zum Kochen soll es geben. Die Entwässerung erfolgt über einen Mischwasserkanal und geheizt wird mit elektrischen Infrarotflächenheizungen. Ein 24 Quadratmeter großes Müllhaus wird ebenfalls auf dem Gelände entstehen, das komplett eingezäunt sein wird.
