Ausbildung bei der ABA Albstadt
: Talente entdecken und fördern

Menschen mit leichten Einschränkungen wie einer Lernschwäche können ihren persönlichen Traumberuf erlernen. Mit der entsprechenden Förderung stehen alle Möglichkeiten offen.
Von
Vera Bender
Albstadt
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Mario Hafke und Manuel Schurr werden als Autofachwerker ausgebildet.

Mario Hafke und Manuel Schurr werden zum Autofachwerker ausgebildet und stehen kurz vor der Abschlussprüfung.

Vera Bender

Das war ein ganz schönes Gewusel am Freitagmorgen in der Gartenstraße 95 in Ebingen. Hier hat die Ausbildungs- und Berufsförderung Albstadt, kurz ABA, Räumlichkeiten, in die sie zum „Tag der Ausbildung“ eingeladen hatte. Und viele Schulklassen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen waren dieser Einladung gefolgt. Hin und wieder fanden sich auch Einzelpersonen ein. Während das Wetter draußen mal wieder mit Regen und kühlen Temperaturen wenig ansprechend erschien, wirkte die Ausbildungsstätte sehr einladend. Schon im Foyer duftete es verführerisch, man hörte Lachen und sah in strahlende Gesichter. Kein Wunder, hatten sich doch Lehrkräfte und Auszubildende der ABA auf diesen besonderen „Tag der offenen Tür“ gut vorbereitet.

Zu dieser Vorbereitung gehört auch das Wissen, wann man eine geförderte Ausbildung bei der ABA beginnen kann. Ein sogenannter Reha-Status ist dafür nämlich nötig. Wenn ein Jugendlicher eine Beeinträchtigung hat, sei es eine Lernschwäche, eine gesundheitliche oder psychische Beeinträchtigung, dann kann ein Arzt dies offiziell diagnostizieren und man erhält den Reha-Status. Welche Vorteile dies hat, erläutert Berufsberater Harald Uhl von der Agentur für Arbeit. Oft sei die praktische Ausbildung für die jungen Frauen und Männer gar kein Problem, aber beim dualen System, das in Deutschland für eine Ausbildung üblich ist, muss eben auch der schulische Teil bestanden werden. Bei einer Lernschwäche kann das schon ein großes Problem sein. Und genau hier kommen die ABA und die Agentur für Arbeit ins Spiel.

Stolz auf die Entwicklung der Auszubildenden

Die Auszubildenden werden speziell gefördert, erhalten Stütz- und Förderunterricht und eine sozialpädagogische Begleitung bei der ABA, finanziert über die Arbeitsagentur. Darüber hinaus soll ein Berufsvorbereitungsjahr oder ein Praktikum bei der Orientierung helfen, so Harald Uhl. Möglich sind diese geförderten Ausbildungen im Zollernalbkreis bei der ABA, im Landkreis Sigmaringen bei der Einrichtung Mariaberg und außerdem bei Berufsbildungswerken in der weiteren Umgebung, wenn es ein bestimmtes Berufsbild sein soll, das bei der ABA nicht angeboten wird, erklärt Uhl. Möglich sind aber auch reguläre Ausbildungen bei jedem anderen Arbeitgeber, die eben durch Stütz- und Förderunterricht unterstützt werden. „Die Auszubildenden sollen sich gut aufgehoben fühlen“, betont der Berufsberater und ergänzt: „Manche schaffen es auch ganz normal in ihrer Ausbildung.“ Kosten entstehen für die Jugendlichen und ihre Eltern übrigens nicht. „Wir sind immer richtig stolz, wenn wir bei den Abschlussfeiern sehen, welche Entwicklung unsere Azubis gemacht haben und welchen Erfolg sie feiern können“, freut sich Harald Uhl schon auf die nächste Berufsabschlussfeier.

Berufe für Kreative und Disziplinierte

Während im ersten Raum Harald Uhl und seine Kollegin Heidrun Schluck über die Möglichkeiten der Berufsausbildung in Zusammenhang mit einer Förderung informieren, zieht ein leckerer Duft aus dem zweiten Saal. Hier tummeln sich bereits Schülerinnen und Schüler der Astrid-Lindgren-Schule aus Bisingen. Die aktuellen Azubis zum Fachpraktiker oder zur Fachpraktikerin in Hauswirtschaft und Küche haben köstliches Gebäck und Waffeln vorbereitet. Außerdem dürfen die Gäste verschiedene Getränke probieren und den jeweiligen Zuckergehalt erraten. Während es bei den künftigen „Kochkünstlern“ und „Haushaltsköniginnen“ recht lustig zugeht, haben sich im Raum gegenüber die Schülerinnen und Schüler einer anderen Schulklasse an die Arbeitsplätze mit Laptops verteilt. Hier erfahren sie, dass es für die Ausbildung zum Kaufmann oder der Kauffrau für Büromanagement schon einiger Disziplin bedarf und man gerne zur Schule gehen sollte. Fabian, ein derzeitiger Azubi des dritten Lehrjahrs, berichtet, dass er tatsächlich momentan mehr Zeit mit Lernen als mit Fußballspielen verbringe.

Jennifer Kuhlberg macht in Bälde ihren Abschluss zur Metallfeinbearbeiterin.

Jennifer Kuhlberg macht in Bälde ihren Abschluss zur Metallfeinbearbeiterin.

Vera Bender

Wer noch dazu Fachinformatiker werden will, muss sich viel mit Programmieren und Programmiersprache beschäftigen. Das ist nicht für jeden geeignet, erklärt Sabine Holstein, die pädagogische Leiterin der ABA. Allerdings hat man auch schon einen Fachinformatiker ausgebildet, um den sich dann die Firma Groz-Beckert gerissen hat. Auch das gibt es. Deshalb biete man auch das Vorbereitungsjahr und das Qualifizierungsjahr an der Zollernschule an, damit sich die jungen Leute schulisch festigen und beruflich orientieren können, verdeutlicht Holstein. Wenn es Abbrecher gebe, dann „weil die Familie umzieht oder man sich den falschen Beruf ausgesucht hat“, so die pädagogische Leiterin.

In jedem Menschen steckt ein Talent

Sie informiert, dass man bei der ABA Kapazitäten habe, um insgesamt 75 junge Leute auszubilden. Aktuell habe man aber nur etwa 55 Lehrlinge. Viele von ihnen haben sich beim „Tag der Ausbildung“ mächtig ins Zeug gelegt. So erfuhren die angehenden Abschlussschüler per Bildpräsentation, was man als Verkäufer oder Verkäuferin lernt und anwenden muss. „Du hattest schon als Kind deinen eigenen Kaufladen und könntest sogar dem Teufel das Weihwasser schmackhaft machen?“, ist auf den ausgelegten Infokärtchen zu lesen. Denn schließlich hat jeder Mensch ein Talent. Man muss es nur entdecken und fördern. Einige dieser Talente sind im Keller des Gebäudes tätig, wo schweres Gerät steht. Vor einem Kleinwagen mit geöffneter Motorhaube hantieren Mario Hafke und Manuel Schurr und führen gerade eine Inspektion durch. Sie stehen beide kurz vor der Prüfung zum Autofachwerker und sind total glücklich mit ihrer Berufswahl, wie sie versichern.

Gleich daneben arbeitet Jennifer Kuhlberg an der Drehbank. Hier fliegen sprichwörtlich die Funken. Eine Frau als Metallfeinbearbeiterin? Die 23-Jährige findet das überhaupt nicht ungewöhnlich: „Schon als kleines Kind wusste ich, dass ich einmal mit Metall arbeiten will.“

Individuelle Förderung und Angebote rund um das Thema Beruf

Die ABA bildet in acht anerkannten Ausbildungsberufen aus und unterstützt bei anderen Berufsausbildungen mit Stütz- und Förderunterricht. Die Hilfen werden auf jeden Lehrling individuell zugeschnitten und die Kosten von der Arbeitsagentur übernommen. Voraussetzung ist lediglich ein Reha-Status, wenn eine Lernbeeinträchtigung oder eine körperliche oder psychische Beeinträchtigung vorliegen. Die ABA mit Hauptsitz in Onstmettingen hat Außenstellen in Ebingen, Balingen, Sigmaringen, Tuttlingen, Rottweil und Villingen-Schwenningen. Neben Berufsvorbereitung und Ausbildung gibt es auch Weiterbildungsmöglichkeiten.

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