Abholstation in Harthausen: Ziegen streicheln und Gemüse abholen

Auf dem Hof von Carolin Dietz stellt Philipp Teufel sein Solawi-Gemüse zur Abholung bereit.
Alexander ReimerDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Morgens wird das Gemüse auf dem Feld geerntet, mittags landet es bereits auf dem Teller. Philipp Teufel betreibt einen Solawi-Hof im Hettinger Ortsteil Inneringen. Seit zwei Jahren setzt er auf das Konzept. Damit seine Abnehmer im Zollernalbkreis nicht mehr so weite Wege auf sich nehmen müssen, um ihr Gemüse abzuholen, hat er zusammen mit Carolin Dietz, Betreiberin der Ziegenhütte Zollernalb, eine Abholstation auf ihrem Hof in Harthausen eingerichtet.
Wie funktioniert nun das mit der solidarischen Landwirtschaft, oder eben kurz Solawi? Der Landwirt und seine Kunden schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Da die Solawi die Rechtsform eines Vereins hat, handelt es sich bei den Kunden um Mitglieder. Diese verpflichten sich vor Beginn der Saison für ein Jahr und zahlen monatliche Beiträge. Dafür bekommen sie im Gegenzug frisch geerntetes Gemüse. Die Vorteile: Der Landwirt ist dadurch finanziell abgesichert und er hat Abnehmer für seine Erzeugnisse. Die Gemeinschaft finanziert den Betrieb des Hofs. Zugleich weiß der Landwirt aber auch, dass das geerntete Gemüse verbraucht wird. Weggeschmissen wird nichts. „Alles, was geerntet wird, wird auch gegessen“, sagt Teufel.
Dritte Solawi-Saison steht bevor
Teufel baut keine Monokultur auf seinem Hof an, sondern hat eine ganze Bandbreite an Gemüse, von Salat, Kohl, Zwiebeln, Tomaten bis hin zu Kartoffeln. Insgesamt 50 Gemüsearten und davon 137 Sorten werden angepflanzt auf rund 4000 Quadratmeter Fläche. Das macht nicht nur die Arbeit für den Landwirt abwechslungsreicher, sondern das Konzept für Umwelt und den Boden schonender. Eine Bio-Zertifizierung hat Teufel noch nicht, das liege aber daran, dass das Projekt noch jung ist und solch eine Zertifizierung ein Weilchen Vorlauf brauche. Chemie komme jedenfalls nicht zum Einsatz.
Nun steht für den Landwirt die dritte Solawi-Saison bevor. Und erstmals wird es eine Abholstation im Zollernalbkreis geben. Carolin Dietz, Betreiberin der Ziegenhütte Zollernalb, war selbst Solawi-Mitglied und hat Gemüsekisten in Inneringen abgeholt. Teufel kam dann die Idee mit der Kooperation. Im Vorraum der alten Käserei, neben dem Hofladen der Ziegenhütte, können die Mitglieder ihre vorverpackten und namentlich markierten Gemüsetaschen abholen. Pro Abnehmer sind es etwa zehn Gemüsesorten, erklärt Teufel.
Die Menge ist begrenzt
Immer freitags, von 13 bis 20 Uhr, vom 9. Mai bis zum dritten Advent stehen die Taschen bereit. Das Gemüse wird dabei in aller Regel freitagmorgens geerntet. Mitglieder zahlen 70 Euro im Monat (insgesamt zehn Monate) für einen sogenannten „ganzen Anteil“, also einer wöchentlichen Gemüseration. Für 35 beziehungsweise 17,50 Euro können aber auch halbe oder viertel Anteile vereinbart werden, für die dann dementsprechend alle zwei beziehungsweise vier Wochen Gemüse abgeholt werden kann. Weitere Infos gibt es im Internet unter https://solawi-inneringen.de/.
Insgesamt wird Philipp Teufel in der bevorstehenden Saison 50 Anteile ernten. 32 Anteile sind bereits vergeben. Interessenten können sich noch bis 8. Mai in einer sogenannten Bieterrunde anmelden. Teufel geht davon aus, dass dabei mehr als 18 Personen zum Zug kommen werden. „Die meisten entscheiden sich für einen halben oder viertel Anteil. Das Konzept bedeutet auch eine Umstellung in der Küche.“ Denn in den Taschen landet eben saisonales Gemüse. Zu Beginn der Saison seien die Portionen etwas kleiner, in den Taschen finden die Mitglieder etwa Salate und Radieschen. „Die schönsten und vollsten Taschen gibt es dann von August bis Oktober. Dann gibt es beispielsweise auch Tomaten“, sagt Teufel. Im Dezember werden derweil etwa noch Kohlsorten geerntet.
Streicheleinheiten gern gesehen
Teufel ist sich bewusst, dass nicht der gesamte Ackerbau auf Solawi umstellen kann. Und da es ein junges Konzept ist, ist das Angebot zudem rar gesät. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund 500 Solawi-Höfe. Und insbesondere unsere Region sei diesbezüglich noch ein weißer Fleck. „Aufgrund der Höhenlage auf der Schwäbischen Alb ist Gemüseanbau nunmal nicht gerade einfach.“ Sein Hof befindet sich in rund 800 Höhenmetern.
Wer einen Abstecher zur Ziegenhütte macht, um sich sein Gemüse abzuholen, schaut vielleicht auch im Hofladen vorbei, erhofft sich Carolin Dietz. Im Zuge der Kooperation wird es auch auf Teufels Hof künftig Ziegenkäse zu kaufen geben. Der stammt übrigens von insgesamt 80 Milchziegen, wie Dietz erklärt. Da Ziegen in aller Regel Zwillinge auf die Welt bringen, tummeln sich derzeit rund 100 kleine Nachwuchsziegen auf dem Hof. Und die wichtigste Frage zum Schluss kann Dietz auch noch beantworten: Ja, die Ziegen lassen sich auch gern streicheln.
Vortrag im K3
Philipp Teufel hält am Montag, 7. April, im Winterlinger K3 einen Vortrag zum Thema Solawi, in dem er das Konzept den Besuchern vorstellt. Im Anschluss steht eine Fragerunde an.
