Auf der Online-Plattform „Kwick!“ sammelten viele Jugendliche und junge Erwachsene im Großraum Stuttgart Anfang der 2000er Jahre ihre ersten Erfahrungen mit Social Media. Zeitweise galt die digitale Community, in der hauptsächlich Nutzer aus Baden-Württemberg angemeldet waren, als eine der größten Deutschlands.

Kwick.de schließt 2019 endgültig ohne Nachfolger

Und obwohl Kwick.de längst von anderen, größeren Netzwerke abgelöst worden ist, blieben bis heute zahlreiche Nutzer der Online-Community treu. Nach eigenen Angaben sind derzeit noch immer rund 1,5 Millionen User angemeldet. Die meisten aus nostalgischen Gründen. Gästebucheinträge, Blogposts, Foren, Fotogalerie und Profilinfos - alles lag konserviert auf den Kwick-Servern.
Bis jetzt: Nach fast zwanzig Jahren schließt die Plattform zum 31. August 2019 endgültig. Die Betreiber aus Weinstadt sahen sich zu dem Schritt genötigt, denn „die Einnahmen decken seit Jahren die Ausgaben nicht mehr“, schreiben sie in einem Facebook-Post.
Die Ankündigung löste bei der Kwick-Community viele Reaktionen aus. Fast 10.000 Kommentare sammelte der Post in kürzester Zeit. Viele User erinnern sich zurück, verlinken sich gegenseitig und erzählen Anekdoten aus der Kwick-Zeit. „War eine schöne Zeit mit Kwick, hab da meinen Mann kennengelernt“, schreibt eine Userin und ist mit dieser Geschichte nicht allein.
Zahlreiche Nutzer beschreiben, wie Kwick sie mit ihren Partnern zusammenbrachte. Als soziales Netzwerk gestartet, hatte sich Kwick immer mehr zur Dating-Plattform entwickelt. „Wer hätte gedacht, dass Italiener_2005 und Bella_stronza am Ende vor dem Traualtar landen.... kwick! War einfach eine coole Zeit“, kommentiert eine andere Userin.

Ende der Kwick-Ära: Community und Betreiber trauern gemeinsam

Auch die Betreiber der Plattform zeigen sich vom Ende der Kwick-Ära berührt. „Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen, jedoch lässt es die wirtschaftliche Situation leider nicht anders zu“, schreiben die Betreiber in ihrem Post.
Gegründet wurde die Plattform Ende der 90er-Jahre vom Wirtschaftsinformatik-Student Jens Kammerer, der die Plattform 2011 verkaufte. Jens Kammerer wohnt heute im Schurwald im Kreis Göppingen.
Noch bis Ende August 2019 können die Daten aus den aktiven Kwick-Profilen gesichert werden.

San Francisco

Drei Jahre später: Auch StudiVZ und meinVZ sind Geschichte

Während sich die kwick.de-Community 2019 aus dem Netz verabschiedete, hat es drei Jahre später einen weiteren Urzeitkrebs der sozialen Medien erwischt: Das Studentennetzwerk StudiVZ sowie sein Ableger meinVZ machten im März 2022 endgültig dicht.
Das Ende 2005 gegründete Studiverzeichnis (StudiVZ) hatte in Deutschland ein gutes halbes Jahrzehnt lang große Erfolge gefeiert - bis es um 2010 von Facebook überrundet wurde. Dennoch hatte die Seite manche Eigenheiten, die sie besonders machten - beispielsweise Spaß-Gruppen für Studierende und Gruscheln, eine eigenwillige Wortschöpfung fürs Liken.
Manche wenige hielten dem Netzwerk deshalb auch weiter die Treue, nachdem die meisten zu anderen sozialen Medien abgesprungen waren. In den vergangenen Jahren glich die Seite aber eher einer Geisterstadt und wurde nicht mehr auf dem neusten technischen Stand gehalten. Manche Features funktionierten deshalb nicht mehr. Eine endgültige Schließung von StudiVZ und meinVZ war in der Vergangenheit schon mehrere Male angekündigt, dann aber wieder verschoben worden. Der Ableger schülerVZ wurde bereits Ende April 2013 eingestellt.

Kwick-Nachfolger wieder offline

2020 und 2021 gab es Bemühungen dritter Personen, die Kwick-Community auf kwick.com wiederzubeleben. Aufgrund technischer Probleme und fehlenden Datenschutzerklärungen sowie Impressum stieß die neue Version bei vielen bisherigen Nutzern auf Vorbehalte und Kritik. Die Seite ist aktuell im Jahr 2022 nicht mehr erreichbar, der letzte Update-Post in der jeweiligen Facebook-Gruppe stammt von August 2021.