Mitte Dezember kursierten Bilder und Videos im Netz vom Aquadom in Berlin. Nicht aber aus Bewunderung, sondern weil das Aquarium in Trümmern lag. Etwa eine Million Liter Wasser ergossen sich über das Hotel, 1200 Fische verendeten. Explosionsartig soll der Aquadom geplatzt sein. Welche Folgen ein kaputtes Aquarium haben kann, davon kann Peter Fritz berichten. Er ist Vorsitzender des Ebinger Aquariumvereins, der seit 1957 das Albaquarium betreibt.

Drei kaputte Becken im Albaquarium Albstadt

Zwischen 2021 und 2022 sind in dem Schau-Aquarium drei große Aquarien kaputtgegangen. Das größte fasste 2500 Liter Wasser, ein weiteres 2000 Liter auf einer Länge von fast dreieinhalb Metern. Innerhalb von vier Monaten zeigten sich an allen drei Becken Lecks. „Bei allen drei Becken hatte es keine Risse gegeben, sie entleerten sich nicht explosionsartig wie in Berlin“, erklärt Fritz. So musste der Verein nur wenige Verluste verzeichnen, da die meisten Fische auf andere Becken verteilt werden konnten, bis die Ersatz-Aquarien da waren.

50 Fische mussten in ein neues Aquarium

„Ein solcher Umzug bedeutet gigantischen Stress für Fische“, weiß Peter Fritz. Dadurch steige das Risiko, dass Tiere nicht überleben. Von den etwa 50 betroffenen Fischen haben es jedoch die meisten geschafft. Bei den Pflanzen sieht es da schon anders aus: „Fast alle sind eingegangen.“ Verteilt man diese in andere Becken, nehmen sich die Pflanzen gegenseitig den nötigen Platz und Nährstoffe weg. Doch diese Verluste musste der Verein in Kauf nehmen, da die kaputten Becken irreparabel waren. Ein Ersatz musste her.
Dabei stieß der Verein aus Ebingen auf Schwierigkeiten: Aufgrund der Pandemie gab es zunächst auch im Aquarienbereich Lieferprobleme. Erst zum Dezember dieses Jahres konnte der Verein den Ersatz beschaffen. „Wir mussten allerdings auch die Finanzierung klären“, nennt der Vorsitzende einen weiteren Grund für die Verzögerung. Die neuen Becken bestehen, wie schon die alten, aus Glas. „Bei diesen Größen können wir noch mit Glas arbeiten.“ Größere wie dem in Berlin werden aus Acrylglas hergestellt.

Lecks durch Materialermüdung?

In Albstadt seien die Lecks Folge von Materialermüdung aufgrund des hohen Alters, vermutet Fritz. Das könnte auch in Berlin der Fall sein. Zusätzlich gehen Experten von Mikrorissen aus. Die Berliner Zeitung berichtet von einem Tierschaden in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Der Gesamtschaden ist noch nicht ermittelt.
In Albstadt ist der Schaden glücklicherweise nicht so hoch: Um die drei kaputten Becken zu ersetzen, muss der Verein etwa 12 000 Euro in die Hand nehmen. Dennoch viel Geld für ein vereinsbetriebenes Aquarium. Hilfe erhält der Verein von Albstadt: „Die Stadt bezahlt Strom, Wasser und die Miete“, sagt Peter Fritz, weil das Schauaquarium als öffentliche Einrichtung gilt. „Wir sind auf die Unterstützung angewiesen, weil wir uns allein durch die Eintrittsgelder nicht tragen können.“ Doch bei der Finanzierung der neuen Aquarien wollte der Verein die Gutmütigkeit der Stadt nicht strapazieren und bezahlt sie selbst. Dass das überhaupt möglich ist, liegt an den Mitgliedern, die zahlreiche ehrenamtliche Stunden in ihr Aquarium stecken, wodurch wiederum Kosten reduziert werden können. So auch beim Dekorieren, Bepflanzen der Becken und Einsetzen der Tiere.
Das größte der drei Becken soll kommende Woche befüllt werden. Doch bis die künftigen Bewohner einziehen, kann es mehrere Wochen dauern. „Wir Aquarianer reden da von der Biologie.“ Der richtige Salzgehalt, pH-Werte, die Gesamthärte des Wassers, der Nitritwert, um nur einige Beispiele für die richtige Biologie zu nennen. Diese entstehe nicht auf Knopfdruck, man muss sich die passende Biologie heranziehen, so der 61-Jährige.

Mögliche Erhöhung der Eintrittspreise

Trotz Ehrenamt werde der Verein wohl nicht drumherum kommen, die Eintrittspreise zu erhöhen. Derzeit zahlen Erwachsene vier und Kinder bis 16 Jahre zwei Euro. „Wir haben moderate Eintrittspreise und das soll auch so bleiben“, sagt Fritz über den noch nicht bekannten neuen Preis. Schließlich sei das Albaquarium für Familien gedacht. Wie hoch die Preiserhöhung ausfallen wird, bespricht der Verein erst in der nächsten Hauptversammlung.

Rund 8500 Besucher pro Jahr – die Pandemie reduziert auf 7000

Eine Schließung kommt trotz Kostensteigerungen und großer Investition nicht infrage. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen über diese Tiere zu informieren.“ Das entgegnet Peter Fritz auch Naturschützern, die das Albaquarium kritisieren. „Unsere Besucher sollen sehen, dass es sich lohnt, den Lebensraum dieser Tiere zu schützen und zu erhalten.“ Er könne jederzeit verantworten, wie die rund 700 Tiere und etwa 100 Arten hier gehalten werden. „Wir wollen die Tiere lange Zeit halten.“ Der älteste Fisch des Aquariums, ein Wels, ist 43 Jahre alt.
Weitere Informationen zum Aquarium gibt es auf www.albaquarium.de

Welche Tiere gibt es im Albaquarium?

Etwa 700 Tiere leben im Ebinger Albaquarium. Von den rund 100 Arten sind die meisten Fische. Doch auch Reptilien, Krebse und Weißbüschelaffen sind hier zu finden.
Vor allem tropische Tiere werden ausgestellt. Dabei gibt es Meer- und Süßwasser-Aquarien. Die meisten Fischarten stammen aus Australien, Südamerika und Asien. Heimische Fische gibt es kaum. „Wir wollen den Besuchern auch etwas Besonderes zeigen.“ Wichtig ist dem Verein jedoch, dass die Tiere dabei artgerecht gehalten werden.