Black Friday im Zollernalbkreis: „Kein Anlass zur Panik“

Am „Black Friday“ endet die Jagd nach Rabatten nicht vor dem heimischen Computer-Bildschirm, sondern setzt sich auch in die Innenstädte fort. (Symbolbild)
NIBOR/actionpress- Der Einzelhandel im Zollernalbkreis beteiligt sich nicht an der „Black Week“.
- Manuela Früholz und Rainer Weith aus Albstadt und Hechingen sehen die Rabattschlacht kritisch.
- Einzelhändler verlieren in Deutschland durch „Black Friday“-Aktionen bis zu 300 Millionen Euro Profit.
- Viele Kunden erwarten hohe Rabatte, was den Umsatz im Vorfeld hemmt.
- Einzelhändler in Balingen planen keine gemeinsamen Aktionen zum „Black Friday“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Rabattschlacht ist in vollem Gange. Zumindest im World Wide Web versuchen sich die Händler zu übertrumpfen. 64 Prozent Rabatt gibt es hier auf Kopfhörer, sogar 20 Prozent wird beispielsweise auf Steuersoftware nachgelassen. Auch Möbelhäuser locken mit 49 Prozent Ersparnis und „Kracher-Preisen“ – also per Brief, nicht per Anzeige im Netz. Die Rabattjagd ist also längst eröffnet in der gesamten „Black Friday Week“. Zur Erinnerung: Der diesjährige „Black Friday“ ist am Freitag, 29. November. Doch macht da auch der lokale Einzelhandel mit?
In Albstadt und Hechingen gibt es, das sagen die entsprechenden Verantwortlichen des Handels- und Gewerbevereins (HGV) respektive des Stadtmarketings, keine konzertierte Aktion. Spürbar ist die Rabattwoche aber trotzdem, allerdings eher im negativen Sinne, wie Manuela Früholz vom Albstädter HGV berichtet: „Der Umsatz geht da schon zurück in der Woche“, hat sie beobachtet. Das tue dem Einzelhandel generell nicht gut, zumal es dereinst ja nur der besagte „Black Friday“ selbst war, mittlerweile lockt eine komplette Woche mit Abschlägen. „Das ist langsam nicht mehr normal“, stellt Früholz konsterniert fest. Viele Konsumenten würden „einen Haufen Zeit“ im Netz erbringen auf der Suche nach den günstigsten Angeboten, mitunter hole man sich noch vor Ort Beratung ab und kaufe danach online ein. Albstadts HGV-Chefin übt sich im Angesicht der Gesamtlage – auch Personal finde man ja keines mehr – fast schon in Defätismus: „Ich bin gespannt, wie lange es den Einzelhandel in den Innenstädten noch gibt“, klagt sie.
Umsatz drumherum gehemmt
Ganz so düster zeichnet Rainer Weith die Lage nicht. Der Hechinger ist zweiter Vorsitzender im Stadtmarketing und blickt eher ablehnend auf solche Rabattaktionen. „Ich mache da grundsätzlich nicht mit. Wir bewegen uns jetzt in Richtung Saisonende, da gibt es dann vielleicht Rabatte, aber das ist losgelöst von der ‚Black Week‘ “, sagt der Schuhhändler. Die „Black Week“ wirft aber dennoch dunkle Schatten aufs Verkaufs- und Weihnachtsgeschäft, wirke „hemmend“, weil viele Kunden abwarten und auf bessere Deals hoffen. Weith sieht all das aber gelassen: „Das ist nicht der Anlass, um in Panik zu geraten und die Preise zu reduzieren.“ Trotzdem, das hat auch Weith bemerkt, fragen die Kunden vermehrt nach Rabattaktionen – gerade in Hechingen verbinden sich eben „Black Friday Week“ und die Aktion „Lichterglanz“. Beides in Summe schürt wohl die Sehnsucht nach Preisnachlässen. Rainer Weith sieht den Einzelhandel aber generell als verlässliche Anlaufstelle, weshalb er von solchen Rabattschlachten wenig hält: „Wenn wir da alle mitmachen, dann machen wir uns irgendwann unglaubwürdig.“ Es sei dem Kunden schließlich nicht zu vermitteln, weshalb die Ware an einem bestimmten Tag deutlich weniger koste, an einem anderen dann aber wieder den Normalpreis habe. Einzige Ausnahme: Rabatte am Saisonende.
Bis zu 300 Millionen Euro gehen verloren
Jetzt aber noch ein Blick über den lokalen Tellerrand hinaus: Einer Studie der Unternehmensberatung „Kearney“ zufolge, die den Effekt des „Black Fridays“ im Jahr 2023 untersuchte, verliert der Einzelhandel in Deutschland durch derlei Aktionen bares Geld. Die Studie zeigt, „dass Einzelhändler bis zu 300 Millionen Euro Profit durch konventionelle und suboptimale Preisstrategien verlieren.“ Das Problem, welches Hechingens Weith als „hemmend“ beschrieben hat, spiegelt sich auch in der Studie wider. Die Rabattschlacht sorgt nämlich laut „Kearney“-Studie für folgendes Phänomen: „Das führt dazu, dass Händler zwar am ‚Black Friday‘ einen Gewinn von 625 Millionen Euro erzielen, gleichzeitig aber durch entgangene Margen aus den Vortagen und den darauffolgenden Tagen rund 883 Millionen Euro Profit verlieren. Dieses Delta von 258 Millionen Euro macht den ‚Black Friday‘ für viele Händler trotz des Umsatzwachstums zu einem Verlustgeschäft.“
Dennoch ist, wenn es nach den Verfassern der Studie geht, eine Teilnahme quasi alternativlos, auch für den einzelnen Händler: „Da der Markt von großen Plattformen wie Amazon dominiert wird, bleibt vielen Einzelhändlern keine andere Wahl, als mitzuziehen – auch wenn die Profitabilität darunter leidet.“ Im Zollernalbkreis geht man eben den entgegengesetzten Weg, wenngleich auch hier Effekte zu sehen sind. Und die Hoffnungen der Kunden sind groß, wie weiter aus der „Kearney“-Studie hervorgeht: Unter etwa 1000 Befragten gaben 42 Prozent an, Rabatte zwischen 31 und 50 Prozent zu erwarten – mit weniger als zehn Prozent rechnen lediglich marginale 1,3 Prozent der Befragten. Eben diese Erwartungshaltung hat auch Weith beobachtet, Früholz aus Albstadt sieht wiederum den Wettbewerb mit den großen Onlinehändlern als Problem – beides deckungsgleich zur Studie.
Nicht mitmachen beim Hype
Doch von der weiten Welt, der Hauptstandort von „Kearney“ ist in Chicago (USA), der deutsche Ableger sitzt in Düsseldorf, zurück in den Zollernalbkreis. In der Großen Kreisstadt Balingen blickt HGV-Chef Bernd Flohr wie folgt auf den „Black Friday“: „Der geht an den Balinger Händlern großteils spurlos vorbei, es sind keine gemeinsamen Aktionen geplant.“ Einzelne Händler würden zwar mitmachen, aber das Gros eben nicht. Letztlich, auch das ist klar, obliegt es jedem Einzelhändler selbst, ob er sich an der Aktionswoche beteiligt oder nicht. Generell, so schätzt es Flohr ein, seien die hiesigen „Black Fridays“ eher die verkaufsoffenen Sonntage, an denen es dann auch Aktionen der Händler gibt. Dieses weltweite Phänomen „lassen wir uns nicht aufoktroyieren“, stellt er klar.
Hintergrund zum „Black Friday“
Herkunft:
Der Begriff „Black Friday“ stammt ursprünglich aus den USA und bezeichnet den Freitag nach dem US-Erntedankfest (Thanksgiving), das am vierten Donnerstag im November gefeiert wird.
Historischer Hintergrund:
In den 1950er-Jahren nutzten viele Amerikaner den Brückentag nach Thanksgiving, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Der Einzelhandel erkannte schnell das Potenzial dieses Tages, um mit speziellen Angeboten und Rabatten Kunden zu locken.
Namensgebung:
Die genaue Herkunft des Namens „Black Friday“ ist nicht ganz klar. Gleichwohl gibt es Theorien. Einer zufolge soll der Name von der Polizei in Philadelphia geprägt worden sein, die die großen Menschenmengen und den Verkehr an diesem Tag als chaotisch und „schwarzen Tag“ empfand. Eine andere Theorie besagt, dass der Begriff darauf anspielt, dass viele Einzelhändler an diesem Tag aus den roten Zahlen in die schwarzen Zahlen kommen, also profitabel werden.
